Albtraum in der Psychiatrie – Fitzeks „Der Seelenbrecher“ in München

Blutenburg-Theater – Münchens Kriminalbühne

Sebastian Fitzek gehört derzeit zu den erfolgreichsten Autoren in Deutschland. Seine Psychothriller haben hierzulande wie auch im Ausland viele Fans und so finden seine Werke seit einiger Zeit auch ihren Weg auf die Bühne und zum Film.

„Der Seelenbrecher“ wurde 2008 veröffentlicht und von Marc Gruppe für die Bühne bearbeitet. Erzählt wird die Geschichte des Patienten Caspar, der ohne Gedächtnis und halb erfroren in der Einfahrt einer psychiatrischen Klinik von Professor Raßfeld gefunden. Er versucht verzweifelt, seine Erinnerungsfetzen zusammenzusetzen und findet Unterstützung in der depressiven Patientin Greta und seiner Ärztin Sophia Dorn. Die Medien berichten gerade vom mysteriösen Seelenbrecher, der drei junge Frauen entführt und sie seelisch völlig zerstört hat. Im dichten Schneetreiben baut zudem noch der Sanitäter Tom einen Unfall mit seinem Krankenwagen, zerstört dabei den Telefonanschluss der abgelegenen Klinik und so werden er und sein „Fahrgast“ Dr. Bruck, ein Arzt mit Alkoholproblem ebenfalls über das Weihnachtswochenende einquartiert. Doch von da an beginnt der Albtraum für die mittlerweile eingeschneiten Anwesenden. Nachdem Sophia mit Bruck zusammentrifft befindet sie sich in einer Art Wachkoma und scheint psychisch völlig zerstört. Zudem verschwindet auch der Chefarzt Raßfeld spurlos. Schnell wird klar, dass sich mit Bruck der Seelenbrecher eingeschlichen haben muss. Gemeinsam versuchen Patienten, Mediziner und der Hausmeister zu überleben…

Johannes Haag, Wolfgang Haas, Martin Cambeis, Deborah Müller

Foto: Volker Derlath

Den Erfolgsroman an sich habe ich noch nicht gelesen, kann also die Änderungen nicht beurteilen. Die Bearbeitung von Marc Gruppe ist recht textlastig, Regisseur Kai Taschner lässt in seiner Inszenierung mit einer Mischung aus Naturalismus und surrealen Szenen jedoch trotzdem keine Langweile aufkommen. Er durchsetzt die düstere Geschichte geschickt mit witzigen Details, etwa das Spiel des Hauptdarstellers mit Buch-Attrappen aus dem Regal oder einer actiongeladenen Flucht in Zeitlupe. Das lockert den bedrückenden Psychothriller etwas auf, lässt es in den zentralen Szenen aber nicht an der nötigen Ernsthaftigkeit fehlen.

Für mich neu ist es auch, dass nicht nur die Guckkastenbühne des kleinen Theaters, sondern auch der Raum davor intensiv bespielt wird. Die Zuschauer werden durch diverse Anspielungen durch Insassen der Klinik und mit einbezogen. Die perspektivische Malerei im Hintergrund und die Verständigung der Figuren über Funkgeräte lässt die kleine Bühne wie eine riesige, leere Klinik wirken. Das Bühnenbild vereint, wie auch die ganze Inszenierung, Naturalismus und Traumhaftigkeit.

Foto: Volker Derlath

Foto: Volker Derlath

Außerordentlich ist dieses Mal auch das siebenköpfige Ensemble, das ausnahmslos sehr gut spielt. Allen voran der Hauptdarsteller Martin Cambeis, der verzweifelt um seine eigene Erinnerung kämpft und immer wieder surreale Flashbacks durchlebt. Zu seinem Gegenspieler wird der mehr als unsympathische Sanitäter Tom Schadeck, gespielt von Wolfgang Haas. Sehr beeindruckend war auch die Leistung von Deborah Müller als Sophia, die die meiste Zeit geistig abwesend wirken muss und dies auch eisern durchzog, als ihr die Mitspieler unabsichtlich eine Tür gegen den Kopf knallen ließen.

Der Regisseur gibt den einzelnen Figuren unverkennbare Charakterzüge und zum Teil auch Ticks, die nach einiger Zeit die Frage aufkommen lassen, wer hier nun krank ist und wer normal. Und oft steckt hinter dem ersten Eindruck noch viel mehr, als man sich denkt.

Alles in Allem eine mehr als sehenswerte Inszenierung. Nicht nur für Fans des Autors Sebastian Fitzek, sondern auch für alle, die gerne einen spannenden Thriller zu schätzen wissen. Es wird sowohl Hochspannung, Humor als auch eine schöne Portion Grusel geboten. Die Inszenierung feiert heute Abend offiziell Premiere und läuft bis zum 25. Mai täglich von Dienstag bis Sonntag. Karten und Infos gibt es unter http://www.blutenburg-theater.de

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Über mako89

Marina Kolmeder studierte von 2009 bis 2014 Theaterwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Bereits in ihrer Zeit am Gymnasium Mainburg war sie viele Jahre lang am Schultheater beteiligt und so widmete sie sich auch nach dem Abitur der Welt des Theaters. Sie arbeitete bereits als Regieassistentin und -Hospitantin in verschiedenen Münchner Theatern, etwa bei der Inszenierung von Emmerich Kálmáns "Zirkusprinzessin" am Gärtnerplatztheater oder Yael Ronens "Plonter" im theater...und so fort. Ihr Debüt als Regisseurin feierte sie 2012 mit "Tango" von Slawomir Mrozek an der Studiobühne München, 2013 folgte eine historisierende Inszenierung von William Shakespeares "Der Sturm" in München und Osterhofen. Mittlerweile spezialisiert sie sich in Forschung und Praxis auf das bairischsprachige Theater aller Genres und Epochen. Für Theater to Go ist sie seit 2011 tätig, seit 2014 als Leiterin. Zeige alle Beiträge von mako89

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