Angst – Jossi Wieler

Münchner Kammerspiele

KLICK

Ich kann euch schon im ersten Satz sagen: Mir hat es nicht gefallen.

Angst. Nach der Novelle von Stefan Zweig.

Es war lang. Langatmig.

Eine Frau, Irene, verheiratet, 2 Kinder, lebt in guten Verhältnissen. Ihr Mann ist  ein berühmter Anwalt. Sie ist gefangen in einer Ehe, die nur zum Zweck geschlossen wurde. Sie hat eine Affäre mit einem Künstler. Dort fühlt sie sich wieder jung und frisch. Nach einem ihrer Dates steht auf einmal die Freundin des Künstlers vor ihr. Sie will Geld von ihr, damit sie sie nicht verrät.

Irene geht fortan nicht mehr zu dem Künstler, aber sie wird verfolgt von der Erpresserin. Sie bekommt Verfolgungsangst, traut sich nicht mehr aus dem Haus. Dazu kommt noch, dass sie das Geheimnis der Affäre mit sich trägt. Langsam wird sie von der Angst zerfressen, entdeckt zu werden. Die Freundin fordert immer mehr Geld. Irene wird immer nervöser und weiß sich zum Schluss nicht mehr zu helfen.

Als sie den Künstler zur Rede stellt, weiß der nicht von welcher Frau sie spricht. Sie ist nahe, dem Wahnsinn zu verfallen. Sie geht in die Apotheke und kauft sich Morphium. Ihr Mann rettet sie in letzter Minute. Und dann die Wendung. Er wusste von Anfang an über die Affäre und engagierte eine Schauspielerin die seine Frau erpresste, damit diese ihrem Mann endlich von der Affäre erzählt. Der Plan ging nach hinten los.

Es klingt spannend, aber die Umsetzung war es nicht. Im Laufe des Stückes wollte ich schreien „Jetzt bring dich halt um, dann ist es vorbei!“. Aber es wurde immer noch einer drauf gesetzt, immer weiter wurde das Ende hinausgezögert, es kam aber nichts Neues dazu. Es wurde immer wiederholt was man schon wusste.

Elsie de Brauw hat ihre Rolle als Irene gut gespielt. Man hat gemerkt, dass sie die Angst zerfrisst, aber es hätte noch mehr kommen können. Ich weiß das sagt sich immer so einfach, aber für mich war es zu wenig Steigerung. So eine Rolle ist schwierig, aber sie ist Profi.

Und dann die Kinder auf der Bühne. Ich finde Kinder auf der Bühne sehr anstrengend. Ich persönlich mag es gar nicht. Egal wie gut oder schlecht sie sind. Sie sind einfach noch nicht in der Lage diese Gefühle zu transportieren, die es vielleicht bräuchte. Das wollende weinen war eher lächerlich.

Das einzige was mir an dem Abend wirklich gefallen hat ist, dass ich Katja Bürkle mal anders gesehen habe. Ich habe sie in dem Jelinek Stück und in XY Beat von Pollesch gesehen. Ich fand sie gut dort, aber es sind ja keine Figuren, die es da gibt und deswegen fand ich es wirklich schön mal zu sehen, dass sie auch „richtige“ Figuren wahnsinnig gut spielen kann.

Alles in allem war es ein enttäuschender Abend und als ich draußen war hab ich mich gefragt „Was war das den jetzt?“ Für mich war es nichts. Zu viel Text und zu wenig Handlung und keine Spannung.

Schade eigentlich, der Titel war vielversprechend. Der Anfang auch, bis sie angefangen haben zu sprechen.

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Über Marie

Studium der Theaterwissenschaft an der LMU München und MA Performance Studies an der Universität Hamburg. mariegolueke.de Zeige alle Beiträge von Marie

One response to “Angst – Jossi Wieler

  • Marion

    Ich habe das Stück mittlerweile auch gesehen und als erstes muss ich sagen: ich finde es nicht sooo glücklich, dass du die komplette Handlung nacherzählst, vor allem auch das Ende. Wenn das jetzt jemand liest, der das Stück noch sehen möchte, ist die ganze Spannung dahin.
    Eben diese Spannung hat die Inszenierung nämlich durchaus, fanden zumindest meine Begleitung und ich. Ich habe in den Kammerspielen selten eine so dichte, gefühlvolle Inszenierung mit so gut ausgearbeiteten Figuren gesehen.
    Hier ging es endlich mal wieder um eine konkrete Geschichte und wie Menschen wirklich mit einer solchen Situation umgehen, wie sie sich fühlen. Man konnte sich in die Figuren hineinversetzen, mitleiden, miterleben und auch mitfiebern, wie es denn nun ausgehen mag.
    Es war eben mal kein sinnlos erscheinender Textwirrwarr, nicht laut, nicht bunt – und gerade das fand ich sehr angenehm an diesem Abend!

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