Spanisch in Schwabing – Criminal: Rationaltheater // Lucía Rodríguez-Pschorr

Eine Barszene eröffnet den spanischen Abend, um mich rum fast nur spanisch, spanisch mitten in Schwabing. Wie Urlaub! Leider bin ich sehr knapp dran und kann mich nur noch auf den Kassenstuhl klemmen. Die Stimmung ist ausgelassen, das lässt während des ganzen Stückes nicht nach. Jede Szene kriegt Applaus. Auf spanisch mit deutschen Übertiteln. Gitarrenmusik untermalt die Szenenübergänge.

Die kriminellen Verwicklungen einer Dreiecksbeziehung werden im Laufe mehrerer Psychiatersitzungen offenbar: Ein Mann, eine Frau, ein Ehepaar. Beide sind in psychiatrischer Behandlung. Das ganze geht so weit, dass einer der Psychiater sein Artzgeheimnis bricht, um seine Kollegin vor den kriminellen Machenschaften eines ihrer Kunden (besagter Ehemann) zu warnen. Carlos Cossio sei im Begriff, seine Frau Diana ermorden zu wollen – was tun? Das Arztgeheimnis brechen, um ein Verbrechen zu verhindern? Wie weit darf ein Geheimnis gehen? Psychiaterin Dr. Amelia Andrade findet, das sei Sache der Polizei. Bis Carlos schließlich bei ihr anruft, er müsse einen Mord gestehen… Ein spannendes Stück von Autor Javier Daulte, geboren in Buenos Aires.

Ich spreche kein spanisch, ich verstehe dank französisch nur Brocken. Ich kenne auch Luis Buñuel nicht, dem die Schauspielertruppe Esquina al Sur e.V. das Stück gewidmet hat. So viel zu meiner eigenen Inkompetenz.

Die Tragik des ganzen wird immer wieder von  grotesk geistreichen Kommentaren der Figuren sowie dem etwas eingeschränkten Schauspielvermögen einiger Darsteller gebrochen. Das Gelächter ist groß. Ein in seiner Anlage großartiges Stück mit mehreren überraschenden Wendungen und Brüchen. Die Inszenierung hingegen hinkt ein wenig dieser Dynamik hinterher. Dianas Szenen werden häufig dreifach angespielt, in der Mitte wird ihre Figur von einem Alter Ego dargestellt. Dabei wird versucht, dreimal unterschiedliche Interpretationen der Szene wiederzugeben. Obwohl das teilweise gut gelingt, scheint der Gegenpart, Darsteller des Psychiaters, schauspielerisch nicht damit umgehen zu können. Seine Form von Verzweiflung grenzt mehr an Lächerlichkeit als dem Stück gut tut.  Zu sehr legen es die Regie oder die Schauspieler darauf an, Witze zu reißen. Schön zu sehen ist die Spielfreude und das Engagement der Darsteller. Und ob sie dem Stück gewachsen sind oder nicht, sie freuen sich an jeder Minute der Aufführung. Und wann hat man in München zuletzt spanischsprachiges Theater gesehen? Man kann interessante Fragen nach der menschlichen Psyche auch mit einem Lachen nach Hause tragen.

(Den Preis des Abends bekommt von mir dennoch ein mir unbekannter Hund mitsamt Besitzer, die im letzten Viertel des Stückes ins Theater kommen. Der Hund läuft rum, freut sich, lässt sich streicheln, kratzt lautstark auf dem Teppich und unter der Bank. Das Herrchen greift nicht ein. Nach 10 Minuten wird es wohl zu langweilig, die zwei verlassen das Theater wieder. Was für ein Auftritt!)

Besuchte Vorstellung: 27.11.2012

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Über Susanne Ernst

studiert Theaterwissenschaft, Französisch, Amerik. Literaturgeschichte Zeige alle Beiträge von Susanne Ernst

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