Archiv der Kategorie: Lesung/Vernissage

Mr. Tom kommt – Roland Walter

Cafeimpuls

Roland Walter stellte seine neue Show/Performance am Freitag im Cafeimpuls vor.

Ich habe schon ein paar Sachen von ihm gesehen und war gespannt. Vor allem, da er die Performances mit Choreographen erarbeitet hat. Dazu gab es noch eine Buchlesung von seinem Buch „König Roland“ und „Meine Rechten Hände – Das Leben mit Assistenten“.

Dies war zugegeben das Spannendste und Lustigste an diesem Abend. Gelesen von einer Freundin Rolands, zeigt die Autobiographie wie Roland durch das Leben rollt. Und auch das Buch über sein Leben mit Assistenten war sehr aufschlussreich und anektodetnhaft.

Doch hier soll es nicht um die Buchpräsentation gehen, sondern um die zwei Performances.

Vogelflug von Yuko Kaseki dauerte gefühlte drei Sekunden, dann war es schon wieder vorbei. Ich saß hinter einem Pfeiler, konnte also nur die Hälfte sehen. Roland lag auf dem Boden und bewegte sich, aber auch durch die Musik konnte ich keinen Zugang zu der Performance finden. Auf dem Rücken liegend, streckt er die Hände empor und kullert sich über den Boden. Ich habe nicht verstanden, was das mit einem Vogelflug zu tun hat.

Die Performance Mr. Tom von Andrea Jenni war ebenfalls undurchsichtig. Roland Walter sitzt im Rollstuhl mit Glitzerhose, Glitzerhut und Heliumballons in der Hand und fährt ein paar Minuten durch den Raum. Alle Richtungen werden ausprobiert, dazu hören wir Popsongs. Das war`s. Ich habe darin leider keine Choreographie erkannt. Ein Rollstuhlfahrer fährt mit bunten Ballons durch den Raum. Das ist mir leider zu wenig.

In beiden Performances wurde weder eine Geschichte erzählt, noch ein Gefühl vermittelt, noch eine spannende Stimmung erzeugt. Es hat mich einfach nicht bewegt.

Ich denke, wenn man Roland Walter vorher noch nie gesehen hat, ist dies bestimmt ein spannender Abend gewesen. Ich kenne schon mehrere seiner Arbeiten und fand diesen Abend etwas substanzlos, hingegen seine letzte Performance in Berlin surnature einen wirklich vom Hocker gehauen hat.

Nichts desto trotz halte ich Roland Walter für einen tollen Künstler, der Menschen bewegen kann. Dieser Abend war aber leider nichts, zumindest nicht für mich.

558472_3114032385899_28276351_n(c) Thomas Epping


Tanzende Tiere im Techno-Stall :: * Eine Schreiberfahrung im Dunkeln des Populierens *

Charles Darwin hatte gesprochen: „Alles ist Eins.“ Die junge Dame, neben der ich mich wieder fand – nachdem der zweihundert Jahre alte Gelehrte die Galapagos-Schildkröte besamt hatte – starrte meine Aufzeichnungen an, genauer gesagt das Mandala, welches ich aus Langeweile ganz absichtlich inmitten des Textes positioniert hatte. Macht ihr auch manchmal Telefonzeichnungen? Was ist bitteschön der evolutionäre Sinn dieser Tätigkeit (1)? Auf jeden Fall sagte ich zu ihr: „Das ist Selektion!“. Wir standen beide kurz irritiert da und ließen das Fremdeln auf uns Wirken. Ist die Diskothek nicht daher spannend, dass wir uns körperlich, so verletzlich und sensibel wir sind, direkt auf Augenhöhe gegenüber stehen und simultan mit aller Beklemmung, auch nüchtern und unbekannt, Konformität genießen?

WHAT YOU SEE IS WHAT YOU GET

WHAT YOU SEE IS WHAT YOU GET

WHAT YOU SEE IS WHAT YOU GET

WHAT YOU SEE IS WHAT YOU GET

WHAT YOU SEE IS WHAT YOU GET

WHAT YOU SEE IS WHAT YOU GET

WHAT YOU SEE IS WHAT YOU GET

WHAT YOU SEE IS WHAT YOU GET

WHAT YOU SEE IS WHAT YOU GET

WHAT YOU SEE IS WHAT YOU GET

WHAT YOU SEE IS WHAT YOU GET

WHAT YOU SEE IS WHAT YOU GET

WHAT YOU SEE IS WHAT YOU GET

WHAT YOU SEE IS WHAT YOU GET

* http://whatyousee.eu/?event=prolog-nichts-ist-bestandiger-als-der-wandel

Ich stellte mich ihr vor, Ohr an Ohr. „Also nicht Charles, oder Felix?“ fragte sie herausfordernd und mutig – „Diesmal nicht!“, entgegnete ich. Die Stille in diesem Moment war wunderbar. So etwas hatte ich schon lange nicht erlebt. Wenn es so etwas wie Stille überhaupt im Club gab. Ich denke, es gibt sie zwischen Menschen, die nichts von einander wissen und sich gerade erst kennen lernen. So, wie jeden Tag eigentlich, auf der Straße, in der Stadt. So, wie im echten Theater. *

Wir können uns im Laufe des Jahres 2013 auf sechs weitere Teile der Reihe freuen, stay up to date & follow on Facebook here! * ° *

Bis zum nächsten Mal!

° ~ °

Anmerkungen:

1.  „Wenn die Energie des Menschen irgendwo unterdrückt oder unterfordert wird, sucht sie sich Nischen, um sich zu verwirklichen. Diese menschliche Energie ist für mich in dem Sinne, wie ich sie dargestellt habe, nur kreativ – ob im Produktiven oder Destruktiven, bleibt Ansichtssache.“ -> Vollständige Ausführung


„Das tanzende Tagebuch“ °~ ° DIE STIMME VON ANNE FRANK,, Spitfire Company // i-camp

M: We need to have pauses and time to feel – I like actually the moment of silence the most. I feel that kind of connection in these moments. In silence we can really feel that something is being shared.

D: Was bewegt dich am Leben der Anne Frank?

M: Nun, wir hatten die Pflicht, als Schulkinder dieses Buch zu lesen. So kennen wir ihre Geschichte, sogar sehr gut. Doch, wenn wir älter werden und fähig sind, aus einer Reife heraus es als Tagebuch eines 14-jährigen Mädchens in der Pubertät zu betrachten und es im Kontext dessen zu betrachten, was in der Zeit außenherum passierte, so ist die Wirkkraft nochmals stärker.

Als ich also älter war und es wieder und wieder las – tatsächlich vor unserer Entscheidung, diese Aufführung zu machen – fühlte ich, dass ich es zum Thema einer Darbietung machen wollte. Es sprach mich persönlich an. Petr und ich, beide Regisseure dieses Stücks, hatten entschlossen, ein Solostück zu machen, das sehr persönlich für mich ist – Theater muss für mich immer persönlich sein. Es muss etwas geben, dass ich mit dem Publikum teilen kann.

D: Es ist sehr intim.

M: Sehr intim, genau. Es ist eine Geschichte, die uns immer und immer wieder erzählt werden muss. Sie ist wunderschön und handelt im Allgemeinen von Menschlichkeit. Besonders die subtilen Alltagserfahrungen dieses 14-jährigen pubertierenden Mädchens mochte ich sehr.

D: Das ist doch das Eigentliche, was uns interessiert. Gingen die Holländer nach der deutschen Invasion am nächsten Tag ganz normal wieder in die Arbeit? Wie hat es jeder persönlich empfunden?

Als ich ein Interview mit einem jüdischem Magazin in Washington machte, fragten sie mich nach dem Vergleich eines US-Stücks zu Anne Frank, dass die Geschichte aus einem sehr objektiven Standpunkt aus zu erzählen versucht, mit meiner Arbeit. Ich versuche jedoch, das völlige Gegenteil zu machen. Ich versuche nicht, die Geschichte zu objektivieren. Ich erzähle die Geschichte aus einem sehr subjektiven Blickwinkel. Aus Annes Blickwinkel. Sie ist sehr subjektiv. In einigen Dingen tut sie nicht recht, wie sie zum Beispiel ihre Mutter beurteilt und wie sie die Situation sieht. Doch ich wollte wirklich von ihr sprechen, statt ein perfektionistisches, geschichtlich korrektes Stück zu machen. Ich orientiere mich also am Tagebuch selbst und verwende auch, was zwischen den Zeilen steht.

D: Wir sprachen über die Einzigartigkeit der Verschmelzung von Tanz und Sprache. Als wärest du ein tanzender Text oder ein textueller Körper. Könnte der Tanz auch ohne Sprache auskommen?

M: Sicher. Es wäre womöglich abstrakter, schwieriger für ein Publikum, der Geschichte zu folgen. Doch sie könnten sich auch so identifizieren. In diesem Fall würde ich die Körperlichkeit völlig anders in Richtung Tanz ändern. Doch dies hier ist mehr am Rande vom Körpertheater, Theater und Tanz. Diese Dinge verschmelzen vielmehr. Ich habe mich entschieden, dem Text zu folgen. Der Großteil kommt aus dem Tagebuch, einen Teil haben wir selbst geschrieben. Manche Momente sind improvisiert. Es sind also wirklich alle drei Ebenen des Texteinsatzes vorhanden.

D: Ich möchte dir noch eine Frage stellen. Es geht mir um den Sound. Insbesondere um das Instrument, das Cello, das in der Mitte der Bühne steht wie der eigentliche Hauptdarsteller. Denn du bist oft am Rande der Bühne, als wärest du nicht so wichtig wie das Cello selbst.

M: Kennst du das Tagebuch, wenigstens ein bisschen?

D: Nein, tatsächlich kenne ich es gar nicht, und das ist sehr interessant für mich, aus diesem Blickwinkel über dein Stück zu schreiben.

M: Anne schreibt Briefe. Für sie persönlich ist es kein Tagebuch an sich. Es sind alles Briefe an ihre imaginäre Freundin Kitty. Sie war so einsam, also erfand sie jemanden. Alles, was sie schrieb, ist an Kitty gerichtet. Unsere Cellistin repräsentiert sie. Kitty existiert nicht in der Wirklichkeit.

D: Das Cello taucht ab in der Dunkelheit, es schwebt im Raum über der Bühne, nur ein gelbes Seitenlicht zeichnet Konturen.

M: Der Dialog passiert über die Musik. Kitty antwortet, aber nur über die Musik.

D: Ihr schreit zusammen, ihr sing zusammen.

M: Sie spiegelt meine Emotionen. Der Grund, warum Anne ein Tagebuch schrieb, war, um ihre Emotionen an jemanden zu richten. All die Körperbewegung in dem Tanzstück drückt dies aus. Ich fühle mich wie ein Zwitschervogel, nachdem jemand meine Flügel brach, der in völliger Dunkelheit gegen die Gitterstäbe stößt. Anne fühlte sich wie ein Vogel in einem Käfig. Sie träumen von jemandem, der ihre Liebe erwiedert.

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D: Dieser Moment war sehr gewalttätig. Als Anne gegen die Wand schlug.

M: Diese Szene heißt „Bomben“. Als sie die Explosionen der Bomardements von draußen hörten, hatte sie solche Angst, dass sie sprang und ihren Körper gegen die Teppenstufen schlug. Um die Bomben nicht zu hören. Das war also ihre selbstverletzende Reaktion.

D: Ja, das habe ich auch gefühlt. Ich danke dir. Das war eine wunderschöne Aufführung. Die Momente waren sehr nah. Du warst dem Publikum sehr verbunden. *

Ein Interview mit Miřenka Čechová und Dominik Tresowski


Datos De Luna/Mondangaben – Jorge Ourcilleon

Vernissage/ Lesung im Haus der kleinen Künste

KLICK

Das Haus der kleinen Künste ist ein kleiner, feiner Laden am Isator. Es gibt auch einen Keller der kleinen Künste, wo regelmäßig Ausstellungen, Lesungen und Performances stattfinden.

Gestern war ich nun da zu einer Ausstellung von Jorge Ourcilleon. Der gebürtige Spanier, lebt seit seinem Studium in Deutschland.

Seine Gedichte haben alle etwas Leichtes, Luftiges und im Unterton kommt eine gewisse Melancholie durch. Sie sind kurz aber schön. Ich bin versunken.

Und seine Bilder sind genauso. Leicht, fast kindlich und naiv und doch mit einem Hauch Melancholie. Man schaut sie mehr als nur ein paar Sekunden an. Sein Lieblingsthema ist das Meer. Es gibt viele Bilder in Türkis oder in Blau aber auch meine Lieblingsfarbe war vertreten. Pink, eingebettet in Schwarz zum Thema Schlaflosigkeit. Das Bild hat die Unruhe sehr gut dargestellt.

Es ist eine tolle Ausstellung und sowohl grafische Bilder als auch Bilder mit Personen oder Tieren findet man dort.

Am 29.4 ist die letzte Lesung und die Ausstellung geht bis zum 2.Mai.

Es lohnt sich. Ich hab mir schon ein Bild ausgesucht!


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