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Unverhoffte Familienbande und entgleisende Scherze – Die schwarze Komödie „Der Vorname“ in Landshut

kleines theater – KAMMERSPIELE Landshut

Familientreffen könnten so schön sein… KÖNNTEN! Aber wie wohl die meisten auch schon am eigenen Leib erfahren haben, verlaufen die trauten Zusammenkünfte in der Regel nie ganz ohne Reibereien und Diskussionen.

So müssen auch die Protagonisten der französischen Komödie „Der Vorname“ von Alexandre de La Patellière und Mathieu Delaporte erfahren, dass es mit der lieben Familie nicht immer ganz so einfach ist, vor allem wenn auch noch Ehepartner und Freunde mit von der Partie sind. Élisabeth, eine Vollblut-Lehrerin, -Hausfrau und -Mutter, lädt ihren Bruder Vicent, seine schwangere Frau Anna und ihren besten Freund Claude zu einem marokkanischen Abendessen ein. Ihr Gatte Pierre steht ihr dabei meist im Weg und stellt das perfekte Klischee des verplanten Literatur-Professors dar. An sich beginnt das Treffen völlig harmonisch und scheinheilig, allerdings kippt sie Stimmung, als Vincent den Namen seines Sohnes verkündigt: Adolphe. Pierre findet diesen Namen unmöglich, erinnert er doch sehr an einen österreichischen Diktator. Und schon beginnt unter den Anwesenden eine heiße Debatte um Moral, negative Belegung von Namen und das Recht auf freie Entscheidungen.

Als sich der Name lediglich als dummer Scherz von Vincent herausstellt ist die Stimmung jedoch schon so gereizt, dass immer wieder neue Diskussionen in Streitereien und Handgreiflichkeiten ausarten. Dabei verbünden sich selbst Personen, die zehn Minuten zuvor noch in verschiedenen Lagern kämpften. Und selbst der gutmütige Claude lässt am Ende des Abends eine Bombe platzen…

Bild: Iko Freese

Bild: Iko Freese

Das Stück erinnert mich etwas an „Der Gott des Gemetzels“, denn gerade die permanent wechselnden Fronten und die Protagonisten, die sich drehen wie Fähnchen im Wind, machen den Charme beider Komödien aus. Das fünfköpfige Ensemble unter der Regie des Kammerspiel-Intendanten Sven Grunert spielt gerade diese Aspekte hervorragend aus. Eigentlich sind ja alle rational denkende Menschen, doch im Inneren brodelt es und nach dem ersten Streit reichen nur Kleinigkeiten, um wieder zu einem Ausbruch zu führen. Vincent, der Erzähler und selbsternannte Held der Geschichte wird hervorragend von Sebastian Gerasch dargestellt. Er schafft es, seiner Figur den verschmitzten aber oft niveaulosen Humor zu verleihen, der es dem Zuschauer schwer macht zu entscheiden, ob man Vincent nun leiden kann oder nicht. Weitaus stiller und gutmütiger ist da Knud Fehlauers Figur Claude. Er ist nicht nur bei den „Ehefrauen“ des Stücks der Sympathieträger und lässt trotzdem durchscheinen, dass mehr hinter der netten Kumpel-Fassade steckt. Das Herren-Trio vervollständigt der bereits genannte, schusselige Professor Pierre. Stefan Lehnen zeigt herrlich den pedantischen Akademiker, der sich über unbedeutende Kleinigkeiten über die Maße aufregen kann. Relativ ruhig erscheint anfangs Pierres Ehefrau Elisabeth, gespielt von Stefanie von Poser, die alles daran setzt, ihr „perfektes Dinner“ wenn möglich auch mit aggressiveren Mitteln durchzusetzten. Sehr spießbürgerlich kommt auch anfangs Vincents Gattin Anna daher. Cornelia Pollak lässt ihre Figur zwar nach außen hin zufrieden wirken, jedoch auch schnell klar werden, dass sie mit ihrer Ehe nicht mehr ganz so glücklich ist.

Die Inszenierung von Grunert ist für viele möchtegern-intellektuelle Theatergänger wohl zu brav, aber für diese Komödie mehr als passend und von Anfang bis Ende kurzweilig und unterhaltsam. Dies ist einer der positivsten Aspekte des Hauses, dass es noch nicht dem Trend des Provokations-Zwangs folgt ein einfach verständliche und gelungene Inszenierungen zeigt. Das Publikum scheint dies wohl auch zu schätzen. Vor allem als die Wortgefechte der Protagonisten des Stücks Handgreiflichkeiten weichen bleibt wohl keine Auge im Zuschauerraum trocken. Der Humor ist stückbedingt zumeist sehr derb und sicher nicht für jedermann etwas. Ich persönlich hatte große Freude daran.

Weitere Termine sowie Informationen können auf unserer Veranstaltungsseite oder der Homepage des Theaters gefunden werden.

http://www.kleinestheater-kammerspiele-landshut.de/spielzeit-20142015/premieren/kalender/der-vorname.html


Zerbrechliche Wesen – „Die Glasmenagerie“ von Tennessee Williams in Landshut

kleines theater – KAMMERSPIELE Landshut

Bereits am 22. November feierte Sven Grunerts Inszenierung von Tennessee Williams‘ bekanntem Bühnenwerk „Die Glasmenagerie“ in Landshut Premiere.
Das Drama wurde im Jahr 1944 uraufgeführt und erzählt die Geschichte der Familie Wingfield aus der Sicht des Sohnes Tom, der es seinem Vater gleichgetan hat und spurlos verschwunden ist. Zusammen mit seiner Schwester Laura und seiner Mutter Amanda lebte er in einer ärmlichen Wohnung. Nachdem sie vom Vater verlassen wurden, musste Tom die Familie als Arbeiter in einer Schuhfabrik ernähren. Laura ist kaum merklich körperlich behindert und traut sich deshalb nicht in die Öffentlichkeit; ihre Mutter Amanda lebt nur in ihrer Jugend und will unbedingt einen Liebhaber für ihre Tochter finden, der die Familie unterstützen kann. Tom lädt deshalb Jim ein, einen Kollegen und Freund aus der Fabrik. Laura kennt Jim bereits aus ihrer Schulzeit und war verliebt in ihn. Auch er scheint sich zu dem schüchternen Mädchen hingezogen zu fühlen, hat jedoch bereits eine feste Beziehung.
Die Inszenierung Grunerts kommt ohne große Gesten aus. Die Figuren sind anfangs sehr in iGlasmenagerie 2hre eigene Welt verkapselt. Die Mutter macht sich hinter dem Spiegel zurecht, Laura sitzt auf einem Glasboden, umgeben von ihren geliebten gläsernen Sammlerstücken. Alleine Tom bricht öfter aus der beengten Wohnung aus und redet vor der „Wand“ zum Publikum. Problematisch war für mich ab und zu das Bühnenbild, da das Bühnenbild von Helmut Stürmer. Vor der Bühne war eine Wand aus Maschendraht mit Fenstern und Türen. Jedoch versperrten die Rahmen der einzelnen Elemente zumindest mir oft die Sicht auf die Gesichter mancher Darsteller, wenn sie an dem Spiegel oder Lauras Glasboden saßen. Ein kleines aber großartiges Detail ist die Feuerleiter, die den – in ihrer Welt eingesperrten – Figuren oft als einziger Fluchtweg zu dienen scheint, wenn sie einer unangenehmen Situation ausweichen wollen. Beeindruckend ist auch die Szene, in der Amanda und Tom sich über Laura unterhalten und sie unter ihrem Glasboden erscheint.
Das kleine Ensemble kann ganz klar die Spannungen zwischen den vier Figuren darstellen. Cornelia Pollak spielt eine zurückgezogene Laura, die kaum aus ihrer eigenen kleinen Welt aus Glastieren Glasmenagerie 1herauskommt und erst in Gegenwart von Jim aufzublühen scheint. Julius Bornman als ebender ist das genaue Gegenteil, er geht ohne Scheu auf das junge Mädchen zu. Doch während es zu Beginn ihrer Begegnung Laura ist, die mit den Worten ringt, wechseln perfektes Leben aufzwingen will. Sie versucht immer als ihm damit seine Freiheit von der strengen Mutter winkt. Er gibt den Lebemann und versteckt dahinter doch nur die Unzufriedenheit mit seinem ganzen Leben.
Die Inszenierung ist auf jeden Fall sehr sehenswert und nicht alltäglich! Das Stück ist sicher keine leichte Kost, aber eines der besten Werke Williams‘!

http://www.kleinestheater-kammerspiele-landshut.de/nc/wir-ueber-uns/inszenierungen/repertoire/die-glasmenagerie.html


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