Monatsarchiv: August 2012

Meine Bienen. Eine Schneise // Händl Klaus, Franui

Ein ungewöhnliches Experiment für die Schauspiel-Abteilung der Salzburger Festspiele: eine Uraufführung, gegründet auf der konzeptionellen Zusammenarbeit des Tiroler Dichters Händl Klaus und Franui, einer Musicbanda – ebenfalls aus Tirol, inszeniert von einem noch nicht berühmten französischem Regisseur (Nicolas Liautard), der sich den Text erst übersetzen lassen musste.
Ich war neugierig  – die Vorberichterstattung hatte gute Arbeit geleistet.

Im Foyer des Salzburger Landestheaters dann der für mich eindrücklichste Moment eines Summens (Bienen!), verursacht vom Salzburger Premierenpublikum: Schickeria trifft auf künstlerische Intellektuelle bzw. intellektuelle Künstler, Aufregung mischt sich mit Skepsis, Sunnyi Melles ist auch da.

Während der Aufführung schwanke ich zwischen tiefer Bewunderung (“Hier wird gerade ein neues Genre erfunden!”) und enttäuschter Distanz (“Wann kommt er endlich…DER Moment?”). Denn den packenden Spannungbogen, die ergreifende Atmosphäre und den übermächtigen Sog, welche die Thematik des Librettos mit dem entsprechenden Leitmotiv haben erwarten lassen, erlebe ich leider nicht.

Aufgeladen mit Sinnbildern, gespickt mit aberwitzigen Wortspielen entlädt sich in Meine Biene. Eine Schneise der urtümliche Konflikt zwischen Mensch und Natur. Für die Figuren ist sie entweder paradiesähnlicher Lebensraum (Kathrin, Brigitte Hobmeier)Fremd- und Sehnsuchtsort (Peter, Stefan Kurt), Albtraum (Lukas, Ein Wiltener Sängerknabe) oder verhasste Heimat (Wim, André Jung) – die ideale Folie für das Spiel um menschliche Abgründe. Händl Klaus liefert hier einen außergewöhnlichen Theatertext (Libretto), der antike Tragödie und schwarzes Märchen, Familiendrama und Ode an die Natur zugleich ist. Seine Geschichte ist schwer zu begreifen (falls er überhaupt eine hat), doch vermittelt er die unheilvolle Ahnung einer Bedrohung -, der Tatort des Walbrands ist nur oberflächlicher Ort des Geschehens: Kathrin verführt Peter, dieser ist jedoch nicht der Vater von Lukas, obwohl der eine richtende Hand so schmerzlich vermisst -, und Wim ist dem Jungen zwar ähnlich, aber auf andere Weise mit ihm verwandt…Menschliche Beziehungen werden erst nach und nach enthüllt und geschärft.

Zwischen schwarzen Baumstämmen und verkohltem Laub (Waldbrand!) auf beiden Bühnenseiten sowie vor einer semitransparenten Projektionsfläche wirkt das Spiel der großartigen Schauspieler zeitweise gehemmt und nur selten kommt es zu befreienden Wortgefechten. Meist sind sie zu sehr darum bemüht die Balance zwischen Sprache und Musik zu finden; wenn dies gelingt – vor allem im Sprechgesang, dann ist es die reinste Freude und die tiefgründige Magie der Worte wird fühlbar.

Der umjubelte Star des Abends ist – wer hätte es gedacht – der 13- jährige Sängerknabe, der mühelos die Mischung aus Alban Bergs Jugendliedern und Franui Eigenkompositions-Stücken umsetzt und dessen hochklare Stimme von einer anderen Welt zu kommen scheint (passend zur Rolle des Kindes als Fremdkörper in der Natur) – allerdings überrascht die Häufigkeit seiner Auftritte und Soli, fügt sich seine Bühnenfigur zu oft nicht in das Spiel der Anderen ein.

Eine Schneise ist zwar auf der Bühne zu sehen – Natur, vernichtet vom Menschen – doch wird sie in dieser Aufführung nicht durch das Publikum geschlagen. So warte ich bis zum Schlussapplaus auf die geniale Idee der Inszenierung, denn ohne sie funktioniert die Zusammenführung von antiker Tragik und Tiroler Familienkrise ebenso wenig wie der Kontrast zwischen artifiziell aufscheinender Bühnenwelt und der besungen-umspielten Kraft der Natur. Das Provokations-Potential des Textes wird verschenkt und das liegt nicht an mangelnder Leidenschaft der Schauspieler oder fehlender musikalischer Rafinesse.

Informationen zur Produktion und weitere Vorstellungen unter:

http://www.salzburgerfestspiele.at/schauspiel/meine-bienen-eine-schneise-2012


Hallo ich bin Ödipus. Ich klage. // Theater unterm Dach

Ödipus auf der Couch beim Psychoanalytiker – das ist vielleicht keine besonders originelle Idee, aber durchaus eine nette, finde ich. Was dabei in „Ödipus Klage“ heraus kommt ist weniger nett. Da wird wild rumreflektiert und durch die Gegend assoziiert. Ödipus ist ein betrunkener Jammerlappen und taumelt um die Therapiecouch, kotzt und flucht: „Alkohol ist meine Lösung!“, prahlt er. Sein Psychanalytiker trägt Knickerbocker und pinke Kniestrümpfe. Das sorgt zwar für Lacher, macht aber trotzdem keinen Sinn. In Traumsequenzen wird dann Iokaste gevögelt und der Vater umgebracht. Dann taucht auch noch eine berlinernde Antigone auf und beschwert sich über die vorherrschende Langeweile. Man möchte ihr rechtgeben.

Leider bringen die Schauspieler ihre Figuren mit gnadenlosem Overacting um jede Tiefe und sind teilweise hart an der Peinlichkeitsgrenze. Das ist schade, insbesondere da die Schauspieler technisch sauber arbeiten und mit großer Präsenz überzeugen. Leider glaubt man ihnen trotzdem kaum einen Satz. Die Begrüßung von Ödipus und Antigone war dennoch schön: „Ich bin Antigone. Ich kämpfe“ „Hallo, ich bin Ödipus. Ich klage“. Und dann ist es plötzlich nach einer knappen Stunde vorbei und versöhnlich bemerke ich, dass die Schauspieler es doch geschafft haben, mich zu fesseln. Unschlüssig gehe ich Richtung Kreuzberg. Ich mache es wie Ödipus und löse das Problem mit Alkohol.


Simplicissimus – Felix Goldmann

ACUD Theater

KLICK

Das ACUD Theater in Berlin Mitte ist ein Ort, den man unbedingt kennen sollte! Das ACUDkunsthaus setzt sich aus einem Theater, einem Kino, einer Galerie und einer Bar bzw. einem Café zusammen.

Es ist ein gemütlicher Ort wo man chillen kann, ins Kino gehen kann oder man schaut sich Theater an!

Die Sommerpause ist zwar fast vorbei, doch Felix Goldmann, Leiter das ACUD Theaters, inszeniert SIMPLICISSIMUS von Grimmelshausen im Hof des ACUDkunsthauses als Sommertheater.

Die Geschichte des SIMPLICISSIMUS gilt als erster Abenteuerroman und ist ein wichtiges Zeugnis des Barock.

Felix Goldmann steckt seine Schauspieler in historische Kostüme und lässt einen Holzwagen in den Hof fahren.

Es wird auf allen Ebenen gespielt. Vor den Zuschauern, auf der Bühne, in der Bühne, auf den Terrassen, aus den Fenstern, in der Luft! Ja man muss seinen Kopf immer wieder drehen und wenden um die Ereignisse verfolgen zu können.

Goldmann besetzt den Simplicissimus dreifach. Sabine Roßberg spielt den jungen, Susanne Heubaum den mittleren und Rike Eckermann den alten Simplicissimus. Die fünf Männer übernehmen verschiedenen Rollen und auch die Damen sind mal Hure und mal Herrin, wenn sie nicht gerade Simplicissimus spielen. Damit man als Zuschauer nicht durcheinander kommt, wird demjenigen der gerade Simplicissimus verkörpert ein großes S auf die Stirn geschrieben.

Der Geschlechtertausch funktioniert in dieser Inszenierung. Es stört nicht, dass Simplicissimus von Frauen gespielt wird. Man vergisst es irgendwann.

Sabine Roßberg spielt als junger Simplicissimus sehr glaubwürdig. Mit ihren großen Rehaugen und der süßen Naivität überzeugt sie. Man merkt das sie in der Rolle aufgeht und sich das Schicksal des Viehhirten angenommen hat. Besonders die Szene als sie mit dem Kopf ins Wasser getaucht wird und danach zur Kuh wird, hat es mir angetan. Sabine Roßberg gibt die Kuhgeräusche so herzzerreißend hervor, dass man sie eigentlich in den Arm nehmen möchte. Susanne Heubaum hingegen nahm ich den Simplicissimus nicht sehr ab, was aber vielleicht auch daran lag das der Mitteil generell sehr clownesk und albern war. Hier wird versucht eine Lustigkeit zu produzieren, die aber leider nicht ganz bei den Zuschauern ankommt. Jedenfalls ist sie bei mir nicht angekommen. Schade eigentlich, da der Anfang so gut war. Rike Eckermann hingegen riss dann das Ruder zum Schluss wieder rum und zeigte glaubwürdig den alten, zerschlagenen Simplicissimus. Danach geht das Licht aus.

Felix Goldmann zieht alle Register und setzt ein was man einsetzten kann. Falltüren, Seilzüge, Kerzen und Musiker.

Alles zusammen ergibt eine wunderbare Harmonie und gerade deswegen ärgert es mich so, dass der Mittelteil leider etwas danebengegangen ist.

Trotzdem ist es eine Inszenierung für die ganze Familie und ein gelungenes Sommertheater.

Man sollte es sich ansehen! Alleine schon deswegen um das ACUD zu unterstützen, damit es nicht geschlossen wird! Denn das dürfte auf keinen Fall passieren!


“Gutes Wedding Schlechtes Wedding” – Sitcom im Prime Time Theater

„Man darf sich übrigens vom Theater insgesamt auch unterhalten lassen“, sagt der Leiter des ZDFtheaterkanal Wolfgang Bergmann und das ist beinahe eine Kampfansage gegenüber einem Kulturbetrieb, der sich schwer tut zu verstehen, dass Kunst auch Spaß machen darf. Das Prime Time Theater setzt ganz bewusst auf Unterhaltung und haucht der ursprünglichen Idee der Sitcom neues Leben ein. So gibt es seit acht Jahren jeden Monat eine neue Folge „GutesWedding, SchlechtesWedding“ – live im Theater. Gemütlich sitzt man in den plauschigen Kinosesseln. Getränke dürfen natürlich mitgenommen werden und es ist proppenvoll. Wie sich das für eine anständige Sitcom gehört steht in der Mitte der Bühne ein Sofa. Und es geht los: Mahmud der Tiger von Wedding sucht verzweifelt seine schwangere, nun auch verschollene Freundin und Uwe Gammerdinger, der eigentlich eine Männerstillgruppe leitet, muss den Sexualkundeunterricht an der High School im Wedding übernehmen, weil die Lehrerin Marion Futtergut suspendiert wurde, da sie den Unterricht zu praxisnah gestaltete. Außerdem ist da noch Ronja aus Hassleben, die nach Berlin geflohen ist, um ihre große Liebe zu finden und nun von ihrem Cousin gesucht wird, dem sie zur Ehe versprochen ist. Die Prenzlwichserin möchte ein Aroma-Therapiezentrum im Wedding eröffnen und außerdem ist da auch noch ein skandalöses Video von David Beckenheim und den Cheerleadern der High School Wedding aufgetaucht. Die Figuren sind völlig übertriebene Karikaturen der Stereotypen von Sitcom-Protagonisten und der Plot ist hinreichend absurd. Das könnte in die Hose gehen, tut es aber nicht. Denn die Schauspieler sind großartig, das Timing ist perfekt und niemand nimmt sich hier allzu ernst. Das ist vielleicht keine Kunst, aber großartige Unterhaltung. Und wer das Prinzip Sitcom verstehen will, der sollte unbedingt hingehen!

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Prime Time Theater
Müllerstrasse 163
Eingang Burgsdorfstr.
13353 Berlin-Wedding


König Roland // Body in motion – Roland Walter im Haus der kleinen Künste

Ich bin ja bekennender Fan vom Haus der kleinen Künste, denn hier sehe ich immer wieder: Theater, das berührt, das wirklich bei mir ankommt, ist nicht zu Hause auf großen Bühnen – Theater ist im Keller! Und der gestrige Abend hat mir wieder einmal Recht gegeben.

Lange habe ich nach einem passenden Titel für meinen Artikel über Roland Walters Performance im Haus der kleinen Künste gesucht. Am Ende bin ich zu einem Schluss gekommen, der eigentlich offensichtlich war, ja vielleicht sogar der einzig mögliche Titel, mit dem sich das zusammenfassen lässt, was ich gestern im Keller gesehen habe: König Roland. Der Abend beginnt mit einer Lesung aus Rolands Buch – ja, Roland hat ein Buch geschrieben. Über sein Leben, seine spastische Lähmung und die Erfahrungen, die er mit seinem Körper, seinen Mitmenschen und unserem Sozialsystemgemacht hat. Der Titel des Buches ist übrigens der gleiche wie der meines Artikels: König Roland – Im Rollstuhl durch das Universum. Roland wird zuerst von seiner Assistentin Andrea auf eine Couch gehievt, von wo er seine Zuschauer mit kindlicher Freude anstrahlt. Bereits in diesem Moment sind meine Berührungsängste, die ich zugegebenermaßen zu Beginn hatte, verflogen und ich kann nicht anders, als zurückzulächeln. Dann begrüßt Roland sein Publikum in seiner ganz eigenen Sprache, die anfangs für mich nur schwer zu verstehen ist. Andrea muss übersetzen. Sie beginnt, Rolands Lebensgeschichte zu erzählen anhand vonKapiteln aus seinem Buch. Angefangen mit seiner Geburt, bei der es durch Sauerstoffmangel zu Rolands spastischer Lähmung gekommen ist, bis zu seiner Tätigkeit als Organisator von Behindertenfreizeiten, die er sich anfangs nicht zugetraut hat. Manche Dinge, in die Roland uns Einblick gibt, berühren mich tief, beispielsweise die Geschichte, wie er von Jugendlichen überfallen und geschlagen wurde, oder wie man ihm nach einem Unfall im Krankenhaus Medikamente und das Essen verweigerte. Bei anderen, den lustigen Erlebnissen mit seinen Assistenten, lache ich mit ihm mit, als Andrea das entsprechende Kapitel zum Besten gibt. Roland muss zwar vorlesen lassen, aber die Regie hierbei führt immer noch er selbst – nur damit das geklärt wäre. Und gegen Ende der Lesung beginne ich das Prinzip König, das Roland verkörpert, zu verstehen.

Der zweite Teil des Abends besteht aus drei Performances. In der ersten stellt Roland seine Geburt da. Er rollt sich in seinem Rollstuhl zusammen - an sich schon eine Bewegung, die den meisten anderen Menschen unmmöglich wäre, und als die Musik einsetzt, beginnt er zu tanzen. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der mit solch einem Bewusstsein und so einer Körperbeherrschung Musik mit jedem Teil seines Körpers fühlen kann. Roland ist tief konzentriert, gibt auch mit seinem Gesicht alles von sich preis. Zu Anfang der Performance hat er uns erzählt, dass er seinen Körper als ein ihm von Gott gegebenes Geschenk sehe und nun gibt er diese Gabe an uns weiter und ich fühle mich ebenfalls reich beschenkt. Auch die zweite Performance ist zu Musik und trägt den Namen “Changes”. Dieses Mal drückt Roland mit seinem Tanz die Möglichkeiten und die Grenzen aus, die ihm durch seinen Körper gegeben sind und auf welche Art und Weise man sich dadurch entwickeln kann. In der dritten Performance, die nicht von Musik begleitet wird, liegt Roland bis auf die Unterhose nackt auf dem Boden und fesselt sich selbst mit einer Eisenkette. Ich finde es gut, dass dieser Teil an den Schuss gestellt wurde, da er uns Zuschauern und auch Roland einiges abverlangt. Er handelt von der Befreiung aus Rolands Gefängnis, das sein eigener körper ist. Als Roland am Ende seine Ketten abgestreift hat, habe ich einen freien Mann vor mir.

Doch diese dritte Performance hätte es gar nicht gebraucht, um mich davon zu überzeugen, dass Roland gar kein Gefangener ist. Sowohl in seinen Bewegungen als auch in seinem Denken und Handeln ist er für mich freier und selbstbestimmter, als es die meisten Menschen ohne Behinderung je sein werden. Ja, das Prinzip König hat sich für mich an diesem Abend auf jeden Fall bewahrheitet und ich gehe nach Hause mit Dankbarkeit dafür, dass Roland es für einen Abend mit mir geteilt hat. Lange Feiern war gestern übrigens für Roland nicht mehr drin, denn schon heute ist die nächste Vorstellung in Salzburg.


Gorillas in der Kunstfabrik Schlot

Es ist Sommerpause in Berlin, dieser haben sich bedauerlicherweise auch die meisten Theater der Off-Szene angeschlossen. Deswegen sitze ich im Impro-Theater. Ich muss zugeben, dass ich kein ausgesprochener Fan von Impro-Theater bin. Impro-Theater erinnert mich duster an Schultheater und eine hilflose Lehrerin, sowie an das Aufwärmen der Laientheatergruppe, welche ich nach einer Probe wieder verließ. Außerdem finde ich Impro-Theater schwer zu kritisieren. Kein Bühnenbild, keine Regie, keinen Text, dem ich mit Hass oder Liebe (oder dem abgenutzten Konglomerat der beiden) entgegen treten könnte. Letztlich kann ich also „nur“ Kreativität, Schauspieler, sowie Unterhaltungswert beurteilen (deswegen wird dies auch eine kurze Kritik). Außerdem habe ich abgesehen von kläglichen, persönlichen Erfahrungen, nicht allzu viele Vergleichsmöglichkeiten. Gut. Impro-Theater also.

Sie sind gut, die Schauspieler, das muss man ihnen lassen. Der ganze Abend ist schnell, fast bin ich versucht, das Unwort spritzig zu verwenden. Sie beziehen den Zuschauer mit ein, wie sich das gehört und variieren das Setting. Es ist ein launiger Abend.

Auch schön: Der Pianist, der die gespielten Szenen mit (was auch sonst) improvisiertem Spiel begleitete.

Was ich so noch nicht gesehen hatte: Improvisations-Singen: Emotionen, die spontan liedhaft umgesetzt werden – zu Klavierbegleitung. Da leidet dann die Sinnhaftigkeit des Textes ein wenig, was der guten Laune jedoch keinen Abbruch tut.

Nein, ich habe auf dem Heimweg nicht über die ganz großen Themen des Lebens nachgedacht, ich war nicht tief bewegt – aber durchaus beeindruckt.

Es war einfach ein netter Abend. Nicht mehr und nicht weniger. Und in diesem Fall war das genug.

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Jeden Dienstag 20:30 in der Kunstfabrik Schlot


Anderland – ci.toulalimnaios

HALLE Tanzbühne Berlin

KLICK

Mein erstes Bühnenerlebnis nach meinem Umzug nach Berlin und dann gleich so etwas! Ich war voll geflasht und konnte bestimmt eine Stunde nicht klar denken.

Die Compagnie um Choreographin Toula Limnaios um Komponist Ralf R. Ollertz, verzaubert, schockiert, betäubt und überrascht. 

Ganz langsam sieht man Gestalten hinter den Folien auf den Zuschauerraum zukommen. Man sieht nur die Schatten. Erst mit Gegenlicht kann man die Gesichter erkennen. Dann fällt der “Vorhang” und man hört Stimmen, Zeitungsmeldungen, Schlagzeilen. An der Seite liegen zerknüllte und aufgetürmte Zeitungen. Im Hintergrund hört man die Wörter Finanzkrise, Merkel und irgendwas französisches. Plötzlich werden die Geräuschen von elektronischen Klängen abgelöst. Ralf R. Ollertz komponiert hier eine atemberaubende, verstörende und zugleich wunderbare Musik aus Elektronischen Klängen. Alles arbeitet mit und Gegeneinander genauso wie die Tanzbewegungen der 4 Tänzerinnen und 3 Tänzer. 

Die Choreographie wechselt zwischen verstörenden und wunderbaren Bildern, zwischen Langsamkeit und Schnelligkeit, zwischen abstrakten Bewegungen und verschiedenen Tanzstilen. Es war einfach wunderbar anzuschauen. Die mimischen Ausdrucke der Tänzer/innen waren fantastisch!

Ästhetische Bilder die zerstört und wieder aufgebaut werden. Man bekommt Gänsehaut beim Zuschauen. 

Es herrscht solch eine Intensität, Spannung und gleichzeitige Ruhe, dass es einem dem Atem verschlägt. Mir ging es jedenfalls so. 

Eigentlich kann man es gar nicht beschreiben. Es ist einfach nur ein zutiefst bewegendes, und auch für den Zuschauer, körperliches Erleben.

Zum Schluss steht ein Tänzer nackt mit roten Kussmündern überseht auf der Bühne und fängt an zu singen, während er in Folie eingewickelt wird. 

Dann geht das Licht aus!

Anderland hat Homogenität, Gegensätze, viele kleinen Geschichten, Spannung und Gänsehautcharakter!

Wer in Berlin ist sollte unbedingt hingehen! Termine findet ihr unter Veranstaltungstipps.

 (c) Sabine Wenzel & cyan


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