JUMPY

von April De Angelis.

Royal Court London, Regie: Nina Raine

 

Erst im Oktober 2011 an gleicher Stelle uraufgeführt, sorgt April De Angelis Familiendrama immer noch für Begeisterungsstürme beim Publikum. Regisseurin Nina Raine bringt den „ganz normalen“ Mutter-Tochter-Konflikt auf die Bühne: 15-jähriger Teenager, der sich ins Erwachsenwerden stürzt, trifft auf 50-jährige Mutter, die gerade tief in der mid-life-crisis steckt.  Austragungsort ist eine weiße, puristische Bühne.

Mit dem Florence& the Machine song Dog days wird das Spektakel eröffnet. Der erste Teil zeigt Hilary (fantastisch: Tamsin Greig), die um Respekt ihrer auf High-Heels herumstaksenden Tochter (Bel Powley) kämpft. Gleichzeitig lässt Ehemann Mark, der sich in der häuslichen Bequemlichkeit sehr wohl fühlt, jegliche Unterstützung vermissen und die beste Freundin Frances (unfassbar komisch: Doon Mackichan) lässt keine noch so extreme Möglichkeit aus, ihre Attraktivität und erotische Ausstrahlung zu trainieren. Hilarys Leben wird zur Achterbahn und zur großartigen Unterhaltung für das Publikum, das mit der nach Wein süchtigen Protagonistin lachen darf und gleichzeitig tief angerührt wird, etwa von der Fehlgeburt Tillys.

Die Absurdität der Ereignisse überschlägt sich im zweiten Teil: Tilly schießt um sich, ein Urlaubswochenende wird zum Horrortrip, Hilary stürzt sich in eine Affäre mit dem Nachhilfelehrer ihrer Tochter und Frances überredet sie zu einem Playboy-Bunny-Outfit. Dies wirkt aber nie lächerlich, sondern markiert jenen Eskalationspunkt, den wahrscheinlich jeder kennt. Alles kann passieren und der Boden unter den Füßen verabschiedet sich. All das verbindet sich in Tamsin Greigs Figur, die sich ihrer feinfühlig und mit genügend ironischer Distanz annähert und dabei einzigartige, weil sehr persönliche, und erstaunliche Identifikations-Verständnis-Erkenntnismomente schafft.

Diese Inszenierung vertreibt schließlich alle dog days und das berühmte Zitat von Oscar Wildes Gwendolyn: Jede Frau wird wie ihre Mutter. Das ist ihre Tragödie. Es muss an diesem Abend abgeändert werden. Es ist eine Komödie, eine ziemlich schöne sogar.

Vorerst das letzte Mal: 19.11.2011, kommt aber im Frühjahr wieder!

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