UA Mjunik Disco – Stefan Pucher

nach Texten von Rainald Goetz (Rave, 1998), Thomas Meinecke und Andreas Neumeister

16.04.2011, Münchner Kammerspiele, Premiere, Uraufführung, Werkraum.

Im Mittelpunkt eine Musiklandschaft; Keyboard, Bass, E-Gitarre, Schlagzeug, Mikrophone…Eine kreisförmige Spielwiese für die  Akteure Marc Benjamin, Peter Brombacher, Lena Lauzemis, Martin Rühle, Thomas Schmauser, Christopher Uhe und Ivica Vukelic, die mit „Strange Magic“ den lässigen, intelligent unterhaltenden Abend eröffnen.

Stefan Pucher lässt seine Werkraum-Disco-Crew mit Sehnsucht und Belustigung in Anekdoten über die Entstehung der Pop-Kulutur (angeblich in München) schwelgen. Gestalten, Gefühle und Skandale eines vergangenen Nachtlebens werden so liebevoll beschworen, wie spöttisch verworfen. Da ist der Proll in alter Jogginghose, der sich verzweifelt bemüht die Aufmerksamkeit der Discoqueen der Nacht zu erlangen. Da ist die unnahbare Sängerin in weißer Discohose, die eine moderne Welt oder einen letzten Rausch besingt. Es ist ein glitzernder Trip, solange sich die Discokugel eben dreht.

Überraschend und witzig sind die Nachrichtensprecher-Einspielungen (Jo Brauner, aus dem Jahr 1999) – auf zwei großen Leinwänden ausgestrahlt – die z.B. die Finessen der DJ-Kunst oder vergangene/zukünftige Gesellschaftsveränderungen kommentieren. Dem Thema des Abends gemäß darf auch eine pseudo-pädagogische DJ-Akademie nicht fehlen, die den faszinierenden Irrsinn dieser Art von „Musik: Was ist eigentlich Musik?“ pointiert.

München, ein Musikvideo: Höhepunkte dieses Poptheaterabends sind in jedem Fall die musikalischen Einlagen, die nicht nur brilliant vorgetragen sind, sondern die – unterstützt von eigens dafür an bekannten Münchner Stadtschauplätzen (Englischer Garten, Pimpernell…) gedrehten Filmen – dem Zuschauer die Vergangenheit eines Discozeitalters vorführen. So wie sie gewesen sein hätte können, so wie sie präsent wird in der Gegenwart der Theateraufführung.

Zwar ließ sich das Premierenpublikum nicht zum tanzen mitreißen, dafür lauschte man gespannt dem abschließenden, unerwartet ernsten Monolog der Discoqueen über die von der Gesellschaft geprägten Bewusstseins-und Gedankenströme und entdeckte darin viel Wahres.

Musik gehört auch ins Theater. Schon deshalb lohnt es sich, in Mjunik Disco zu gehen und, weil es so gar nichts mehr mit der heutigen Münchner „Partykultur“ zu tun hat.

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