Kein schönes Stück ̵̶ gut so!

Simon Stephens‘ Theaterstück „Motortown“ wurde in ganz Deutschland schon auf die Bühne gebracht, gilt als „Erfolgsstück“, aber noch kein Theater in München traute sich, diesen Text umzusetzen. Sicher, Stephens‘ Welten sind düster und auch dieses Stück ist harter Tobak. Jetzt hat sich das Teamtheater Tankstelle dieses Stoffs angenommen und zur Münchner Erstaufführung gebracht. In der Inszenierung von Andreas Wiedermann spielen Eva Kruijssen, Axel Röhrle und Herbert Schäfer alle Rollen.

Danny kehrt aus dem Krieg im Irak zurück und findet keine Vertrauten mehr. Er kann sich niemandem anvertrauen, legt sich Identitäten und Realitäten zurecht. Ausschnitthaft stehen die Szenen nebeneinander in denen Danny zwischen aussichtsloser Verzweiflung und ungehindert brutalen Abgründen steht. Doch es ist nicht nur das Schicksal eines Kriegsheimkehrers, der keinen Anschluss mehr an die Gesellschaft findet, sondern eben jene zeigt sich als eine ständige Nicht-Zusammenkunft von Menschen. Dannys Ex-Freundin lehnt es ab, sich überhaupt mit ihm zu treffen, Tom, der Waffenfetischist will Danny nur seine Imitate verkaufen, das lüsterne Ehepaar möchte einen aufregenden Dreier und Dannys Schilderungen des Krieges dienen ihnen nur der sexuellen Erregung. Den Gipfel der vergewaltigten Kommunikation erreicht die Quälerei und Ermordung eines 14jährigen Mädchens durch Danny. Sicher kann man diese als Ergebnis eines Nichttherapierten betrachten und es ist auf keinen Fall verkehrt die Vernachlässigung von Traumatisierten zu thematisieren. Aber erschreckend ist vielmehr das Zerfallen einer Gemeinschaft in der es nichts Gemeinsames mehr gibt. Der Zuschauer erfährt nicht viel über die gezeigten Figuren an diesem Abend, aber er sieht die Schrecken, die sie hinterlassen. Das Verdrängen dieses Themas von der Bühne gleicht einer Verdrängung des Krieges in unserer „heilen Welt“. Deswegen ist es gut und richtig, dass dieses Stück auch endlich mal in München zu sehen ist!

Noch am 14. und 15. April 2012 ist dieser Abend zu erleben. Man sollte ihn sich nicht entgehen lassen!

Foto: Hilde Lobinger

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