Amerika – Bastian Kraft

Thalia Theater Gaußstraße

KLICK

Philip Hochmair spielt Karl Roßmann, den Protagonisten aus Kafkas Der Verschollene, hier umbenannt in Amerika.

Am 11. September 2009 hatte das Stück Premiere in der Garage des Thalia in der Gaußstraße. Philipp Hochmair alias Karl Roßmann ist in einem kleinen viereckigen Raum eingesperrt. Man könnte es mit einer Telefonzelle vergleichen. Zwei Wände sind aus Glas, zwei sind Spiegel. In dieser winzigen Fläche agiert Hochmair  eine Stunde und 15 Minuten und muss sowohl den Protagonisten, als auch alle anderen Figuren darstellen. Mit Gestik, Mimik und Stimme versucht er die Unterschiede der Figuren klarzumachen, was auch eigentlich sehr gut gelingt.
Die Darstellung des Robinson durch vorher gedrehte Videos, fand ich besonders passend. Seine Interpretation erinnerte mich an Fear and Laughing in Las Vegas.

Es ist eine große Welt, die sich nur in dieser kleinen Kammer abspielt. Eine bildliche Darstellung von Karls eingeschränktem Denkvermögen? Die Darstellung Karls als naives, kleines, dummes Kind. Karls ist ein Spielball seiner selbst und seiner Umgebung. Er reflektiert  nicht, er überlegt nicht und er hat keine starke Persönlichkeit. Weder zum Millionär, noch zum Gauner geboren. Eine Eigenschaft, die in Amerika nicht besonders viel Erfolg bringt. Diesen unreflektierten 17-Jährigen, zwängt Kraft nun in eine Kammer, in der er sich permanent selbst sehen muss und den anderen Figuren schonungslos ausgesetzt wird.

Kapitel für Kapitel wird hier durchgegangen. Anfänglich wird der Roman noch erzählt, fast wie bei einer Lesung, dann wird es immer spielerischer und dialogischer, bis zum Schluss eine Auseinandersetzung mit dem Publikum stattfindet. Hier tritt Hochmair aus dem Kasten und stellt sich den Zuschauern in Unterhose. Es werden Menschen für das Oklahoma Naturtheater gesucht und nun ist er warm gespielt, nun nimmt er Fahrt auf und findet selbst bei dem Schüler, der nicht weiß was er werden will weil er alles kann, eine passende Bezeichnung für seine Arbeit im Theater. Hochmaier ist zum Moderator einer absurden Show geworden. Am Schluss wird Karl aufgerufen und im Theater willkommen geheißen, dann endet die Inszenierung mit einer schnöden Robbi-Williams-Super-Hero-Pose. Auffallend waren die vielen Wiederholungen einzelner Sätze, die die Situationen noch bekräftigten. „I am Karl Roßman und ich habe mich veirrt“, war einer der häufigsten Sätze, der sich bis zum Schluss durch die Inszenierung zog.  Zudem wurde dadurch die Absurdität der ganzen Lage, und auch der Person Kalr Roßmann, deutlich.  Die Inszenierung verstand es generell sehr gut die Absurdität des Romans darszustellen durch die Mittel die es gebrauchte.

Es ist eine grandiose Leistung vom Schauspieler: Aber ganz sicher, wie ich es finden soll, bin ich nicht. Das Wort „autistischer Mist“ fiel einem Zuschauer aus dem Mund, „grandiose Darbietung“ einem Anderen. Ich würde mich in der Mitte einordnen. Es gab manche Stellen, an denen mich Hochmair gepackt hat aber auch viele Stellen, in denen man wunderbar zum gedanklichen Abgleiten motiviert wurde.

Auch die Handkamera hätte es in vielen Momenten eher nicht gebraucht. Klar sie gibt eine andere Sichtweise auf das Dargestellte von Innen, doch ist dieses Medium nicht etwas ausgelutscht? Die Kamera wird auch nur kategorisch eingesetzt und bald vergessen. Dies hätte man durchaus anders regeln können.

Diese Inszenierung erweckt Zwiespalt, sie teilt das Publikum und wurde zu drei wichtigen Theaterfestivals eingeladen. Etwas Besseres kann es ja eigentlich gar nicht geben.

AMERIKA

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Über Marie

Studium der Theaterwissenschaft an der LMU München und MA Performance Studies an der Universität Hamburg. mariegolueke.de Zeige alle Beiträge von Marie

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