Jan Gehlers „Werther“ im Volkstheater

Werther, ein junger Mann ohne wirkliches Ziel, verliebt sich in Lotte, die sich ebenfalls angezogen fühlt. Das Dilemma: Sie ist schon Albert versprochen und möchte sich auch nicht von ihm trennen. Trotzdem will sich Werther damit nicht abfinden; sein Werben gibt er nicht auf. Für ihn endet die Liaison tragisch. Der 1983 geborene Regisseur Jan Gehler bringt im Volkstheater den Klassiker in einer sehr modernen Version auf die Bühne.

Die Briefe, die Werther bei Goethe an Wilhelm adressiert, werden hier gekürzt direkt an den Zuschauer gerichtet. Das Interessante ist, dass alle Figuren Werthers Text sprechen – es wurden die Passagen herausgesucht, welche jeweils passend für den Charakter sind. Neben Werther, Albert und Lotte sind noch Wilhelm und Sophie mit von der Partie. Alle stehen sie als Vertreter für unterschiedliche Erfahrungen mit der Liebe, alle haben sie etwas gemein: Für keinen der Figuren ist die Liebe leicht, jeder hat sein Päckchen zu tragen.

Copyright: Arno Declair

Werther sieht am Ende nur den Selbstmord als Ausweg. Copyright: Arno Declair

Mara Widmann spielt die Lotte, die zwischen zwei Männern steht. Werther wird sehr gut von Pascal Riedel verkörpert, Sohel Altan G. spielt den Nebenbuhler Albert. Justin Mühlenhardt ist Wilhelm, der am Ende so von seinen Gefühlen überwältigt wird, dass er seine Geliebte und deren Ehemann umbringt. Die Nüchternste ist Sophie, gespielt von Lenja Schultze. Sie kommentiert das Geschehen, indem sie unglücklich ausgegangene Liebesgeschichten erzählt, ihre eigene jedoch für sich behält. Sie scheint mit dem Gefühl der Liebe abgeschlossen zu haben. Mit Hinzunahme der beiden Figuren Sophie und Wilhelm liegt der Fokus nicht mehr wie im Roman nur auf der tragischen Dreierkonstellation.

Copyright: Arno Declair

Copyright: Arno Declair

Das Bühnenbild (Sabrina Rox) ist unspektakulär. Eine weiße Treppe fungiert als Diagonale, die den Bühnenraum trennt. Oben befindet sich nur Lottes heile Welt, unten spielt sich das Geschehen im Gesamten ab. Da kommen dann auch viele Bierdosen und Clubsound zum Einsatz. Das alles trägt dazu bei, dass sich vor allem auch junge Leute angesprochen fühlen. Im Zusatzmaterial des Volkstheaters heißt es: „Es gibt so ein paar Stellen, wo jeder sich etwas „rauspicken“ kann – gerade, weil die Liebe jedem bekannt ist, gerade weil jeder Erfahrungen mit Liebe hat“. Dem kann ich nur zustimmen. Fazit des Abends: Ein Kaleidoskop der Liebe, das sehenswert ist!

Weitere Vorstellungen sind am 14.02., 15.02., 25.02., 01.03., 20.03., 21.03., 05.04., 06.04.

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