„Ist der lächerlich!“ // freak dinner im Teamtheater München

FREAK DINNER von Francis Veber

Als meine erste Theateraufführung nach der Sommerpause sehe ich die Wiederaufnahme einer erfolgreichen Produktion der Compagnie Antéros im Teamtheater München. Aus dem französischen Theaterstück Le diner de cons (uraufgeführt 1993) von Francis Veber wird FREAK DINNER (1998 erschien der Film Dinner für Spinner und ich frage mich im Nachhinein, warum nicht einfach dieser Titel belassen wurde). Denn ebenso wie der Film setzt die Inszenierung (Regie: Oliver Zimmer) vor allem, wenn nicht ausschließlich, auf die Kurzweiligkeit von mehr oder weniger zündenden Gags sowie die Unterhaltungsqualitäten von echt schrägen Typen.

Es treffen sich an einem Freak-Dinner-Abend Pierre Brochant (Daniel Pietzuch) und seine Freunde, um sich über Personen, die ihrer Meinung nach Idioten erster Klasse darstellen, zu moquieren – Kandidaten werden pro Woche neue gesucht und ohne deren Wissen nehmen sie mit der Einladung zu einem Abendessen sogleich den Wettstreit um den Titel „Freak des Abends“ an. Zu einem solchen Dinner kommt Pierre an einem bestimmten Abend aber gar nicht hin – eigentlich. Durch einen Hexenschuss lahmgelegt will er sich von diesem Abendvergnügen schweren Herzens verabschieden und „kurieren“, hat aber nicht mit der Hartnäckigkeit seines „Weltklassetrottels“ Francois Pignon (Philipp Weiche) gerechnet, der zur vereinbarten Zeit an seiner Wohnungstür klingelt. Das sich nun entwickelnde Katz-und Mausspiel (wobei die Katze hierbei die Maus verjagen möchte), bei dem Pierre erkennen muss, dass sein Gast nicht nur unendlich lästig sondern auch „unfassbar“ hilfsbereit sein möchte, ist voraussehbar. Das Nette daran ist, dass sich hier zwei Menschen treffen, die einander unwissentlich und unwillentlich kennen und brauchen lernen. Darauf baut die Inszenierung jedoch keine großen Stücke.

In dieser Typenkomödie mitmischen dürfen zudem Pierres Ehefrau Christine und Geliebte Marlène (sinnigerweise [?] beide dargestellt von Claudia Schmidt), sein ehemals bester Freund und alte Liebhaber seiner Frau, Juste Leblanc (Markus Fisher), sowie Lucien Cheval, der womöglich neue Liebhaber seiner Frau, und Dr. Archambaud (beide Armin Hägele).

Der Abend ist in sich stimmig, dennoch fehlt eine mitreißende Grundenergie und der Blick hinter die künstliche Fassade dieser Idioten-Typen, denn ja – natürlich sind sie, sind wir Menschen, es alle irgendwie. Somit bleibt nicht viel von dieser ersten Theateraufführung nach der Sommerpause als einige herausragende Schauspielleistungen (Philipp Weiche gibt dem „Weltklassetrottel“ wenigstens Herz zum Slapstick dazu) der Eindruck, dass der Theatertext an sich vielschichtiger ist, als diese Inszenierung glauben machen mag.

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