Dann (1) – drei Zukunftsaussichten auf einmal

Im Pathos wird das Projekt „Dann (1) / Plattform für performative Zukunftsforschung“ gezeigt. Dafür werden dem Zuschauer drei unterschiedliche Voraussagen auf die Zukunft gegeben. Es geht darum, eine Zukunft zu zeigen, die im Futur II spielt: Das, was wir sehen, werden wir morgen schon gewesen sein, heißt es im Pressematerial. Es sollen performativ-experimentelle Kurzformate vorgestellt werden, man darf also gespannt sein.

Drei verschiedene Künstlergruppen machten sich zuvor auf experimentelle Weise ans Werk und präsentierten die Ergebnisse. Dafür wurde nicht nur direkt der Raum des Pathos-Theaters genutzt, sondern auch die Pathos Ateliers. In strömendem Regen waten wir nach einer kurzen Begrüßung gleich in letztere und schauen uns die erste Darbietung des Abends an:

Der Regisseur und Autor Emre Akal inszeniert zusammen mit Tunay Önder „Doyschland Impossible“. Zwei verschleierte Menschen sitzen an ihren Laptops. Im Hintergrund ist groß auf der Leinwand eine Gruppe von Frauen zu sehen, die Burka tragen und viel Bein zeigen. Paradox. Dazu läuft orientalische Musik. Eine der beiden verschleierten Personen, die am Tisch sitzen, beginnt, auf ihrem Laptop zu schreiben. Der Zuschauer kann die Gedanken, die sie niederschreibt, live auf der rechten Wand des Raumes via Beamer mitverfolgen. Es sind Gedanken, die sich um Rechte und Freiheit drehen. Die Person macht klar, dass sie aus Deutschland kommt und sozusagen frei gewählt hat, sich zu verschleiern. Nach einer langen Schreibphase fängt die vermeintliche Frau an zu reden – und man hört, dass sie ein Mann ist. Vorurteile sollen aus dem Weg geräumt werden. Emre Akal und Tunay Önder nehmen die Zuschauer mit auf eine Reise; auf der Videoleinwand ist jetzt München zu sehen. Der Muezzin ruft zum Gebet. Sieht so die Zukunft aus?

Danach geht es zurück in die Haupträume des Pathos-Theaters. Die Gruppe TRANS.net, die den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf europäische Zusammenarbeit in den politisch-performativen Künsten legt, hat ihre Aufführung mit „Mensch und Recht“. TRANS.net, das sind Schauspielerin Linda Löbel, Regisseurin Ana Zirner, der Dramatiker und Regisseur Timo Krstin, Regisseur Franz-Xaver Mayr, Schauspieler Thomas Prazak sowie Bühnen-/Kostümbildner und Regisseur Korbinian Schmidt. Dieser Teil hat mir zugegebenermaßen von allen drei am wenigsten gefallen. So ganz habe ich nämlich nicht verstanden, was dem Zuschauer mitgeteilt werden soll. Es geht um Menschenrechte und deren nicht angemessene Vertretung – warum aber dafür die Beteiligten in den kommenden Minuten kreuz und quer durch den Raum laufen, ohne Zusammenhang die immer gleiche Zahlenfolge herunterbeten, bleibt unklar.

Die letzte Station des heutigen Abends ist „I want you back!“ von Hunger&Seide. Hier spielt sich alles auf der Leinwand ab. Die beiden Darstellerinnen Judith Al Bakri und Barbara Balsei befinden sich in typischen Alltagssituationen: Beim Frühstücken, Haare föhnen, Staub saugen, Brot schneiden. Das Ungewöhnliche: Alles spielt sich rückwärts ab. Man sieht also, wie das schon in der Pfanne bratende Spiegelei plötzlich wieder zurück in die Schale flutscht. Oder die Nudeln, die nach und nach aus dem Mund zurück auf den Teller kommen. Im Kontrast dazu setzen die beiden sich nach Beendigung des Videos real auf der Bühne an einen Tisch und stopfen sich nach Herzenslust das Essen, das sie mitgebracht haben, in den Mund. Diese dritte Zukunftsaussicht ist für mich die gelungenste an diesem Arbeit.

Eine Fortsetzung von Dann soll es Ende des Jahres geben.

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