Spielen bis zum Untergang – „Die Fledermaus“ im Volkstheater Rostock

Bereits knapp zwei Monate vor dem Jahreswechsel kann man im Rostocker Volkstheater derzeit den Silvesterknaller „Die Fledermaus“ von Johann Strauß Sohn erleben. Die Geschichte des sich rächenden Doktor Falkes, der seinem Opfer Gabriel von Eisenstein  einen Streich spielt, verhandelt zum Amüsement des Zuschauers das in Operetten häufig zu findende Verwechslungsmotiv. Auf dem entscheidenden Fest von Falkes Gehilfen, dem dandyhaften Prinz Orlowsky, fliesst der Champagner in Strömen, trotz dass es am Volkstheater Rostock aufgrund der frustranen finanziellen Lage derzeit nichts zu feiern gibt. Immerhin versucht die Intendanz mit Kassenschlagern wie jüngst Rossinis „Der Barbier von Sevilla“ und jetzt eben der „Fledermaus“ sowie der darauffolgenden Premiere von Verdis „Rigoletto“ die Menschen in‘s Theater zu locken. Und wenn sie dann kommen können sie in einem Katharsis-ähnlichem Verfahren über den Ernst der Lage lachen. Hierzu hat das Regieteam um Rainer Wenke die erste Szene des dritten Aktes dieser Fledermaus-Inszenierung gewaltig in die Länge gezogen. Der Gerichtsdiener Frosch, hervorragend gespielt von Manfred Schlosser, schimpft dabei nicht nur über die singenden Gefängnis-Insassen, sondern begibt sich auch in persiflierenden Dialog mit dem vermeintlichen Oberbürgermeister Rostocks. „Ja aber natürlich spielen wir noch“ antwortet der Frosch diesem als er ihn anruft. „Auf der Titanic haben sie auch so lange gespielt, bis sie unterging.“ Und weiter klärt der berühmte Frosch das Publikum auf: „Der Oberbürgermeister sucht dringend einen neuen Finanzberater“. Wir können nur hoffen, dass er diesen findet, denn das eh schon sehr schmal besetzte Ensemble des Volkstheaters stellte erneut sein sängerisches und auch schauspielerisches Potential unter Beweis. Hier sind besonders Florian Spiess (Gefängnisdirektor Frank), die zierliche Takako Onodera (Prinz Orlofsky), Stefanie Smits (Rosalinde) sowie der Chor des Volkstheaters zu nennen.

Weniger Potential dagegen zeigt das Regie-Team, besonders bezüglich Bühne und Kostümen. Es ist von allem zu viel, wirkt gedrängt, alles quetscht sich vorne an die Rampe statt die Tiefe der Bühne zu nutzen. Die Dekoration wirkt billig und das Bühnenbild (die Handlung stets illustrierend statt reflektierend) ist an einigen Stellen sehr windig, so dass man fast fürchtet, es falle bei nächster Gelegenheit in sich zusammen. Diese musikalisch eh schon so üppige Operette wirkt übersättigt und lässt kaum Raum für die (Weiter-) Entwicklung des Stoffes in den Köpfen der Zuschauer. Es scheint, als würde die  Theatergeschichte der letzten fünfzig Jahre hier komplett ignoriert. Was man hier gezeigt bekommt ist ein Ausstattungstheater, das nichts riskiert und allein zu gefallen sucht. Jedoch könnte – eben gerade angesichts der finanziellen Lage – ein Weniger an szenischem Aufwand, ein Mehr an künstlerischer Qualität bedeuten.

Nicht zuletzt die bekannte Musik, mit teils fehlendem Schwung von Manfred Hermann Lehner dirigiert, macht diesen Abend jedoch zumindest hörenswert und darüber hinaus hat man die Gelegenheit ein Theater zu unterstützen, welches verzweifelt gegen das immer enger werdende Korsett finanzieller Sparmaßnahmen zu kämpfen hat.

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