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Lovers, Authors and other Strangers – Jana Pulkrabek

Monsuntheater

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„Lovers, Authors and Other Strangers/Stories, Szenen und Parodien des Komödianten Woody Allen!“ 

Fünf Schauspieler spielen und lesen verschieden Szenen aus Woody Allens Feder.
Es ist ein schönes Team, jeder der Schauspieler versteht es in die immer wieder unterschiedlichen Rollen zu schlüpfen und so den Abend wunderbar amüsant zu gestalten. Es ist eine große Freude ihnen zuzusehen, mal ganz abgesehen von Woody Allens komödiantischen und doch hoch philosophischen Talent.

Mit wenigen Mitteln erzählen sie die Geschichte, wie das Sandwisch entstand. Danach kann das Publikum die Kreationen aufessen. Eine andere Geschichte handelt von einem Mann in New York, der mithilfe eines Zauberers in den Roman „Madam Bovary“ von Flaubert flüchtet um die wahre Liebe kenne zu lernen. Einmal dem Roman entrissen kommt Madam aber nicht mehr aus London weg und so wird alles zu einem Desaster. „Und die Moral von der Geschicht, betrüge deine Frau nicht!“.
Die Schauspieler fegen über die Bühne und nichts kann sie aufhalten so scheint es, erst wenn du Musik anfängt, präparieren sie sich für die nächste Szene. Auch hat es überhaupt nicht gestört, dass die Schauspieler ihre Textbücher zur Hilfe hatten. Im Gegenteil, so wurde einem umso mehr bewusst, dass es sich um Szenen aus Drehbüchern handelt und es ein Salon über Woody Allen war.

Das einzige was ich hier anzumerken habe ist, dass man leider nicht gesagt bekam aus welchen Filmen diese Szenen stammten. Das hätte mich sehr interessiert. Ansonsten war es ein sehr schöner und unterhaltsamer Abend.

Der Salon ist eine feste Veranstaltung im Monsuntheater mit unterschiedlichen Themen. Am 9.02 geht es um den russischen Komponist Michail Glinka, ein Liederabend. Dies ist bestimmt genauso sehenswert, wie der über Woody Allen.


Am Anfang der letzten Nacht – Nina Pichler

Monsun Theater

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In der neuen Inszenierung von Nino Haratschwili geht es um vier Reisende und den Engel Amor.
Ort: Ein Hotel. Zeit: Drei Nächte.

Ein Arzt-Paar, dass versucht seine Ehe wieder in den Griff zu kriegen. Eine Schauspielerin ohne Engagement und ein Geschäftsmann, der sich von seiner Frau unterbuttern lässt. Es geht um Sehnsüchte, Ängste, Wünsche, Träume und alle vier Personen sind auf die eine oder andere Weise miteinander verbunden. Die Ärztin hat die Zwillingsschwester der Schauspielerin bei einer Operation getötet, die wiederrum musste die Rolle ihrer Schwester einnehmen an der sie zerbrach und in eine Klinik eingewiesen wurde, wo sie den Geschäftsmann getroffen hat. Für das Ärzte-Paar nimmt die Reise kein gutes Ende, für die anderen beiden Protagonisten schon. Mittendrin Amor.

Gespielt wird auf einem Baugerüst, welches die unterschiedlichen Etagen des Hotels darstellt. Ganz oben Amor, Mirko Thiele, mit einer Leidenschaft für Bier. Er versucht mit einem Punkteprogramm den einsamen Geschäftsmann wieder zu einem richtigen Mann zu machen. Mit Witz, Charme und Humor sind Mirko Thiele und Klaus Beyer für mich das beste Spielpaar an diesem Abend. Gekonnt spielen sie mit den Klischees aber lassen sich nicht von ihnen überrennen. Der trocken Humor von Amor und die Submessivität des Geschäftsmannes prallen hier aufeinander. Es ist einfach herrlich mitanzusehen. Schade nur, dass Amor mit keinem der anderen Figuren interagiert.

Das Ärzte-Ehepaar spielt nicht schlecht, vor allem der Herbert Trattnig sticht hier heraus, doch warum muss man immer so schreien? Ich versteh das wirklich nicht. Anja Topf ist der ewige Drache, die leider keine wirkliche Entwicklung im Stück durchmacht. Nur kurz sieht man ihre Angst und Verzweiflung. Ihr Mann versucht sie zu halten, es gelingt ihm nicht. Ich habe hier etwas vermisst, ich kann gar nicht genau sagen was. Vielleicht lag es auch am Text, vielleicht auch nicht. Sowohl die Geschichte, als auch die Schauspieler haben mich hier nicht so richtig überzeugt. Ich denke leise Verzweiflung hätte hier mehr gebracht, als das ständige Anschreien.

Nina Sarita Balthasar spielt Sophie. Die Zwillingsschwester eines aufstrebenden Stars. Als ihre Schwester bei einer OP stirbt soll sie ihren Platz einnehmen und zerbricht daran. Balthasar versucht mit allen Mittel hier die Verzweiflung darzustellen aber auch sie schreit und springt auf der Bühne herum. Sie hat keine Gegenspieler, das ist vielleicht das Problem. Sie kann sich an keinem festhalten, ist auf sich allein gestellt. Sie ist die überdrehte Prinzessin mit den Tabletten. Auch hier fehlt mir etwas: Das wirkliche hineinspüren in die Rolle, in den Charakter. Erst als sie zum Schluss zu einem vermeintlichen Casting geht und sich nicht mehr verkleidet, ist sie wirklich glaubwürdig.

Eine Inszenierung, die stark von dem können der Schauspieler lebt. Die Geschichte ist keine Neue. Alles was hier verhandelt wurde, wurde schon tausendmal woanders verhandelt. Es hat der Funke gefehlt, der Funke bei dem am Ende ein WOW-Effekt entsteht.

Am-Anfang-der-letzten-Nacht


Die Täterinnen – Andonia Gischina

Monsun Theater

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Andonia Gischina inszeniert ihr eigenes Stück. Die Täterinnen mit Barbara Fenner und Marion Gretchen Schmitz.

Ein Mutter-Tochter-Drama, welches sich in einem ostdeutschen Dorf des  Nachts abspielt. Die Mutter Mechthild beging in der DDR Republikflucht um sich ihren Traum zu verwirklichen eine große Pianistin zu werden. Sie floh und wurde eine weltweit beachtete Pianistin, doch sie ließ ihre Tochter Thea in der DDR zurück und der Kontakt brach nach ein paar Briefen ab. Thea war nun ihr Leben lang dem Schmach ausgesetzt, dass ihre Mutter Republikflucht begangen hat und auch als die Mauer fiel wurde der Kontakt zwischen den beiden nicht besser. Thea lebt zurückgezogen in dem immer noch gleichen Dorf mit ihren vier Söhnen und ist geschieden. Sie hat nicht viel, braucht aber auch nicht viel. Ihre Mutter tourt durch die ganze Welt, kauft sich teure Kleider und lässt sich von den Fans bejubeln. Beide können die Welt des jeweils anderen nicht verstehen und nachvollziehen.

All das kommt nach und nach heraus, als Mechthild ihre Tochter nach langer Zeit mal wieder in ihrem Dorf besucht und beide eine gemeinsame Nacht verbringen müssen. Die Vier Söhne sind nicht da um als Puffer zu dienen und das Schneechaos verhindert die frühzeitige Abreise der Mutter. So sind sie eingeschlossen in dem Haus und müssen sich ihrer Vergangenheit und  auch ihrer Zukunft stellen.

Es ist eine packende Story, die nicht langweilig wird. Vor allem, wenn man sich mit der Geschichte der deutschen Teilung und den Verhältnissen in der DDR ein wenig auskennt, funktioniert das Stück. Auch die Anklage der Tochter an die Mutter, dass sie sie nicht gewollt hat und nie eine richtige Mutter war, bekommt mit dem Wunsch der Mutter ihrer Passion nachzugehen und Künstlerin zu sein eine völlig neue Bedeutung. Mechthild konnte eben nicht ohne die Musik leben und hat sich gegen ihre Tochter entschieden, die wiederum auf Rache sinnt und ihr Talent am Klavier verschwiegen hat, damit sie nicht in den gleichen Kreisen verkehren muss wie ihre Mutter.

Ein wunderbarer Dialog, bei dem nach und nach mehr Einzelheiten zum Vorschein kommen. Das Stück behandelt für mich zwei große Themen abgesehen von der Mutter-Tochter-Beziehung, einmal die deutsche Geschichte und zum anderen den Zwiespalt zwischen künstlerischer Freiheit und sozialen Zwängen. Diese zwei Themen sind mir sogar noch näher gegangen als die persönliche Mutter-Tochter-Beziehung und ich finde diese Verzweigung der Themen wunderbar.

Andonia Gischina inszeniert ihr Stück in einem kahlen grauen Raum, der nur mit dem nötigsten eingerichtet wurde. Dirk Helmkes Bühnenbild ist zeitlos und spiegelt doch den Charakter von Thea wieder. Alles ist grau, selbst die Kartoffeln sehen grau aus. Alles ist eckig und kantig. Es hat etwas futuristisches aber auch etwas zeitloses, sodass es überall sein könnte. Der große Tisch in der Mitte ist das Herzstück der Bühne und ist mal Tisch, mal Bett. Die Kostüme von Anna Wübber wurden genauso zeitlos gehalten und spiegelten die Figuren bis ins kleinste Detail wieder.

Barbara Fenner und Marion Gretchen Schmitz sind ein  gutes Team. Am Anfang mussten sie noch warm werden, doch dann spielten und spielten sie bis das Licht ausging. Eine gute Leistung, die sich sehen lassen kann.

Eine gute Inszenierung mit einer noch besseren Textvorlage. Ein überraschendes Ende, bei dem man erst darüber nachdenken muss, bis man es versteht.

Für mich persönlich waren der Text und das Bühnenbild an dem Abend die Highlights. Das soll nicht heißen dass alles andere schlecht war, nur eben nicht so gut. Ich würde mir wünschen, dass Stück noch in anderen Interpretationen sehen zu können.

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Der Menschenfeind – Kolja Schallenberg-Spadzinski

Monsuntheater

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Der Menschenfeind von Moliere im Monsuntheater.

Hans-Christoph Michel spielt Alceste und auch alle anderen Figuren. Die Inszenierung fängt damit an, dass er in den  Raum kommt und uns zur Probe begrüßt und fragt, ob wir auch alle unseren Text gelernt haben. Die ganze Inszenierung ist so aufgebaut. Das Stück wird unterbrochen von Probensituationen.  Ganz sicher bin ich mir noch nicht, ob ich das gut finde aber es stört auf jeden Fall nicht.

Michel ist hervorragend. Er spielt alle Figuren und auch wenn das Stück enorm zusammengestrichen ist aufgrund der „Probensituation“ tut es dem Verständnis keinen Abfall. Michel schafft es in Sekundenschnelle von einer Figur in die andere zu wechseln, nur seinen Schweißperlen sieht man die Anstrengung an.  Körperhaltung, Tonart alles wird den jeweiligen Figuren angepasst und er schafft es, dass diese Figuren vor meinem Inneren Auge sichtbar werden. Nur die „Probensituationen“ holen mich ins Monsuntheater zurück, ansonsten tauche ich voll und ganz in diese Welt ein. Mit einer Vielzahl von Tüchern werden die einzelnen Figuren voneinander abgegrenzt.

Das Bühnenbild ist eine große Holztruhe, die sowohl als Versteck für die Requisiten, als auch als Badewanne, Kleiderschrank usw. dient. Hans-Christoph Michel muss Schwerstarbeit leisten, wenn er etliche Male diese große Truhe hochkant stellt um sie Minuten später wieder quer zu legen.

Das ist für mich wahre Schauspielkunst. Man sieht die Leidenschaft in seinen Augen, wenn er spielt. Ein Monolog über eine Stunde und dann noch mit mehreren Figurenwechseln ist nicht einfach. Es war ein Vergnügen zuzusehen und diese Welt vor meinen Augen entstehen zu lassen.

Die Regisseurin lässt den Schauspieler seinen Raum und schafft es mit wenigen Mitteln den Zuschauer im Geiste raus aus dem Theater zu schaffen und ihn aber trotzdem nicht vergessen lassen, dass es `nur` Theater ist.

Eine wunderbare Inszenierung und ein lohnender Abend, so wie ich mir Theater vorstelle.

Menschenfeind


Die Präsidentinnen – Frank Köster/ Marco Schäfer

Monsun Theater

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„Die Präsidentinnen“ von Werner Schwab erzählt von drei Frauen, die im Wohnzimmer der einen sitzen und sich gegenseitig von ihrem Leben erzählen. Wieso sind die eigenen Kinder so missraten? Wieso funktioniert es mit der Liebe nicht und wieso hat Mariedl immer so verdammt gute Laune? Irgendwann driftet das „normale“ Kaffeekränzchen in eine phantastische Beschreibung über ein rauschendes Fest ab. Alle drei verlieren sich in ihren Träumen, bis irgendwann jede den Traum der anderen zerstört.

Die Bühnensituation beschränkt sich darauf, dass am Anfang alle drei am Tisch sitzen. Erna ist der Sparfuchs schlechthin und hat sich doch mal nen Farbfernseher gekauft, Grete ist genau das Gegenteil von ihr und Mariedl…..ja sie ist eine überaus fromme Christin und genießt es von den Leuten für ihre Tüchtigkeit Lob zu bekommen. Ihre Hauptbeschäftigung besteht darin verstopfte Klos wieder zu entleeren und zwar ohne…..Gummihandschuhe. Ziemlich schnell wird hier aber klar, dass sie ziemlich einsam ist und nur durch solche Aktionen etwas Aufmerksamkeit bekommt. Drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können, legen ihr Leben und ihre Träume offen. Sie sie Freundinnen? Nein das haben sie nie gesagt. Sind sie Feindinnen? Nein das haben sie auch nie gesagt. Vielmehr drei einsame Wesen, die vor sich hinvegetieren und es der anderen schwer machen. Jeder besteht darauf, dass sein Leben das Bessere ist.

Rabea Lübbe als Mariedl ist der Wahnsinn. Mehr kann man dazu eigentlich gar nicht sagen. Sie ist durch und durch Mariedl. Man erkennt ihren wahren Charakter erst, wenn schon alles vorbei ist. Auf der einen Seite hat man Mitleid, auf der anderen empfindet man Ekel. Sie braucht Anerkennung bis zum Äußersten, wird es aber nie erlangen.

Aber auch Britta Richter und Inga Strache spielen grandios. Absud, grotesk und alle drei Figuren wurden bis zum kleinsten Detail von den Schauspielerinnen ausgelotet und im Perfektionismus auf die Bühne gebracht. Es sind hier die Details, die so faszinieren. Sowohl die Details der Figuren, als auch die der Regie und Bühne. Alles stimmt. Nichts ist zu viel oder zu wenig.

Frank Köster und Marco Schäfer setzen hier auf das Können der Schauspielerinnen und sie haben richtig gesetzt. Ein verstörender, grotesker, lustiger, absurder und ernsthafter Abend. Nur das Ende war etwas zu absurd, das hab ich und auch andere nicht verstanden.  Trotzdem ging ich aus der Tür und dachte: Genial!

Der Text von Werner Schwab ist so absurd und doch plausible. Genau wie die Inszenierung.

Leider war das schon die Wiederaufnahme. Man kann nur hoffen, dass die Wiederaufnahme wiederaufgenommen wird.

Die_Praesidentinnen


Glaube,Liebe, Hoffnung – Eva Maria Schatthauer

Monsun Theater

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Eva-Maria Schatthauer, eigentlich Schauspielerin, inszenierte im Monsuntheater „Glaube, Liebe, Hoffnung“ von Ödön Horváth.

Es ist ihre erste Inszenierung und das merkt man leider auch. Es war keine schlechte Inszenierung, zum Ende hin wurde es sogar richtig spannend aber die erste Hälfte war etwas fad und das lag nicht an den Schauspielern. Irgendetwas hat gefehlt, da war einfach kein richtiger Spannungsaufbau, kein Nervenkitzel, kein „Ich will wissen wie es weitergeht“, keine  Befangenheit.

Das Drama erzählt von der jungen Elisabeth die auf eignen Beinen stehen will, in einer Zeit, in der das bei Frauen nicht sehr gerne gesehen ist. Das Stück wurde 1932 veröffentlicht. Sie versucht sich als Verkäuferin, indem sie von Stadt zu Stadt zieht und Büstenhaltern verkaufen soll. Seit sie jedoch einmal ohne ihren Gewerbeschein erwischt wurde, ist die Lawine der Gesellschaft nicht mehr aufzuhalten, die über ihr zusammen bricht. Keiner glaubt ihr ein Wort und keiner versteht, warum sie nicht bei ihrem reichen Vater ist und ein schönes Leben lebt. Sie liefern sie ans Messer und bringen sie zur Verzweiflung, sodass sie zum Schluss keinen Ausweg mehr sieht und sich ertränkt.

Caroline von Gelting als Elisabeth spielt die Rolle glaubwürdig und wir von Minute zu Minute immer besser. Am Anfang hat sie mich nicht sehr überzeugt, doch irgendwann hatte sie mich. Vor allem die Männer haben in dieser Inszenierung zu tun. Jeder von den dreien verkörpert mehrere Rollen egal welchen Geschlechts, man könnte sich fragen ob das einen tieferen Sinn hat oder nicht. Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Gendertausch die Frauen oder die Männer treffen sollte? Beide Seiten verurteilen Elisabeth, die männliche versucht es mit roher Gewalt und die weibliche mit Hinterlist. Jeder hat auf seine Weise ein Anteil an Elisabeths Tod, egal ob männlich oder weiblich.

In den Umbaupausen erzählte eine Stimme in der Ich-Form von Elisabeths Schicksal. Sie rekapituliert ihr Leben als alte Frau. Leider war es nie eindeutig, wer da überhaupt spricht und was. Es fühlte sich als nicht wichtig an, da die Aufnahmen immer nur in den Umbaupausen abgespielt wurden und so verlor der Text leider an Bedeutung.

Im Original trägt das Stück den Untertitel „Ein kleiner Totentanz in fünf Bildern“. Dieser Untertitel erklärt alles und nichts über das Stück. Eva-Maria Schatthauer hat den Untertitel weggelassen, damit wird für mich aber vieles klarer und die Reichweite des Dramas erst richtig bewusst. Auch im Programmheft stehen keine weiteren Erläuterungen über das Stück (abgesehen von der Inhaltsangabe). Schade das hätte den Abend um so viel spannender gemacht.

Es ist eine Inszenierung, die nicht schlecht aber auch nicht gut ist. Ich würde sagen mittelmäßig. Tolle Schauspieler, etwas einfallslose Regie. Auf der Bühne war Eva-Maria Schatthauer sehr gut in ihrer kleinen Rolle aber als Regisseurin hat sie mich nicht sehr überzeugt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass solch ein Spartenwechsel nur selten gelingt.

Schauspieler, die Regie führen wollen oder Regisseure die mit auf der Bühne stehen. Was ist wohl die bessere Variante?

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Die ganzen Wahrheiten – Nina Pichler

Monsun Theater

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Ein kleines Theater im Hinterhof in Hamburg Altona. Dort wird zurzeit „Die ganzen Wahrheiten“ von Sathyan Ramesh gespielt, inszeniert von Nina Pichler.

Eine böse Satire über Menschen Mitte Dreißig, die sich festgefahren haben und sich nicht trauen auszusprechen was sie denken. Sie leben mit einem falschen Lächeln und großen Sehnsüchten, die keiner erfüllen kann, weil sie sie niemanden erzählen.

Das Thema gab es schon oft und könnte abgedroschen sein, aber der böse Humor des Autors und die geniale Leistung der Schauspieler, diesen gekonnt umzusetzen, machen den Abend zu einem Erlebnis.

Ich habe schon lange nicht mehr so viel gelacht im Theater und bin dabei auch noch zum Nachdenken angeregt worden.  Will ich auch so enden? Was kann ich tun, dass mir das später nicht passiert? Ganz klar: Immer seinen Sehnsüchten folgen oder sie zumindest aussprechen.

Nina Pichler lässt die Figuren in einem Wohnzimmer agieren, der aussieht wie nach einer wilden Party oder  zumindest, als ob es zu einer wilden Party kommen würde. Alles nur Trug und Schein, genau wie die äußere Haltung der Figuren selber. Hier ist zum einen die Stewardess: Sie reißt durch die ganze Welt, hat jede Menge Sex und findet das alle Männer nur Winsler sind. Das Ehepaar: Die beide eigentlich genau das Gleiche wollen aber es nicht schaffen es sich zu erzählen und so im monotonen Alltag vor Langeweile fast sterben und der Musiker, der die ganze Zeit das gleiche Stück spielen muss und die Liebe aufgegeben hat. Nur Pascal scheint das zu machen, was er wirklich will: Fernsehen, obwohl das auch mehr Frust als Lust ist. Alle Figuren treffen sich und dann platzt die Bombe, vorhersehbar aber gut gelöst, weil doch eine Überraschung kommt.

Jede Figur hat seinen Monolog und die haben es in sich. Der Musiker entführt gern Hunde und Pascal wünscht sich eine Orgie mit Dicke, die die Welt überrollen. Es ist so wunderbar absurd und doch steckt etwas Wahres dahinter.

Solveig Krebs, Klaus Beyer, Anja Topf, Mirco Thiele, Gerrit Neuhaus und Bernd Grawart spielen hervorragend. Sie verstehen es die Sätze ganz neutral und ohne Witz rauszuhauen, was dann umso komischer und absurder ist.

Nina Pichler hat hier ganze Arbeit geleistet. Ein absurd komisches Stück, welches zum Nachdenken anregt und uns mal wieder unsere scheinbar ausweglose Moderne vors Gesicht hält. Aber solche Stücke sind ja dafür da, dass wir genauso NICHT enden.

Szene 4 Beyer-Thiele-Topf-Neuhaus-Krebs

 


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