Alpesegen – Feridun Zaimoglu und Günter Senkel

Münchner Kammerspiele

KLICK

Ein gutes Stück. Ein makabres Stück, aber ein gutes Stück.

Ein Stück für Bayern und gegen Bayern. Für München und gegen München.

In dem Stück setzten sich Feridun Zaimogl und Günter Senkel mit München und seiner Umgebung auseinander. Sie haben recherchiert und was dabei heraus gekommen ist, kann sich wirklich sehen lassen.

Viele Mythenfiguren werden aufgegriffen und verarbeitet. Der Katholizismus spielt eine große Rolle und Geschichten und Sagen aus dem Bayrischen Land werden dargestellt. All das wird verpackt in eine Moderne Story.

Alpsegen, ist ein altes Sennengebet, was auch heute noch Abends aufgesagt wird. Es ist ein Ave Maria, was vor allem in deutschsprachigem Raum gebraucht wird. Man bat um Segen für alle Lebewesen für die bevorstehenden Nacht.

In den Kammerspielen laufen nun die Protagonisten auf Knien bis zum Bühnenrand und fallen dann runter, während sie das Ave Maria beten. Es gibt viel Skurriles zu sehen. Wie zum Beispiel die Wirtin, die jeden Abend den Tisch für den Heiland deckt, der aber nie kommt! Und auf die Frage ob der Heiland den schöner sei als ihr verstorbener Mann, antwortet sie aus vollster Überzeugung mit JA! Sie steht auf einem Stuhl und ruft den Heiland und es sieht aus, als ob sie dabei gleich einen Orgasmus bekommt. Als sie jemanden entdeckt, der sie dabei beobachtet, wird er als Perverser beschimpft.

Auch die Geschichte die alles zusammenhält gründet auf Feindlichkeit, Schwulenfeindlichkeit. Ein Familienvater hat sich von einem Italiener verführen lassen und ist ein Wochenende mit ihm in München. Er wusste vorher nicht, dass er Schwul ist. Der Sohn soll hinterher und seine Mutter beschimpft ihren Mann als kranken Perversen, in solch einer kreischenden Stimme, dass einen fast die Ohren wegfliegen.

Es ist ein makabres, gutes Stück was viel über Bayern, seinen Glauben und seine Traditionen erzählt. Es scheut sich nicht, auch die negativen Seiten zu zeigen und es ist ehrlich. Verdammt ehrlich. Ich finde es verstärkt die Vorurteile gegenüber Bayern und den Katholizismus sehr, aber Vorurteile kommen ja auch nicht von irgendwoher.

Aber trotzdem ist das Stück wahnsinnig lustig und auf der einen Seite doch wieder erdrückend, durch die schweren Tannengrünen Samtvorhänge auf der Bühne.

Ich könnte noch so viel schreiben, aber schaut es euch selbst an. Ich finde es genial gemacht!

Es gibt wunderschöne Bilder und die Schauspieler sind fantastisch.

Mein Highlight des Stückes:

„Ich bin nicht religiös, ich bin katholisch!“

Fotogalerie

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Über Marie

Studium der Theaterwissenschaft an der LMU München und MA Performance Studies an der Universität Hamburg. mariegolueke.de Zeige alle Beiträge von Marie

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