Schlafzimmergäste – Alexandra Hartmann

Forum 2

KLICK

Ich glaube ich habe einen neuen Trend aufgespürt oder war es schon immer so, dass in vielen Theaterräumen Kinosessel standen? Oder werden einfach nur mehr Kinosäle zum Theater spielen benutzt?

Nachdem ich durch das halbe Olympiadorf geirrt bin, kam ich endlich im Forum 2 an. Ein gemütlicher kleiner Raum in dem gerade eine Ausstellung über Julia Mann, der Mutter von Thomas  und Heinrich Mann, zu sehen ist.

Alexandra Hartmann inszeniert hier Schlafzimmergäste von Alan Ayckbourn mit der Theatergruppe Brett-á-porter. Einer Gruppe von Laienschauspielern, die es schon seit ein paar Jahren gibt.

Es geht um 4 Paare, 3 Schlafzimmer und eine Nacht. Max und Kati geben eine Party. Gregor und Susanne zerstören diese durch einen heftigen Streit, weil Gregor mit seiner Ex Jana geknutscht hat während ihr Freund Nick zu Hause im Bett liegt. Die Eltern von Gregor, Ernst und Delia, wollen einen gemütlichen Abend zu Hause verbringen, ihr Bett wird dann aber zum Zufluchtsort ihrer Schwiegertochter auserkoren. Am Ende landet jeder wieder da wo er hingehört und der Morgen bricht an.

Eine amüsante Komödie mit intelligentem Witz und anthropologischer Schärfe, die in der Inszenierung von Alexandra Hartmann leider nicht rüberkommen. Der Text gäbe so viele Möglichkeiten, aber diese Abend erinnert oft an GZSZ oder Verbotene Liebe bei RTL.

Die Leistungen der Schauspieler schwanken zwischen authentischen Momenten und völlig überflüssiger Mimik und Gestik. Die Oh`s und Ah`s mit den groß gemachten Augen, waren manchmal so dick aufgetragen, dass ich nicht hinschauen konnte. Das gespielte Erstaunen oder die plötzliche Einfälle, waren schwer zu ertragen. Im Laufe des Abends spielten sich aber viele ein und man sah doch das ein oder andere Talent heraus blitzen. Vor allem in emotionalen Momenten, die nicht absichtlich komisch gespielt waren, zeigten manche Schauspieler ihr verstecktes Können. Vor allem Matthias Grimmeisen als Gregor und Vivien Dollinger als Susanna wurden im Laufe des Abends immer besser  und auch Maria Moser als Jana hatte mich zum Schluss überzeugt.

Trotzdem reichte der Abend leider nicht über eine“ Daily Soap mit komischen Anteilen“ heraus. Nach 2 1/2 Stunden mit Pause ist man erschöpft bei so viel Herz-Schmerz, Verwechslungen und emotionalem Chaos und dann passiert etwas großartiges: Der Applaus kommt, die Schauspieler verbeugen sich und auf einmal sehe ich jedem ins Gesicht und sie strahlen alle so eine wunderbare Natürlichkeit aus, dass es die wahre Freude ist.

Schade, dass sie das nicht auch schon in der Aufführung gezeigt haben.

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Über Marie

Studium der Theaterwissenschaft an der LMU München und MA Performance Studies an der Universität Hamburg. mariegolueke.de Zeige alle Beiträge von Marie

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