Shilpa – Sophia Stepf

Sophiensaele

KLICK

Erstveröffentlichung auf livekritik.de am 09.09.2013

Das erste Mal in den Sophiensaelen in Berlin. SHILPA. Laut Selbstbeschreibung eine musikalische Theaterperformance.

Das Flinntheater zeigt unter der Regie von Sophia Stepf die Performerin MD Pallavi in einer kritischen Auseinandersetzung über die Unterhaltungs-Industrie in Indien, Feminismus und unsere heutige Digitalisierung. Eine Live-App, die da vor unseren Augen zusammen programmiert wird.

Shilpa ist das Programm einer neuen App, die mit der Stimme von MD Pallavi programmiert wird. Der Zuschauer kann live mitentscheiden, was Shilpa von sich geben soll. Man darf Liedstrophen und Wörter aus dem Zuschauerraum hineinwerfen und Shilpa gibt sie dann in ihren unterschiedlichen Versionen wieder. Mal mit sexy Stimme, mal verraucht, mal traurig. Hinter dieser Stimme steht ein wahrer Mensch, eine junge Frau aus Indien, die damit ihr Geld verdient und sich gegen die gesellschaftlichen Vorstellungen ihres Landes wehren muss. Warum hat sie keinen Mann? Warum kommt sie immer so spät nach Hause usw. Diese Fragen werden ihr unermüdlich gestellt bis sie zusammenbricht. Die Stimme kommt aus dem Computer und verstummt noch nicht einmal, als sie das Gerät zertrümmert.

Die Performance zeigt das Bild einer Frau dessen Stimme programmiert wird und die versucht ihr Leben selbst zu programmieren – gegen jeden Widerstand. Sie baut sich ein Leben auf abseits der Norm.

Eine amüsante Live Performance, die zum Nachdenken einlädt. Untermalt wird das Ganze von Andi Otto, den zweiten Performer auf der Bühne. Mit seinen technischen Mitteln schafft er es, ein Soundsystem in den Raum zu legen dass einen umhaut. Eine ganze Welt baut er nur durch den Sound auf und da ist es sogar gut, dass auf der Bühne nichts anderes vorhanden ist als die beiden Protagonisten und ein bisschen Technik. Das Licht wird spärlich eingesetzt und entfaltet dadurch seine volle Wirkung.

Berührend wird die Geschichte der App Shilpa und dem Mädchen das hinter der Stimme steht erzählt. Aber es wird nicht alles erzählt, es ist keine Inszenierung, sondern eine Performance. Es lässt Raum für eigene Gedanken und Gefühle.

Das ist eine Theaterperformance wie ich sie mir vorstelle. Mit kleinsten Mitteln wird große Wirkung erzielt. Der Zuschauer erhält hier keine komplette Inszenierung und gerade durch diese Leerstellen bleibt Raum für eigene Phantasie und Gedankenspiele. Man muss mitdenken, sich anstrengen und sich mit dem Thema auseinandersetzen.

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(c) Sophiensaele

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Über Marie

Studium der Theaterwissenschaft an der LMU München und MA Performance Studies an der Universität Hamburg. mariegolueke.de Zeige alle Beiträge von Marie

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