Gardenia – Alain Platel

Gastspiel in den Münchner Kammerspielen

Ich bin mit einer gewissen Erwartungshaltung in das Stück hinein gegangen und habe etwas völlig anderes bekommen. Und das war gut.

Die Story ist kurz erzählt, da in dem Stück nicht viel gesprochen wurde. Es geht auch nicht um Worte, sondern um Empfindungen. Es geht um die Bedürfnisse, Erfahrungen und Sehnsüchten von Transsexuellen.

Diese Produktion wurde in Zusammenarbeit mit Vanessa Van Durme erarbeitet, selber eine Transsexuelle, die sich offen zu ihrer Geschlechtsumwandlung bekennt. Auf der Bühne stehen Transsexuelle im Ruhestand, alle haben längst ein normales Leben, aber es sind eben nicht Schauspieler die einen Transsexuellen spielen, sondern es sind WIRKLICH Transsexuelle. Und sie spielen mit so viel Witz, Charme, Humor und Melancholie, das einen ganz warm ums Herz wird.

Es gibt keine Story, nur sehr viel Gefühl. Eigentlich ist der ganze Abend wie eine Travestieshow aufgebaut und man könnte sich vorkommen wie in Las Vegas, aber dann sind da wieder diese Momente, die den schönen Schein zunichtemachen. Diese Sehnsüchte, diese verletzen Gefühle. Was geschieht mit einem Menschen der deswegen diskriminiert wird? Es zerreißt ihn, weil er nicht weiß wer und was er ist.

Diese Zerrissenheit, wurde von einem jungen Transsexuellen gespielt, der noch nicht weiß, wo er eigentlich hin will. Im einen Moment tanzt er mit, im anderen liegt er heulend auf dem Boden. Man spürt richtig wie es ihn zerreißt, zwischen den Schranken der Gesellschaft und seiner Freiheit leben zu müssen.

Aber dann gibt es auch wieder heitere Momente. Es gibt Marylin Monroe, Liza Minelli und viele mehr.

Man sieht beide Seiten des Geschäfts, man sieht beide Seiten der Menschen die dahinter stehen und man versteht auch beide Seiten.

Es war ein sehr berauschender Abend und wenn man rausgeht hat man das Gefühl das man gerade aus einer Las Vegas Show kommt, aber mit einem faden Beigeschmack, den die Show war nicht perfekt… sie war keine Show, sondern Realität.

Ein wunderbares Zeugnis, einer Gruppe von Menschen, die vorher in meinem Leben nicht vorgekommen ist.

Ich glaube, sie haben manchmal mehr Gefühl und Mut als wir alle zusammen.

Schade, dass es nur zweimal in München aufgeführt wurde.

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Über Marie

Studium der Theaterwissenschaft an der LMU München und MA Performance Studies an der Universität Hamburg. mariegolueke.de Zeige alle Beiträge von Marie

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