Dali Touiti mit „Rauschen“ im SchwereReiter // 27.03.2014

Das Frappante war die Musikwahl, wenn man Dalis Arbeit kennt, denn mit alva noto/Ryûichi Sakamoto war sie diesmal fast gefällig. Die Inszenierung wurde damit wesentlich reifer.

Der Pina-Bausch-Schüler Dali wählte diesmal für eine unter dem Titel „Rauschen“ summierte Doppelchoreographie einmal das Stück „Center of gravity Part II“ und dazu das Work-in-Progress „Physical“. Sowohl alva noto/Ryûichi Sakamoto als auch Dali stehen für Kunst, der es um Strukturen und Artefakte geht. Es entsteht ein Fabrikat, das durch den hohen Abstraktionsgrad ein organisches Gewebe erschafft, und dabei tatsächlich mehr als Cinematographie wirkt denn als bloßer Tanz. Deswegen kommt die Aufführung formelhaft daher, durch eine künstlerische Filterung und Siebung wie lauter kleine Szenen, die destilliert auf die Bühne gebracht worden sind.

Dabei setzt Dali auf starke Kontraste in der Lichtgestaltung. Tiefste Dunkelheit ohne Geräusche (die Schauspieler hielten sich die keuchenden Münder zu in den Pausen zwischen den Senquenzen) wird von einem fast grellen, weißen Licht ausgebleicht. Der Höhepunkt im letzten Drittel der Aufführung stellt dann auch die Frequenzschaltung in Sekunden des Lichtes dar, die den Tanz zur Reihung von Standbildern macht und so an eine Diashow erinnert. Doch das ist quasi nur Dekor zur eigentlichen Tanzperformance. Die vier Tänzer bewegen sich unter äußerster und permanenter Anspannung und von meisterlicher Präzision, die beeindruckend ist.

Was nicht fehlen darf im Genre des Abstraktionismus ist die Verflüssigung konzeptuell Geronnenem durch den Moment des Zufalls: Dali bindet die Tänzerpersönlichkeit ebenso in die Choreographie ein wie sie durchkomponiert ist. Zwei sich verschlingende Tänzer, ein Vierer-Gespann ganz knapp vor den Zuschauer, einer davon knallt immer wieder auf den Boden, Laufen an unmarkierten Linien am Boden. Er verleiht der Performance Authentizität durch Intensität. Das absorbierende Ambiente ist denn auch, was man Dali noch ankreiden könnte: ein wenig effekthascherisch kommt Lichtgestaltung und Choreographie daher. Ansonsten eine Performance, derer absorbierender Wirkung man sich kaum entziehen kann – ob gut oder schlecht.

Choreographie: Dali Touiti
Tanz: Edith Buttingsrud-Pedersen, Simone Detig, Mariko Yamada
Musik: alva noto, Ryūichi Sakamoto
Video: Felix Leon Westner
Licht: Dali Touiti, David Herzog

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Über Julia Shimura

Arbeiten u. a. für die Zeitschrift Die Epilog, den rbb und das CROWD Mag, ein literarisches Magazin für europäische Literatur. Lebt in Berlin und Tokyo. Zeige alle Beiträge von Julia Shimura

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