Jane the Quene – Heiko Dietz

Theater… und so fort

Am vergangenen Mittwoch zog es mich wieder einmal ins kleine Theater… und so fort, wo an diesem Abend die Premiere von „Jane the Quene“ (und nein, das ist kein Rechtschreibfehler sondern eine alte Schreibweise) auf dem Programm stand. Das Stück wurde geschrieben und inszeniert von Theaterchef Heiko Dietz.

Erzählt wird die Geschichte Lady Janes, die nach dem Tod König Edwards VI. im Juli 1553 durch eine geschickte Intrige auf den Thron gesetzt wird, um die Interessen des protestantischen Adels gegen den immer stärker werdenden Katholizismus vertreten zu können. Die junge Jane wird von ihren Eltern zwangsverheiratet und als Spielball im Machtkampf um England missbraucht, fühlt sich alldem jedoch nicht gewachsen. Bald schon stellt sich das Volk auf die Seite Maria Tudors, der Tochter Heinrichs VIII., die später als „Bloody Mary“ in die Geschichte eingehen sollte. Sie wird an Janes Stelle auf den Thron gesetzt, lässt jedoch gegenüber der jungen Frau Gnade walten. Als Janes Vater jedoch an einem Aufstand gegen die Hochzeit der neuen Königin mit Philipp von Spanien beteiligt ist und gefangen genommen wird, reißt er auch seine Tochter unbeabsichtigt ins Verderben. Jane bekommt kurz vor ihrer Hinrichtung eine letzte Chance, zum katholischen Glauben überzutreten, doch sie lehnt dies strikt ab und wird hingerichtet.

Die Inszenierung besteht aus vielen kurzen Episoden, in denen zunächst die historische Situation beschrieben und die Figuren charakterisiert werden, sich jedoch schnell die Intrige abzeichnet. Hat man sich die Inhaltsangabe nicht durchgelesen braucht man zunächst einige Minuten, bis man die Konstellation und die Situation begriffen hat, dann wird das Stück jedoch wirklich interessant und auch die richtige Prise Humor fehlt nicht, wenn Janes Vater zum Beispiel ständig seine vorlaute Gattin anmotzt oder Jane und ihr Verlobter wider Willen sich hartnäckig anschweigen. Die Darsteller passen wirklich perfekt zu den Rollen und vor allem Nina Steils als Jane macht ihre Sache wirklich gut! Sie stellt die Wandlung vom unbeschwerten Kind zur selbstbewussten Adeligen sehr überzeugend dar. Und auch Christa Pillmann als kühle, verbitterte Maria Tudor bleibt im Gedächtnis. Auch die anderen Darsteller, die teilweise in mehrere Rollen schlüpfen, sind hervorragend.

Das Stück erinnert von der Thematik und den Figuren ein wenig an die Shakespeare-Königsdramen, sind jedoch sprachlich um Einiges leichter zu verstehen. Für Leute, die sich für Geschichte interessieren und auch Fans von spannenden Intrigen sind hier sehr gut bedient.
Das Stück läuft noch bis 12. November jeden Donnerstag, Freitag und Samstag.

http://www.undsofort.de/stueck/jane-the-quene,107

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Über mako89

Marina Kolmeder studierte von 2009 bis 2014 Theaterwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Bereits in ihrer Zeit am Gymnasium Mainburg war sie viele Jahre lang am Schultheater beteiligt und so widmete sie sich auch nach dem Abitur der Welt des Theaters. Sie arbeitete bereits als Regieassistentin und -Hospitantin in verschiedenen Münchner Theatern, etwa bei der Inszenierung von Emmerich Kálmáns "Zirkusprinzessin" am Gärtnerplatztheater oder Yael Ronens "Plonter" im theater...und so fort. Ihr Debüt als Regisseurin feierte sie 2012 mit "Tango" von Slawomir Mrozek an der Studiobühne München, 2013 folgte eine historisierende Inszenierung von William Shakespeares "Der Sturm" in München und Osterhofen. Mittlerweile spezialisiert sie sich in Forschung und Praxis auf das bairischsprachige Theater aller Genres und Epochen. Für Theater to Go ist sie seit 2011 tätig, seit 2014 als Leiterin. Zeige alle Beiträge von mako89

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