Entrez dans l`Aréne

Studentisches Theaterfestival in Rennes (Université´Rennes 2)

Ein anderes Land, eine andere Sprache.

Ich fuhr mit einer Theatergruppe nach Rennes – Frankreich – um dort bei einem Studentischen Theaterfestival  der Universität Rennes unser Stück „J´aime/Gefällt mir“ zu präsentieren.

Natürlich schaute ich mir auch alle die anderen Stücke an, die während des Festivals  gezeigt wurden. Es waren alles Inszenierungen mit und von französischen Studenten.

Jeden Abend liefen zwei Stücke, einmal um 19 Uhr und einmal um 21 Uhr. Ich werde hier nur etwas über das Spielen sagen können, da ich nie etwas vom Text verstanden habe. Mein Französisch reicht nur für alltägliche Dinge.

Das Festival dauerte vom  14.3 bis zum 24.3.2011. Ich war aber nur bis zum 21.3.2011 in Rennes, von daher kann ich nicht sagen, wie die letzten Stücke waren.

Ich war sehr gespannt darauf, ob es einen Unterschied gibt von französischem Studententheater und deutschem. Spielen sie anders? Was haben sie für Themen? Experimentieren sie viel oder machen sie eher klassisches Theater?

Alles Fragen, die mir beantwortet wurden, in den 9 Stücken, die ich sah.

Die Bühne war eine Black Box. Die Zuschauer saßen erhöht und die Schauspieler hatten viel Platz zum Spielen. Es ist eine schöne Bühne, nur dass ich finde, dass die Zuschauer etwas zusammengepfercht werden, aber für die Schauspieler ist es Klasse.  Diese Uni Bühne ist zwar nicht so variabel wie unsere in München, aber die Lichttechnik ist gut.

2 Stunden nachdem ich  in Rennes angekommen war, ging es zum ersten Stück. Es ist das Stück der Gruppe, die im Mai auch nach München kommen wird. Der Titel war „Chose“ und es ging um die Versklavung in unserer heutigen Zeit. Ein Hausmädchen bekommt keinen Lohn sondern muss für ihren Chef Drogen einkaufen gehen, zum Schluss landet sie irgendwie im Krankenhaus. Wie gesagt, ich kann hier zu den Inhalten nicht so viel sagen. Aber vom Spielen her war es gut. Es gab zwei Schauspieler die besonders herausgestochen sind. Das Mädchen, das das Hausmädchen gespielt hat und der Hausherr. Es gab auch einige, die waren nicht so gut, aber es war ein schönes flüssiges Stück und sie haben so gespielt, dass ich manches auch verstanden habe, ohne die Sprache zu verstehen. Dies ist sehr wichtig, wie ich in den nächsten Tagen mitbekommen habe.

An das zweite Stück,“Catégorie 3.1“,  kann ich mich gar nicht mehr genau dran erinnern, ich weiß auch nicht mehr, worum es ging. Es war schwer zu verstehen und es waren auch keine guten Bilder dabei, die besonders einprägsam gewesen wären. Das nächste Stück war eine Komödie, es war schön anzusehen und man hat auch teilweise die Geschichte nur durch das Spielen verstanden.

Am Mittwoch gab es ein Stück der Germanisten, das tatsächlich auf Deutsch war.  Es waren zwei Stücke von Lothar Trolle. Ich hatte noch nie von ihm gehört und die anderen auch nicht. Die zwei Stücke von ihm hießen. „Die Krebse“ und „Nach der Sintflut“. Wenn ich ehrlich bin, ich hab noch nie so ein schlechtes Theaterstück gesehen. Ich nehme die Sprache hier mal raus, denn sie haben gut auf Deutsch gesprochen, aber sie haben so schlecht gespielt. Vielleicht lag es daran, dass es Germanistikstudenten waren, aber es war grauenerregend. Mal abgesehen vom Bühnenbild, hat man ihnen nichts abgenommen, was sie gespielt haben. Da waren keine Emotionen, keine natürliche Sprache gar nichts. Ich meine wir haben auch auf Französisch gespielt und hatten trotzdem ein paar Emotionen dabei. So was hab ich noch nicht gesehen, ich wusste gar nicht, was ich sagen sollte, als ich rausgegangen bin. Es war aber auch echt schwierig, zwei Stücke zu mixen und sie zu einem zusammenzufügen. Es waren anscheinend viele philosophische Gedanken drin, die leider nicht rübergekommen sind. Es saßen auch sehr viele Deutsche im Publikum, die geklatscht haben wie wild. Ich hab es nicht ganz verstanden, warum. Ich komm nicht drüber hinweg, dass es so schlecht war.

Und danach gleich das komplette Gegenteil. „Week End Intime“ eine Komödie, grandios gespielt von einer eingespielten Theatergruppe. Es ging um ein Ferienhaus, was mehrmals an verschiedenen Pärchen vermietet wurde, die dann natürlich alle sauer waren. Es war köstlich, grandios gespielt. Ich hab auf dem Boden gelegen vor Lachen. Man hat dieses Stück auch verstanden, wenn man die Sprache nicht verstanden hat. Tolles Bühnenbild und tolle Schauspieler, ich war einfach nur begeistert. Vor allem, weil auch so viel schief  gegangen ist und sie haben so gut improvisiert, das war Wahnsinn.

Dann habe ich ein Stück gesehen, das noch nicht ganz fertig war: „Les rochers on tun nom“. Ich fand es gut gespielt, aber ich hab nichts verstanden und ich würde kein halbfertiges Stück präsentieren, aber gut.

Die letzten beiden Stücke waren sehr unterschiedlich. Das erste „Corps Etrangers“ war so lang. Es ging fast zwei Stunden und es waren nur Monologe, mit vielleicht 3 Dialogen dazwischen. Sie haben toll gespielt, sie hatten tolle Kostüme und ein tolles Bühnenbild usw. aber es war eindeutig zu lang und zu monoton und wenn man dann nicht die Sprache versteht. Ich konnte leider nicht schlafen, weil ich vorher einen Kaffee getrunken hatte. Aber selbst die Franzosen meinten, dass es sehr schwer für sie war, die Geschichte zu verfolgen.

Das letzte Stück, „La Dispute“,  was ich gesehen hatte, war mittelmäßig, eine mittelmäßige Story mit mittelmäßigen Schauspielern. Nichts Besonderes.

Aber es war eine sehr spannende Woche und es ist faszinierend, was für unterschiedliche Stücke auf einem Festival präsentiert werden. Da war von total schlecht bis grandios alles dabei. Von Tragödie bis Komödie war für jeden Geschmack was vorhanden.

Ich habe gelernt, dass beim Schauspielen es eigentlich noch wichtiger ist, mit dem Körper, der Mimik und der Gestik zu spielen, als nur die Sprache einzusetzen, die ja immer sehr in den Vordergrund gestellt wird. Aber wenn die Sprache einmal fehlt, oder man sie nicht versteht, dann merkt man erst, wie wichtig das andere ist. Wie wichtig Emotionen, Gestiken, Mimiken sind.

Au revoir

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Über Marie

Studium der Theaterwissenschaft an der LMU München und MA Performance Studies an der Universität Hamburg. mariegolueke.de Zeige alle Beiträge von Marie

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