„Du bist ein heimatloser Gedanke“- Eine teuflische Reise durch Raum und Zeit

Das Künstlerkollektiv Rohtheater (Bülent Kullukcu / Dominik Obalski / Anton Kaun) lädt in seinem aktuellen Projekt „Propaganda-oder Der geheimnisvolle Fremde“ den Zuschauer auf eine transzendente Geisterfahrt durch Raum und Zeit ein.

Die Mischung eindringlicher Videoprojektionen und experimenteller Klangwelten, die mitunter live erzeugt und projiziert werden, lösen durch die transparente Arbeitstechnik des Live-Happenings

das Bewusstwerden der eigenen Sinnlichkeit aus.

Basierend auf Texten des Public- Relation Papstes Edward Bernays sowie Mark Twains postum veröffentlichtem Roman „Der geheimnisvolle Fremde“ wird ein hoch philosophischer Bogen der Menschheitsgeschichte gespannt. Es werden Mechanismen der Massenmanipulation durchleuchtet, die das Wesen des Menschlichen in seiner Funktions-und Reaktionsweise auf eine triebhafte Ebene herabwürdigen. Der Mensch in seiner gefühlten Überlegenheit, Schöpferkraft und Vielfältigkeit schrumpft auf ein von „Meinungsführern“ gesteuertes, subjektiv wahrnehmendes Mängelwesen.

Jenseits von Gut und Böse, wird dem Zuschauer die Notwendigkeit der Massenmanipulation als Bestandteil demokratisch propagierter Herrschaftssysteme vor Augen geführt.

Der Zuschauer wird Zeuge eines Spiels mit den Perspektiven. Die Akteure führen uns in fremde, mikroskopisch kleine Welten ein, selbst gestaltete Geldscheine werden zu einem wichtigen Gegenstand der Untersuchung – faszinierende Bilder entstehen. Das Kollektiv übersetzt den Mikrokosmos in makrokosmisch projizierte „Bewegtbilder“.

Wissen und Glaube, Verstand und Gefühl, Führer und Geführter, die Macher reiben sich an dem menschlich konstruierten, dualen Weltbild.

Die Angst vor dem Unbekannten, die Ablehnung des Andersartigen verdeutlicht die Begrenztheit der menschlichen Erfahrungswelt. Vom mittelalterlich unaufgeklärten Druckergesellen bis zum vermeintlich gebildeten und mündigen Staatsbürger: Wer kann sich propagandistischen Strukturen entziehen?

Die seit jeher existente, sich in ihrer Erscheinungsform wandelnde Macht der Medien, ob Wort, Bild, oder Schrift, scheint kulturell allumfassend.

Die technisch äußerst beeindruckende Umsetzung sowie der Miteinbezug des Zuschauerraums als Projektion unserer Selbst, lässt den Zuschauer zum Mitreisenden wachsen mit dem Appell an die Eigenverantwortung, denn, um Satan zu zitieren: „ Es gibt kein anderes Leben“.

Pavlović & Pößnecker

Persönlicher Musiktipp zur Einstimmung:

 

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