Good Morning, Boys and Girls – Philip Jescheck

Teamtheater Tankstelle

KLICK

Jeder kennt die schrecklichen Bilder aus dem Fernsehen, wenn die Schulen und die Opfer gezeigt werden, der Täter in den Vordergrund gerückt wird und die Medien ein Spektakel daraus machen. Ein Amoklauf.

Am Anfang von Juli Zehs „Good Morning, Boys and Girls“, inszeniert von Philip Jescheck, zählt der Vater von Jens die Amokläufer der Geschichte auf.

Juli Zeh erzählt die Geschichte eines Jungen, Jens/Cold, der alle Klischees eines Amokläufers erfüllt und dem dann doch eine unerwartete Begegnung einen Strich durch die Rechnung macht.

Philip Jescheck inszeniert am Teamtheater Tankstelle mit einem äußerst überzeugendem Ensemble und Bühnenbild. Hier stimmt einfach alles. Keine kitschige, moralische Inszenierung die uns den Finger vor die Nase hält und sagt „Das darf man nicht, dass ist böse“, sondern eine tiefgreifende Inszenierung bei der man gepackt wird und die man mit Schrecken verfolgt.

Jeschecks Inszenierungseinfälle zeugen von großem Textverständnis und trotz aller Dramatik hat er auch ein Gespür für das Komische.

Jens, Benjamin Jorns, steht im Mittelpunkt und um ihn die Menschen in seinem Leben die er kontrolliert wie Puppen. Er versucht sie nach seinen Wunschvorstellungen zu formen, aber es gelingt ihm nur bedingt. Mutter, Vater und Lehrerin beugen sich zwar seinen „zips“ und „zaps“ aber aus ihren Mündern kommt doch meist Wahrheit und nicht immer die Traumantwort. Ein großer Kleiderhaufen ist sein Revier. Der Mirkofonständer sein Joystick. Er hat nur einen Traum und den träumt er seit 9 Monaten unaufhörlich.

Benjamin Jorns überzeugt mit schauspielerischer Feinheit und zeigt grandios alle Facetten seiner Figur. Schweiß tropft ihm schon nach den ersten 5 Minuten auf das Hemd. Vom unsicheren Teene über den Philosophen bis zum geträumten Amokläufer lotet Jorns alle Facetten seiner Figur aus und ist dabei nie drüber oder drunter. Er trägt maßgeblich dazu bei, dass dieser Abend keine schlechte Schulvorstellung wird.

Auch der Rest des Ensembles ist sehr überzeugend. Ulla Wagner als Mutter, Anno Köhler als Vater und Maike Specht als Frau Patt sind im entscheidenden Moment voll da um dann wieder zu verstummen. Eine perfekte Choreographie zwischen Schauspieler und Technik.

Stella Goritzki als Susanne kann ebenfalls überzeugen, doch hätte man die Motivation bei ihr noch mehr ausleuchten können. Das Ende kommt zwar überraschend und ist durchaus glaubwürdig aber so ganz steigt man nicht dahinter.

Philip Jescheck gelingt eine wertvolle Inszenierung die wahrscheinlich keinen kalt lässt.

Advertisements

Über Marie

Studium der Theaterwissenschaft an der LMU München und MA Performance Studies an der Universität Hamburg. mariegolueke.de Zeige alle Beiträge von Marie

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: