Ich mach ja doch, was ich will ( I am my own wife) – Josef Ludwig Pfitzer

Teamtheater Comedy

KLICK

Die Geschichte der „Charlotte von Mahlsdorf“ wurde von dem Amerikaner Doug Wright aufgeschrieben und in ein Theaterstück umgewandelt. Larry Moss und Josef Ludwig Pfitzer entwickelten eine Inszenierung daraus, in der auch Josef Ludwig Pfitzer als „Charlotte von Mahlsdorf“ auf der Bühne steht.

Es ist ein Ein-Mann-Stück oder ein Ein-Frau-Stück? Man weiß es nicht so genau, jedenfalls nicht bis man rausbekommen hat, dass „Charlotte von Mahlsdorf“ eine Transsexuelle ist und in Mahlsdorf zu Zeiten des 2. Weltkrieges und später auch im Kalten Krieg, der DDR und in Stockholm gelebt hat.

Jetzt hab ich es schon fast verraten. Mahlsdorf, wo liegt Mahlsdorf? Wer mich kennt und weiß wo ich herkomme, weiß dass mein Herz bei diesem Namen geleuchtet hat. Berlin.

Mahlsdorf liegt am Rand von Berlin, gehört aber noch zur Stadt Berlin. Ich hab mich sehr gefreut in der Bayrischen Hauptstadt eine Berliner Geschichte zu hören.

Das Stück erzählt die Lebensgeschichte der „Charlotte von Mahlsdorf“ und ihrem Gründerzeitmuseum. Wie sie aufwuchs und den Krieg, die Stasi und die Neonazis überlebte und dabei nie ihren Lebensmut verlor. Sie liebt Grammophone, alte Möbel und Männer, alles in der Reihenfolge. Doug Wright, ein Amerikaner, findet ihre Geschichte so unglaublich, dass er nach Berlin reist und „Charlotte“ viele Wochen lang begleitet und sie interviewt.

Herausgekommen ist eine Inszenierung, die auf der einen Seite in einem wunderschönen, liebevollen und detailgetreuen Bühnenbild agiert und auf der anderen Seite im Teamtheater Comedy läuft aber viel mehr ist als reine Komödie.

Es ist, wie es auf der Homepage steht „Ein faszinierendes Zeitzeugniss“, wofür der Autor den Pulitzerpreis und den Tony Award gewonnen hat.

Eine spannende Geschichte, voll von Anekdoten, dem großartigen Ostdeutschen Überlebenswillen, der Offenheit der Menschen, der Lockerheit und den Zusammenhalt, der für die Menschen in der DDR damals überlebenswichtig war.

Josef Ludwig Pfitzer stellt sich 2 Stunden alleine auf die Bühne und versucht die Geschichte von „Charlotte“ zu erzählen. Er schlüpft immer wieder in verschiedenen Rollen und beweist sein komödiantisches Talent indem er Rollen klischeehaft und typisch darstellt. Nur bei seiner Hauptfigur, der „Charlotte“, erfüllt er die Klischees manchmal etwa zu doll und lässt die Intelligenz, die Zerbrechlichkeit und den wirklichen Charakter der „Charlotte von Mahlsdorf“ nicht durchblicken. Nur in dem Text, den geschriebenen Worten, kommt heraus was für eine großartige Person sie gewesen sein muss. Als Figur auf der Bühne fehlt es ihr an Tiefe und die braucht sie doch so unbedingt, da sie wirklich eine Heldin war.

Es braucht keinen gewollt komödiantischen Ansatz. Das Stück und die Inszenierung funktioniert auch ohne. Ich habe den Geschichten oder besser gesagt der Geschichte gerne zugehört aber die Figur der Charlotte war in der Inszenierung zu ungenau gezeichnet, zu oberflächlich gehalten, zu klischeehaft. Das hat bei den anderen Figuren wunderbar funktioniert aber bei der Hauptfigur leider nicht.

Ich habe mich gefragt ob die Menschen hier in Bayern diese Geschichten kennen? Ich kenne diese Geschichten. Kiegsgeschichten, Geschichten vom Überleben oder vom Sterben an der Mauer, Geschichten über die Stasi und ihrem Abhörsystem. Ich habe zwar nicht in der DDR gelebt aber bin dort geboren und im ehemaligen Osten aufgewachsen.

Es ist gut, dass diese Geschichten hier her kommen und alleine deswegen sollte man in diese Inszenierung gehen. Allein um auch einmal den anderen Teil Deutschlands kennen zu lernen, für die die ihn noch nicht kennen. Aber auch für die die ihn schon kennen, es ist auf jeden Fall eine Bereicherung.

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Über Marie

Studium der Theaterwissenschaft an der LMU München und MA Performance Studies an der Universität Hamburg. mariegolueke.de Zeige alle Beiträge von Marie

5 responses to “Ich mach ja doch, was ich will ( I am my own wife) – Josef Ludwig Pfitzer

  • Christian

    „Als Figur auf der Bühne fehlt es ihr an Tiefe und die braucht sie doch so unbedingt, da sie wirklich eine Heldin war.“… Das war sie eben nicht!
    Im Gegensatz zur Meinung der Kommentatorin war gerade die große Stärke von Pfitzer, dass er Charlotte nicht zu Heldin stilisiert hat. Sie war eine Persönlichkeit mit vielen Brüchen, und ihre Vergangenheit als IM wird wohl auch nie genau aufgeklärt werden. Sie hat auch einen Mord begangen, oder Selbstverteidigung, auch hier wieder ein Bruch, der nicht ganz geklärt werden kann. Auch das Möbel wichtiger waren als manch ein Date mit einem Mann, es zeugt nicht unbedingt von einem heldenhaften Charakter, eher nach einer gewissen Gier nach Materiellen.
    Ich bin nach dem Stück herausgegegangen, und habe mich gefragt: Mag ich Charlotte mag ich sie nicht? Auf jedenfall ist sie eine wirklich sehr interessante und schillernde Persönlichkeit. Ich finde, das hat Pfitzner wirklich bestens herausgearbeitet. Pfitzer hat mit Hilfe von einem sehr feinen Humor ein Stück deutscher Zeitgeschichte unterhaltsam auf die Bühne gebracht.

    • Marie

      Ich bin ja auch nicht der Meinung das er sie zur Heldin machen sollte im Gegenteil. Mir hat nur die Darstellung dieser Brüche gefehlt. Ich hab sie nur im text gehört aber nicht im Spiel gesehen.

      Aber du hast recht: Er hat es gut herausgearbeitet und ich bin auf jeden Fall dafür, dass man das Stück weiterhin zeigen sollte. Vor allem in München finde ich es wichtig, dass es gezeigt wird.

      Ich wusste danach auch nicht recht ob ich mit der Figur Sympathie empfinden sollte oder nicht.

  • Christian

    Sehr interessant, wie unterschiedlich man das sehen kann.
    Gerade, dass Pfitzer nicht explizit die Brüche gezeigt hat, fand ich genau gut.
    Durch ihre fast naive Art, ihr Glück in Möbeln zu suchen, wurde die Charlotte nicht gerade positiv dargestellt. Man hatte immer den Eindruck, es sei ihr egal, ob Juden depotiert wurden, oder Dissidenten von der Stasi verhaftet, hauptsache sie konnte die Möbel retten.
    ch verstehe, was du meinst: Eigentlich will man, dass Charlotte auch kritisch die Dinge betrachtet, aber das tut sie nicht. Das war ja auch das Problem, dass Dough Wright hatte, als er von den Stasivorwürfen hörte. Das fand ich sehr klar und eindeutig von Pfitzer gespielt.

  • Christian

    Lach, ich auch!! Aber das hat sie nie gemacht, und der Autor wollte ihr das nicht andichten.
    Ganz im Gegenteil, am Ende wurde doch Charlotte zitiert, wie sie mit beschädigten Möbel umgeht. Sie wollte keine Restaurierung, damit alles wieder im perfekten Glanz erscheint…

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