Die Schule des Gruselns – Fear no fear // werkmünchen, Regie: Philip Decker

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Nein, dieser Weg wird wirklich kein leichter sein. Das ahne ich schon, als ich mich vom Ostbahnhof über das vereiste Gelände der Kultfabrik auf die Reise mache zum werkmünchen. Angekommen – überraschenderweise ohne Sturz – bin ich froh, im Warmen zu sein und will nur noch eines: mich hinsetzen und berieseln lassen. Zu diesem Zeitpunkt ahne ich noch nicht, dass es an diesem Theaterabend ganz anders kommen soll…

Doch dazu später mehr. Zunächst geht meine Rechnung auf. Auf der Bühne sind zwei Reihen mit Stühlen aufgebaut, auf denen auch schon ein paar der Schauspieler Platz genommen haben. Die Black Submarines, die den Abend musikalisch begleiten, fangen an zu spielen – „Fear no fear“ heißt der Song, ich mag ihn auf Anhieb – und nach und nach kommen auch die restlichen Darsteller auf die Bühne. Es entsteht eine Szene, die mich ein wenig an „Alice“ erinnert, denn so komme ich mir vor. Die wundersamsten Gestalten sind da vor mir versammelt: eine Frau in einer Art Yeti-Kostüm, eine Puppenmama, eine Putzfrau, eine Prinzessin…Ja, es gibt auf jeden Fall was zu sehen. Zu hören bekommen die Zuschauer das Märchen „Von einem der auszog, das Fürchten zu lehren“, erzählt von den Darstellern, die abwechselnd jeweils die Rolle einer der Märchenfiguren einnehmen, sich mal auf die Stühle stellen, die unmöglichsten Verrenkungen machen, dazwischenrufen – schnell verliere ich da den Überblick. Jeder, der schon einmal selbst inszeniert hat, weiß, wie schwer solche Szenen zu timen sind und umso gelungener finde ich, was hier passiert, weil die Darsteller – und das sind nicht wenige – durch die Bank weg ihr rasantes Tempo halten! Ich bin nun aufgewärmt, das Märchen erzählt und wenn sie nicht gestorben sind…

Nööö, jetzt geht es über die Eiswüste – wunderbar musikalisch begleitet von den Black Submarines – ins Nebengebäude, die Treppe hoch und in einen Flur. bis ich oben angekommen bin, haben sich die Darsteller hier schon positioniert und Aufgabe der Zuschauer ist es, durch dieses Gruselkabinett zum Ende des Flures zu wandern. Grade bin ich an an einer Frau, die mir ihr Messer ins Gesicht hält, vorbeigekommen, da werde ich zusammen mit anderen in ein Zimmer gezogen, wo wir Yoga-Figuren nachstellen sollen, während uns unsere „Lehrerin“ von der Ungerechtigkeit auf der Welt erzählt. Kaum ist die Yogastunde zu Ende nehme ich in einem anderen Zimmer zu einer Art Gruppentherapiestunde Platz, in der wir erzählt bekommen, wie wir unser Leben „anders“ leben sollen…Die Darsteller geben hier wirklich alles, der Bezug zum Fürchten bzw. Gruseln, das ja Thema des Abends sein soll, geht mir jedoch in diesem Teil ein wenig verloren, da zwar ein paar der Gestalten im „Gruselkabinett“ wirklich hier hingehören, einige aber eben auch nicht. Trotzdem habe ich viel Spaß, eben weil die Darsteller auch sichtlich Spaß an ihren kleinen Performances haben und das reißt – Gruseln hin oder her – mit, ob man will oder nicht. 

Danach geht es wieder durch die Eiswüste ins Nebengebäude und die Zuschauer werden Teil eines Leichenschmauses, der abermals musikalisch begleitet wird und zudem durch fragmentarische Kommentare der Darsteller. Auch diese Zeremonie gut inszeniert und im richtigen Tempo. Noch schnell das Schnapsglas mit Wodka vor mir auf dem Tisch gekippt und fertig.

Ich habe mich an diesem Abend wirklich bestens unterhalten gefühlt, gegruselt habe ich mich zwar nicht immer und bei manchen Figuren hat mir auch der Bezug zum Thema gefehlt, aber das macht nichts, weil ich wirklich Spaß hatte und es die Darsteller geschafft haben, ihre Energie auf die Zuschauer zu übertragen. Auch ein Lob an Philip Decker, der das Ganze mit viel Tempo und vor allem im richtigen Tempo inszeniert hat, das auch durchgängig gehalten wurde.

Fazit: Lernt das Gruseln! Vorstellungen gibt es im werkmuenchen noch am 10./11./12. und 18. Januar!

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