Glaube,Liebe, Hoffnung – Eva Maria Schatthauer

Monsun Theater

KLICK

Eva-Maria Schatthauer, eigentlich Schauspielerin, inszenierte im Monsuntheater „Glaube, Liebe, Hoffnung“ von Ödön Horváth.

Es ist ihre erste Inszenierung und das merkt man leider auch. Es war keine schlechte Inszenierung, zum Ende hin wurde es sogar richtig spannend aber die erste Hälfte war etwas fad und das lag nicht an den Schauspielern. Irgendetwas hat gefehlt, da war einfach kein richtiger Spannungsaufbau, kein Nervenkitzel, kein „Ich will wissen wie es weitergeht“, keine  Befangenheit.

Das Drama erzählt von der jungen Elisabeth die auf eignen Beinen stehen will, in einer Zeit, in der das bei Frauen nicht sehr gerne gesehen ist. Das Stück wurde 1932 veröffentlicht. Sie versucht sich als Verkäuferin, indem sie von Stadt zu Stadt zieht und Büstenhaltern verkaufen soll. Seit sie jedoch einmal ohne ihren Gewerbeschein erwischt wurde, ist die Lawine der Gesellschaft nicht mehr aufzuhalten, die über ihr zusammen bricht. Keiner glaubt ihr ein Wort und keiner versteht, warum sie nicht bei ihrem reichen Vater ist und ein schönes Leben lebt. Sie liefern sie ans Messer und bringen sie zur Verzweiflung, sodass sie zum Schluss keinen Ausweg mehr sieht und sich ertränkt.

Caroline von Gelting als Elisabeth spielt die Rolle glaubwürdig und wir von Minute zu Minute immer besser. Am Anfang hat sie mich nicht sehr überzeugt, doch irgendwann hatte sie mich. Vor allem die Männer haben in dieser Inszenierung zu tun. Jeder von den dreien verkörpert mehrere Rollen egal welchen Geschlechts, man könnte sich fragen ob das einen tieferen Sinn hat oder nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Gendertausch die Frauen oder die Männer treffen sollte? Beide Seiten verurteilen Elisabeth, die männliche versucht es mit roher Gewalt und die weibliche mit Hinterlist. Jeder hat auf seine Weise ein Anteil an Elisabeths Tod, egal ob männlich oder weiblich.

In den Umbaupausen erzählte eine Stimme in der Ich-Form von Elisabeths Schicksal. Sie rekapituliert ihr Leben als alte Frau. Leider war es nie eindeutig, wer da überhaupt spricht und was. Es fühlte sich als nicht wichtig an, da die Aufnahmen immer nur in den Umbaupausen abgespielt wurden und so verlor der Text leider an Bedeutung.

Im Original trägt das Stück den Untertitel „Ein kleiner Totentanz in fünf Bildern“. Dieser Untertitel erklärt alles und nichts über das Stück. Eva-Maria Schatthauer hat den Untertitel weggelassen, damit wird für mich aber vieles klarer und die Reichweite des Dramas erst richtig bewusst. Auch im Programmheft stehen keine weiteren Erläuterungen über das Stück (abgesehen von der Inhaltsangabe). Schade das hätte den Abend um so viel spannender gemacht.

Es ist eine Inszenierung, die nicht schlecht aber auch nicht gut ist. Ich würde sagen mittelmäßig. Tolle Schauspieler, etwas einfallslose Regie. Auf der Bühne war Eva-Maria Schatthauer sehr gut in ihrer kleinen Rolle aber als Regisseurin hat sie mich nicht sehr überzeugt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass solch ein Spartenwechsel nur selten gelingt.

Schauspieler, die Regie führen wollen oder Regisseure die mit auf der Bühne stehen. Was ist wohl die bessere Variante?

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Über Marie

Studium der Theaterwissenschaft an der LMU München und MA Performance Studies an der Universität Hamburg. mariegolueke.de Zeige alle Beiträge von Marie

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