Romeo und Julia – Valentin Werner / Annekathrin Handschuh

Studiobühne LMU München

Zunächst erst mal ein Geständnis: Shakespeares „Romeo und Julia“ gehört definitiv nicht zu meinen liebsten Theaterstücken. Ich bin eher ein Fan der Königsdramen und Komödien Shakespeares, „Romeo und Julia“ fand ich immer viel zu schnulzig.

Trotzdem folgte ich der Einladung und habe die zweite Vorstellung am Mittwoch den 20. Juli besucht. Erst mal war ich ja vom Bühnenbild beeindruckt, die Idee mit der Wippe war echt super. Man konnte so immer schön das Verhältnis zwischen den Charakteren und das Seelenleben der einzelnen Figuren verdeutlichen – Ausgeglichenheit, Dominanz, Angst…

Was mir besonders gefallen hat: der Text wurde extrem zusammengekürzt. So gut die Stücke auch sind, Shakespeare leidet allzu oft an Langatmigkeit. Das war in dieser Inszenierung nicht der Fall. In knapp zwei Stunden wurde alles erzählt, was muss und es wurde keine Sekunde langweilig. Der Text wurde in der alten Sprache belassen, die Darsteller haben es aber meistens wirklich gut hinbekommen, diese auch überzeugend rüber zu bringen. Nur manchmal hatte ich persönlich Verständnisschwierigkeiten, vor allem, wenn sie nicht zum Publikum oder etwas schnell gesprochen haben.

Gespielt hat das ganze Ensemble absolut grandios. Sie haben nicht nur die eigenen Rollen verkörpert, sondern im Chor sprechend auch das Volk, das von den ewigen Kämpfen zwischen den verfeindeten Familien und der damit verbundenen Unruhe ein für allemal genug haben. Diese Zweikämpfe zwischen Mitgliedern der beiden Parteien setzten dann auch im Stroboskop-Licht gleich zu Beginn ein, nachdem sich die Beteiligten mit weißer Farbe ihre Kriegsbemalung ins Gesicht schmierten. Die Kämpfe waren auch zweifellos ein Highlight der Inszenierung, sie wirkten wirklich brutal und überzeugend!

Interessant fand ich die Idee, die Rolle des Mercutio zu einer weiblichen umzuschreiben. So wurde der beste Freund Romeos zu einer vorlauten, nicht sehr feinen „Mercutia“, die kein Problem damit hat, es auch mit Männern aufzunehmen. Außerdem zeichnete sich eine Liebelei zwischen ihr und Romeos Vetter Benvolio ab, genau wie zwischen der Gräfin Caboulet und dem aggressiven Tybalt. Die Liebe zwischen Romeo und Julia wirkte ebenfalls sehr glaubhaft. Er ist schier von Julias Schönheit überwältigt und sie wird vom träumerischen Mädchen zur liebenden Frau. Die beiden Hauptdarsteller ließen ihre Beziehung unschuldig und liebevoll erscheinen. Im Kontrast dazu standen die strengen und kalten Figuren der Mütter und von Tybalt, die diese Liebe mit allen Mitteln manipulieren wollen. Sympathischer waren da schon die Verbündeten des Paars, der Priester Lorenzo und Julias Amme.

Geschickt fand ich auch die Kostüme. Die Darsteller trugen alle schwarz, dazu ein beiges Accessoire wie einen Umhang, eine Weste, ein Kleid, eine Schürze. Starb einer der Protagonisten in einem Duell (also Mercitia und Tybalt) wurde ihnen vom jeweiligen Gegner dieses beige Kleidungsstück weggerissen. Julia und Romeo nahmen sich ihre bei ihren Selbstmorden selbst ab.

Sehr passend fand ich auch die modernen Elemente, wie die Disco-Musik bei der großen Feier der Caboulets, bei der sich Romeo und seine Freunde einschleichen. Einige bedeutende Szenen wurden auch von einer Musikerin am Bühnenrand auf der E-Gitarre begleitet.

Alles in Allem eine wirklich mehr als gelungene Inszenierung, die selbst mir als bekennenden Nicht-Romantiker super gefallen hat!

Advertisements

Über mako89

Marina Kolmeder studierte von 2009 bis 2014 Theaterwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Bereits in ihrer Zeit am Gymnasium Mainburg war sie viele Jahre lang am Schultheater beteiligt und so widmete sie sich auch nach dem Abitur der Welt des Theaters. Sie arbeitete bereits als Regieassistentin und -Hospitantin in verschiedenen Münchner Theatern, etwa bei der Inszenierung von Emmerich Kálmáns "Zirkusprinzessin" am Gärtnerplatztheater oder Yael Ronens "Plonter" im theater...und so fort. Ihr Debüt als Regisseurin feierte sie 2012 mit "Tango" von Slawomir Mrozek an der Studiobühne München, 2013 folgte eine historisierende Inszenierung von William Shakespeares "Der Sturm" in München und Osterhofen. Mittlerweile spezialisiert sie sich in Forschung und Praxis auf das bairischsprachige Theater aller Genres und Epochen. Für Theater to Go ist sie seit 2011 tätig, seit 2014 als Leiterin. Zeige alle Beiträge von mako89

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: