Stehende Gewässer – Alex Novak

Theater Halle 7

KLICK

Alex Novak inszenierte das preisgekrönte Stück „Stehende Gewässer“ von Markus Bauer in der Halle 7. Das Stück wurde 2009 zum Stückemarkt des Berliner Theatertreffens und 2012 zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen.  Zu Recht!

Eine Familie zieht in ein Haus am See. Sie vermieten die Zimmer um über die Runden zu kommen. Im Raum stehen große Fragen, große Träume, Wünsche und Hoffnungen die nach und nach alle zerplatzen. Es geht um existenzielle Fragen, um Selbstverwirklichung, um alles was man sich am Anfang eines Lebens so vornimmt. Natürlich läuft das Leben nie nach Plan und so steht auch diese Familie vor dem Abgrund. Die Eltern saufen und rauchen, die Tochter flüchtet sich in die Drogen und der Sohn hängt seiner verflossenen Liebe nach. Keiner von ihnen schafft es aus dem Trott rauszukommen. Sie sehnen sich nach der Vergangenheit und der besseren Zukunft und schaffen es nicht, sich mit dem Hier und Jetzt auseinanderzusetzen.

Alex Novak inszeniert in der darkBOX! Trotz siebirischer Kälte gehe ich zur Premiere und hoffe, dass es geheizt ist. Es ist geheizt! Ich setze mich in den Zuschauerraum und sehe den Schauspielern beim Rauchen zu.

Überall liegen Mülltüten herum ( WARUM?), Jahreszahlen wurden mit Kreide an die Wand gekritzelt. Sonst ist alles schwarz.

Dieter Fernengel eröffnet den Abend mit einem Monolog. Ich habe leider nur die Hälfte verstanden, da er ziemlich undeutlich gesprochen hat. Erst nach und nach bekommt man mit, worum es hier eigentlich geht. Das Stück fliegt durch die Jahre und erzählt durcheinander die Geschichte der Familie mit dem Haus am See. Die nicht chronologische Erzählweise macht es spannend, aber auch schwierig mitzukommen. Aber man soll ja das Publikum nie unterschätzen!

Plötzlich eine Stimme aus dem Zuschauerraum. Lotte sitzt inmitten der Zuschauer und hat eine Mülltüte über dem Kopf, manchmal ist sie auch oben beim Beleuchter oder auf der Bühne. Lotte ist die Freundin von Martin, dem Sohn der Familie. Ihre Relevanz in dem Stück habe ich nicht ganz verstanden.

Gespielt haben alle fantastisch. Glaubwürdig, emotional, authentisch. Am meisten beeindruckt hat mich Beatrice Murmann, eigentlich Regisseurin, überzeigte sie hier als Schauspielerin. Vielleicht war es manchmal ein bisschen viel gewesen, aber ich habe ihr alles geglaubt.

Die Inszenierung an sich ist nicht der große Knaller, aber sie ist gut. Man geht aus der Aufführung und hat eine berührendes Stück gesehen. Man fängt an nachzudenken….über sich und sein Leben, jedenfalls habe ich das getan.

Es ist ein toller Text, eine gute Inszenierung und ein schöner Abend. Einen Abend, aus dem man etwas für sich mitnehmen kann aber nicht muss. Ein Abend, bei dem man etwas länger braucht um reinzukommen, um den Konflikt zu verstehen. Wenn man DAS verstanden hat, kann man sich bequem hinsetzen und die Aufführung genießen.

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Über Marie

Studium der Theaterwissenschaft an der LMU München und MA Performance Studies an der Universität Hamburg. mariegolueke.de Zeige alle Beiträge von Marie

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