„Der Firmenhymnenhandel“ auf Tour

Herrlich!

„Der Firmenhymnenhandel“ von Thomas Ebermann tourt durch Deutschland. Dafür machte die prominent besetzte Truppe auch in München im Rahmen des Import-13-Festivals im Pathos Halt. Das Stück dreht sich um zwei Geschäftspartner, die Unternehmen musikalische Unterstützung in Form sogenannter Firmenhymnen anbieten. Dieser ganz auf die jeweilige Firma abgestimmte Song soll Zusammengehörigkeitsgefühl und Motivation der Mitarbeiter erhöhen. Thomas Ebermann, Publizist und Ex-Grünen-Politiker hat dazu ein gesellschaftskritisches Stück geschrieben, das die Zuschauer oft zum Lachen bringen kann. Dafür gab es viel Applaus und Jubel.

Robert Stadlober, der den Firmenhändler spielt, kommt auf die Bühne (Astrid Noventa), die sterilen Büroalltag zeigt: Gläserne Wände, ein paar weiße Sessel und ein Chefzimmer, unverkennbar mit dem Selbstporträt im Hintergrund. Ein großer Beamer hängt an der Wand – sogleich wird ein Video eingespielt, das eine Gruppe von Mitarbeitern beim gemeinsamen Singen zeigt. Verschiedene Beiträge zur Firmenhymne – unter anderem von Stern TV – folgen.

Zusammen mit Felix Frohberg (Tillbert Strahl-Schäfer), der die Hymnen komponiert, möchte der Händler die Lieder, von denen er selbst nicht überzeugt ist, Managern andrehen. Die eigentliche Leidenschaft der beiden Jungunternehmer gehört der Musik – beide haben den Traum, eines Tages davon leben zu können.

Die Tochter des Chefs einer Glasfirma (Pheline Roggan) ist der Ansicht, dass eine Firmenhymne dem verstaubten Image des Unternehmens nicht schaden könnte und heuert die beiden an. Nun gilt es, den eigensinnigen Chef (Rainer Schmitt) zu überzeugen. Und dafür lassen sich die Händler viel einfallen. Geradezu absurd ist deren Begeisterung für die wirklich schwachsinnigen Claims. Kostprobe: „Wir sind Kaisers Tengelmann und in unserer Art Familie kommt’s auf jeden von uns an“ und „DHL-Pakete holen tut so gut“. Man mag kaum glauben, dass es Hymnen dieser Art wirklich gibt!

Sehr schön zeigt das Stück die bei vielen Arbeitnehmern vorherrschende Diskrepanz zwischen Traumjob und Broterwerb. Außerdem wird der Kunstbegriff ins Lächerliche gezogen. Weiter gibt es bitterböse Kritik an den gängigen „Seminaren“ für Top-Manager, etwa wenn diese mit einem Lama eine Woche durch die Pampa wandern, um „Führungsqualitäten“ zu schulen.

Aber nicht nur die Schauspieler auf der Bühne leisten etwas: Auf der Leinwand sind zahlreiche weitere prominente (unter anderem Nina Petri) zu sehen. Der Videoteil beschränkt sich alleine auf den Gesang – so kommt man als Zuschauer in den Genuss diverser Unternehmenshymnen. Ich hatte sehr viel zu Lachen und kann den „Firmenhymnenhandel“ nur weiterempfehlen.
Weitere Termine und Orte der Tour: 05.03. Mannheim – Alte Feuerwache, 06.03. Ulm – Roxy, 08.03. Zürich – Rote Fabrik.

Mit: Robert Stadlober, Pheline Roggan, Rainer Schmitt, Tillbert Strahl-Schäfer

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