Le voile noir du pasteur – Romeo Castellucci

So, das wird jetzt also mein erster Artikel hier und das gleich über ein Stück, das ich – das muss ich zu meiner Schande gestehen – nur halb verstanden habe. Und von der  Hälfte, die ich verstanden habe, habe ich wohl einen klitzekleinen (oder auch größeren) Teil verschlafen…glaube ich zumindest. Aber ich fange mal von vorne an:

Da waren wir eine Woche in Rennes – Bretagne – zum Theaterfestival und wollten neben den Stücken, die auf dem Festival von Amateurtruppen inszeniert wurden und von denen einige sehr sehenswert waren, auch mal „richtig“ ins Theater gehen. Also haben wir uns Karten besorgt für „Le voile noir du pasteur“ von Romeo Castellucci. Meine Mitbewohnerin für die Woche in Rennes – ebenfalls Theaterwissenschaftlerin – hatte das Stück schon am Abend vorher gesehen und anscheinend hatte Castellucci für ganz schön Wirbel gesorgt und auch wenn ich anfangs nur ins Theater gehen wollte, um zu sehen, was die Franzosen so machen, war ich dann doch ganz schön gespannt. Das war morgens. Vor dem Theaterbesuch lag jedoch noch ein ganzer Probentag und als wir uns endlich zum TNB (Théâtre Nationale de Bretagne) aufmachten, war ich schon zum Umfallen müde, meine Laune war im Keller, aber meine Erwartungen immer noch hoch. Keine gute Mischung.

Der Saal ganz dunkel, die Bühne auch. Plötzlich unvorstellbarer Lärm. Ich schrecke mit einem Satz aus dem Halbschlaf und aus meinem Sitz, in dem ich mich zurückgelehnt hatte. Vorne bläst eine Windmaschine hinter einer durchsichtigen Leinwand Blätter durch die Gegend, mittendrin ein Mann mit einem Gerät das aussieht, wie eine Kettensäge. Oder bilde ich mir das ein und es war doch nur ein Laubpuster? Das geht minutenlang so, die sich anfühlen wie Stunden und lässt mich in meinem Bedürfnis nach Schlaf einfach nur unglaublich aggressiv werden. Endlich wieder Black. Auf die Leinwand wird nun projiziert: „Le voile noir du pasteur“ („Die schwarze Kutte des Pastors“ – falls ich das richtig übersetzt habe). Parallel dazu liest eine Stimme mit. Es folgt Text – auf französisch. Leider viel zu schnell, als dass ich etwas davon hätte verstehen können mit meinen mangelhaften Französischkenntnissen. Deshalb kann ich den Beitrag des Textes zum Stück an der Stelle nicht beurteilen, nur, dass es sich, wie die Szene vorher schon, sehr in die Länge zieht durch die monotone Stimme, die immer den Leinwanddtext mitspricht. Das nächste Bild auf der Bühne empfinde ich als eines der schönsten im Stück. Die ganze Bühne ist ein mit Teppich ausgelegter Raum mit einem Schreibtisch im Vordergrund und einem Fenster an der linken Seite, dessen Konturen durch Licht angedeutet wurden. Mir gefällt auf Anhieb die Atmosphäre des Raumes, der in seiner Ausstattung sehr üppig ist und endlich keht auch etwas Ruhe ein, nachdem meine Nerven durch die beiden Szenen vorher sehr strapaziert worden waren. Es geht lediglich ein Mann, der am Schreibtisch sitzt, immer wieder aus dem Zimmer, kommt zurück, macht sich auf dem Schreibtisch zu schaffen und geht wieder hinaus. Man wartet – vergeblich. Es passierte nichts. Höhepunkt der Szene und für mich auch des ganzen Stückes ist ein Lichtspiel, bei dem man den Eindruck hat, dass ein Zug direkt durch das Fenster, an dem der Mann steht, in das Zimmer fahren würde inklusive entsprechender Geräschkulisse. Ich bin zum ersten Mal ehrlich beeindruckt.

Was dann kommt…zunächst nichts Aufsehenerregendes. Ein Mann Trägt einen hohen Spiegel, stellt ihn in die Raummitte und schaut sich an. Erleichtert bin ich schon wieder dabei, in Halbschlaf zu versinken, als ich merke, wie meine Sitznachbarin hörbar um Atem ringt. Auf der Bühne sitzt eine Frau vor eben jenem Spiegel,den vorher auch der Mann benutzte – und reisst sich weinend die Haare aus. Natürlich nicht alle, aber ich finde die Aktion einfach zu sinnlos, um mit ihr mitzuleiden und trotzdem macht sich ein leichtes Ekelgefühl bei mir breit, von ihrem Weinen bin ich genervt bis peinlich berührt. Als sie die Bühne verlässt, kommt an ihrer Stelle wieder ein Mann mit einem Spiegel. Er legt ihn auf den Boden und beginnt, sich auszuziehen, bis er vollkommen nackt ist. Ok, schon zu oft dagewesen, denke ich und mache in Gedanken einen weiteren Minuspunkt für das Stück, als er sich plötzlich auf den Spiegel kniet, sich einen länglichen Gegenstand nimmt – was es ist, kann ich beim besten Willen nicht sagen – und es sich in sein Hinterteil schiebt. Muss das sein? Ich will eigentlich weggucken, aber ich bin zu gebannt von dem, was der da macht. Ja, was macht er da eigentlich? Die Reaktionen im Zuschauerraum gehen von Lachen, bis Weggucken über Ausdrücke des Eckels. Ich mittendrin und weiß nicht, was ich tun soll. Ich bin in dem Moment einfach Voyeur und schäme mich nicht mal. Den ganzen restlichen Abend und auch heute noch, wenn ich an diese Szene denke, stelle ich mir die Frage: MUSSTE das sein?? WAS war das? Aber diese Fragen sind wohl bei Castellucci einfach unwichtig, habe ich mir sagen lassen und gebe dem Recht. Wichtig ist nur die Wirkung. Die ist – zumindest bei mir – aber leider nicht angekommen, fürchte ich. Bis auf ein schönes Bild – das oben beschriebene Zimmer – erinnere ich mich dann nur noch an Boden-Nebel mit dem die Bühne und der vordere Zuschauerraum geflutet wurden, ansonsten baute sich für mich keine wirkliche Atmosphäre auf. Das mit dem Nebel war dennoch ganz nett und passierte wohl irgendwann zwischen der Szene mit dem Mann und dem Stock im A….und dem Zeitpunkt, als ich dann doch kurz eingenickt bin. Was aber nicht an dem Stück lag, wie ich betonen möchte, sondern wirklich nur an meiner Verfassung.

Ich habe vorher erst einmal ein Castellucci-Stück gesehen und  es gefiel mir besser als der „Voile noir du pasteur“. Der Abend im TNB Theater – ob ich ihn gut oder schlecht fand, kann ich bis heute nicht sagen- er war eine Erfahrung.

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One response to “Le voile noir du pasteur – Romeo Castellucci

  • Marie

    Ja es war definitiv eine Erfahrung, auch wenn ich auch die Hälfte verschlafen habe 🙂 Aber das was ich gesehen habe, fand ich gar nicht mal so schlecht…nur der Sinn hat sich mir nicht so richtig erschlossen aber vielleicht gab es da ja auch keinen bzw. vielleicht darf man es einfach nur auf sich wirken lassen.

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