Alles nur der Liebe wegen – Andreas Kriegenburg

Münchner Kammerspiele

KLICK

Als jemand der nicht sehr überzeugt von der Liebe ist, hatte ich gewisse Zweifel bei dem Titel.

„Alles nur der Liebe wegen“ hört sich schon so kitschig romantisch an. Ich dachte nur: Nein eigentlich hast du jetzt gar keine Lust auf so was. Aber gut die Karte war bestellt und neugierig war ich ja trotzdem.

Also schick machen, rein ins Theater, Platz suchen und warten bis es anfängt.

Das Licht ging aus, das Licht ging an und was sah ich auf der Bühne? Pinker Marmor überall. Das Bühnenbild erinnerte mich an einem Tanzsaal im Märchen. Es war ein großer Saal, mit riesen Fenstern und pinke Marmor und Bänke an den Seiten, eine Mischung aus einem Museum und Versaille.

8 Schauspieler, Walter Hess, Sylvana Krappatsch, Lena Lauzemis, Oliver Mallison, Stefan Merki, Annete Paulmann, Wiebke Puls, Edmund Telgenkämpfer, zeigten in wechselnden Rolle Klischeebilder der Liebe. Alle ironisiert aber alle sind sie  wahr.  Es wird alles schonungslos gezeigt: Speed Dating, die Neurosen der Singles, die Suchenden, die Angst haben, die Zufälle.

Durch die Ironie wird das wahre Gesicht der Liebe in unsere Gesellschaft gezeigt. Gibt es noch wahre Liebe bei uns? Oder hat jeder nur noch panische Angst vor zu viel Nähe? Sind wir noch in der Lage zu lieben? Diese Fragen werden sehr eindrucksvoll beantwortet. Hinzu kommt noch die kitschige Musik, die einen den ganzen Abend hindurch begleitet.

Man lacht, man weint und man denkt nach. Jedenfalls ging es mir so. Ich bin danach noch was essen gegangen und hab mir das Programmheft durchgelesen und ein paar wunderschöne Sätze gefunden.

„Die Liebe ist keine einfache Sache, es ist sehr schwer, sie in uns zu finden, und es ist unmöglich, sie anderweitig zu finden.“

„…in keinerlei Zwänge mehr zu stecken, sondern nur noch in der Fülle der Möglichkeiten“

Ich saß in diesem Restaurant und habe über meine Beziehung zur Liebe nachgedacht.  Es wird niemals einfach werden aber dieser Abend hat mir gezeigt, dass es sich lohnt, es doch mal wieder auszuprobieren. Einfach nur um nicht so zu enden wie teilweise die Figuren in dem Stück.

„Daher ist das Ende der Qualen in der Liebe nur der Beginn der wahren Strafe“


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Über Marie

Studium der Theaterwissenschaft an der LMU München und MA Performance Studies an der Universität Hamburg. mariegolueke.de Zeige alle Beiträge von Marie

6 responses to “Alles nur der Liebe wegen – Andreas Kriegenburg

  • daniel

    schön geschrieben. Guter Anfang 🙂

  • Sarah

    Also, ich fand die Inszenierung ziemlich schlecht. Bin dann ach nach 1 1/2 Stunden gegangen. Man merkt leider, dass die Schauspieler die Freiheit hatten, den Text selbst mitzugestalten und so versumpft der Abend in Selbstverherrlichung und Selbstmitleid. Die experimentellen Theatermittel sind abgehalftert und schon zu oft gesehen. Funktioniert immernoch nicht. Alles in Allem ist Kriegenburgs große Zeit denke ich wohl leider vorbei.

    • Marie

      Ja auf der einen Seite kann ich dich verstehen aber bei mir trifft diese Selbstverherrlichung und der Selbstmitleid auf offene Ohren. Ich kenne so viele Menschen die genauso wie die Figuren mit der Liebe umgehen, die genauso unfähig sind.
      Danke für dein Kommentar.

    • MaEl

      Wenn jemand eine Vorstellung nach eineinhalb Stunden verlässt, kann er bzw. sie sich wohl kaum ein Urteil über besuchte Vorstellung bilden können. Bei diesem Projekt hatten die Schauspieler übrigens nicht einfach nur „die Freiheit, die Texte selbst mitzugestalten“, es ging primär bei diesem Projekt um nichts anderes. Kriegenburg hat den „Text“, so es ihn gibt, überhaupt erst mit den Schauspielern gemeinsam entwickelt, das ist ein Unterschied! Selbstverherrlichung und Selbstmitleid sind genau die zwei Themen des Abends, zusammengefasst (wenn auch sehr eigenwillig interpretiert, zugegeben) unter dem großen Punkt „Liebe“.
      Welche experimentellen Theatermittel konntest du in der Inszenierung erkennen?

      • Itsch

        @MaEl: Zunächst einmal möchte ich dir raten, den Kommentar deiner Vorrednerin noch einmal genau zu lesen, da du dies anscheinend nicht getan hast. Also: Wort für Wort, Zeile für Zeile. Das dürfte dir als gebildeten Menschen nicht schwer fallen.
        Außerdem finde ich es ziemlich vermessen von dir zu behaupten, dass man nicht über eine Inszenierung urteilen kann, wenn man sie nur bis zur Hälfte gesehen hat. Ich bitte dich, es handelt sich hier um Kriegenburg und der wird seinen Inszenierungsstil nicht mittendrin einfach so ändern. Ich kann von mir behaupten genügend von Kriegenburg gesehen zu haben, um das sagen zu dürfen. Und ja, ich habe auch „Alles nur der Liebe wegen“ komplett gesehen und tada: Es war von Anfang bis Ende schlimm. Wirklich schlimm.
        Des Weiteren sind die Thematiken und Inhalte dieses Projektes vollkommen belanglos und durchschaubar von der ersten Minute an. Meiner Meinung nach, sind die Leute, denen die Inszenierung gefallen hat, gleichzusetzen mit denen aus „Die Blechtrommel, die in den Keller gehen und eine Zwiebel schneiden müssen, um ihren Gefühlen Ausdruck geben zu können. Das ist übrigens ein sehr interessantes Buch, nebenbei erwähnt. Solltest du unbedingt mal lesen.
        Danke für’s Lesen und viel Spaß noch bei der Selbstfindung deiner Gefühle.

  • antoniatheresa

    guter Anfang 🙂
    werde es auch bald sehen und bin jetzt noch gespannter!

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