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Am liebsten zu Dritt – Rambazamba Berlin

Am liebsten zu Dritt. So lautet das neue Schauspiel von Gisela Höhne im Rambazambatheater in Berlin.
Am liebsten zu Dritt
Eine Gruppe von Menschen mit Down-Syndrom überfallen ein Hotel und nehmen die Hotelgäste fest. Sie wollen, dass die Welt nach ihren Vorstellungen lebt. Dass alle sich nach ihnen richten. Die Männer werden festgenommen und die Frauen weggeschickt. Dann wird von den Männern erwartet, dass sie mir den Frauen mit Down-Syndrom eine Nacht verbringen, damit sie Kinder bekommen. Mit lustigen Szenen, Dialogen und Liedern wird die Show aufgezogen. Später kommen die Frauen von den Männern zurück in das Hotel mit der Bemerkung: „Ist hier kein Mann?“ Darauf ein Mann mit Down-Syndrom: „Bin ich kein Mann?“ Immer wieder wird das Thema: Down-Syndrom auf eine lustige und nachdenkliche Weise aufgezeigt. Höhne hat es wieder geschafft, mit vielen unterschiedlichen Elementen ein wichtiges Thema unserer Gesellschaft anzupacken. Der Kern dieses Schauspiels ist die seit August 2012 neue Bestimmung, dass der Verdacht auf Menschen mit Down-Syndrom mit einem pränatalen Bluttest getestet wird. Höhne hat es wieder ausgezeichnet verstanden, das Thema den Zuschauern nahe zu bringen. Eine wunderbare Inszenierung. Es lohnt sich auf alle Fälle, diese Darbietung anzuschauen und die wunderbaren Schauspieler zu bewundern. Mich faszinieren die Künstler mit Down-Syndrom.

Es kommt zu einem Happy End mit vielen Kindern. Aber auch das Happy End hat einen nachdenklichen Charakter. Es ist mit der Idee verknüpft, Patenschaften für Eltern, die ein Kind mit Down-Syndrom erwarten.

Weitere Vorstellungen: 9.2., 13.2., 15.2., 16.2. um 19 Uhr, sowie am 12.2. um 12 Uhr
Ort: Theater RambaZamba in der Kulturbrauerei Berlin
Kartenreservierungen: 030-44049044 oder info@theater-rambazamba.org

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Jahreszeiten

Das Theater Rambazamba in Berlin wurde 1990 von der Regisseurin Gisela Höhne gegründet. Sie hat sich auf die Fahne geschrieben, Stücke mit Menschen mit geistiger Behinderung und Andere zu inszenieren. So auch das neue Tanzstück „Jahreszeiten“. Dieses Stück wurde zusammen mit dem Choreographen Tomi Paasonen eingeübt. Höhne inszenierte den Sommer und den Frühling, Paasonen den Herbst und den Winter.

Das Stück beginnt mit dem Sommer. Einige Männer kommen an den Strand und sonnen sich. Vier verschiedene Typen verhalten sich unterschiedlich. Der eine liest, der andere sonnt sich. Dann kommt eine junge Dame an den Strand. Die Männer schauen nach ihr, einer legt sich neben sie. Liebe im Sommer. Ein Mann legt sich neben ihr. Die Frau steht auf und legt sich zu einem anderen Mann. Dieser steht auch auf, zieht sich aus und läuft durch den See. Schließlich kommt der andere Mann zu ihr und zieht sie aus. Anschließend schwimmen beide im See. Ein anderer Mann kommt angeschwommen und die Frau wirft ein Auge auf ihn. Was mich in dieser Szene besonders fasziniert hat, ist, wie offen und natürlich die Regisseurin mit dem Körper einer Frau mit Dowmsyndrom umgeht.

Der Herbst zieht ein, goldene Blätter fallen. Die Tänzerinnen und Tänzer werfen die Blätter und tanzen mit den Blättern durch den goldenen Herbst. Die Tänzer erkunden mit eigenen tänzerischen Möglichkeiten den Herbst. Es wird kälter und die Tänzer setzen sich mit den Sterben auseinander, den Sterben der Natur.

Nach der Pause ist es Winter. Die Sonne scheint tief. Das wird mit Spiegeln des Lichts wunderbar dargestellt. Mit silbernen Folien stellen die Tänzer den Schnee und die Kälte dar. Ein Tänzer kämpft sich durch die Kälte und die Einsamkeit. Langsam verzieht sich der Winter. Mit dem Lied „Winter ade“ fegen die Tänzer des Frühlings den Winter von der Bühne.

Der Frühling kehrt ein, es wird wärmer. Die Tänzer tanzen leichter, beschwingter. Sie stellen Wachstum, Schmetterlinge, Liebe, Geburt etc. wunderbar tänzerisch dar.

Im Finale kommen alle Jahreszeiten vor. Es ist etwas durcheinander, dass man nicht ganz klar nachvollziehen kann, welche Jahreszeit gerade gemeint ist. Aber trotzdem ist es ein wunderbares Finale. Die Performance ist insgesamt ein wunderbares Stück, das einlädt, die Jahreszeiten neu zu entdecken. Das aber auch einlädt, die einzelnen Jahreszeiten des Lebens besser zu verarbeiten. Im Frühling des Lebens haben wir Träume, im Sommer unseres Lebens genießen wir die Höhepunkte. Auch der Herbst (das Rentenalter) kann schön sein.

Es lohnt es sich, das Stück mit den wunderbaren Tänzern anzuschauen. Die beiden Choreographen habe es auszeichnet verstanden, Menschen mit und ohne Behinderung zu integrieren. Ein Stück, das Inklusion lebt.

Mir Infos: http://www.theater-rambazamba.org/


Lost Love Lost – Shakespeare im Ramba Zamba Theater

oder: Lasst mich den Löwen auch noch spielen

Regie: Gisela Höhne Dramaturgie: Hans Nadolny

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„Ich will keine Geschichten. Keine Liebesgeschichten. Das kann nicht gut ausgehen!“, schreit Prospero, und zwingt sich auf seinem Rollstuhl nach vorn, als sich seine Tochter Miranda verliebt und fordert ein weiteres Stück: Othello. „Und du wirst zusehen!“, herrscht er sie an, „du sollst die Qualen der Liebe kennenlernen!“. Und sie sieht zu. Wir alle sehen zu, wenn das uralte Spiel von Eifersucht und Tod ein weiteres Mal erzählt wird – in Gebärdensprache. Denn Miranda ist taubstumm – in Rolle und Realität.

Das Ramba Zamba inszeniert Lost Love Lost mit 30 Leuten und 4 (Versatz-)Stücken Shakespeares. Eingewoben sind „Hamlet“, „Othello“ und „Richard III“ in den „Sturm“, der Leitmotive und Rahmenhandlung vorgibt. Der Zauberer Prospero (Sven Normann) wird zum Regisseur und verdammt seine ehemalige Schauspielgruppe dazu Shakespeare zu spielen. Prospero will sich rächen, an dem Bruder, der ihn verriet, an der Welt die ihn verdammt und an der Liebe, die niemals gut ausgeht. Gisela Höhne, die Regisseurin des Abends lässt die Erzählebenen bald verschwimmen. Hier wird mit allem und jedem gespielt: Die Gebärdensprache, ursprünglich, dem Umstand geschuldet, dass die taubstumme Rosemarie Walter zum ersten Mal dabei ist, wird zur Choreographie für das Unaussprechliche. So spielt Miranda (Rosemarie Walter) die Königin Gertrud und wenn sie aufrichtig trauernd die Grabrede für Ophelia (Nele Winkler) in Gebärden vorträgt und das ganze Ensemble chorisch ihren Bewegungen folgt, erklären sie uns allen den Tod. Die taubstumme Tochter Miranda verliebt sich in den Schauspieler des Othello (Moritz Höhne); Prospero befielt die Mausefalle, das Stück im Hamlet nachzustellen, um Antonio/Claudio zu entlarven. Als die Schauspieler den Verrat des Antonios/Claudios (Hans-Harald Janke) erkennen, versucht Hamlet (Sebastian Urbanski) ihn zu töten, trifft aber Polonius (Joachim Neumann).

Mit den Rollen verschwimmen auch die Schicksale der Charaktere: Caliban wird dazu verdammt den Jago in „Othello“ zu spielen und verweigert den Gehorsam, Lady Ann wird von Miranda gespielt und widersetzt sich der Verführung des Mörders. „Die versteht man ja gar nicht!“, ruft ein Schauspieler, worauf die Geister die Gebärden übersetzen. Keine Übersetzung ist nötig, wenn Lady Ann mit einem Lachen wieder zu Miranda wird, das Stück zur Komödie erklärt und Richard III. (Hans-Harald Janke), der von Antonio gespielt wird, seiner Demütigung überlässt.

Die Reizüberflutung fordert jedoch auch ihre Opfer: Das fantastisch detailverliebte Bühnenbild, die bedrückende Musik, die live eingespielt und teils von den Schauspielern übernommen wird und die Menge an Stoff lenken von der durchdachten Struktur des Abends ab und verführen dazu, sich nur den Bildern und Welten hinzugeben, die hier aufgespannt werden. Wenn allerdings so großartige Bilder dabei entstehen ist das kein großes Unglück.


Mit 200 Sachen ins Meer – Kay Langenstengel

Theater RambaZamba

KLICK

Das Theater RambaZamba liegt mitten in der Kulturbrauerei in Berlin und ist ein Theater, welches sich aus behinderten und nichtbehinderten Schauspielern zusammen setzt. Ein Freund hatte mich mitgenommen und ich war sehr gespannt gewesen.

Mit 200 Sachen ins Meer – Eine musikalische Tag-Traum-Revue, heißt der Titel der Inszenierung. 

Und wirklich wird in den 2 Stunden, Pause nicht mitgerechnet, fast alle 5 Minuten ein Lied angestimmt. Es macht Spaß zuzuschauen. Der ganze Abend macht Spaß. 

Aber kurz zum Inhalt: Der Neue, Björn Wunsch-er ist nicht behindert, kommt in eine Nervenanstalt mit der Diagnose „verlorenes Erinnerungsvermögen“. Er weiß nicht warum er da ist und auch die anderen skurrilen Gestalten scheinen aus falschen Gründen dort gelandet zu sein, wie sich später herausstellt. Immer hatte es etwas mit Verlust und Liebe zu tun, die sie in die Anstalt hat bringen lassen. Jeder sagt das er eigentlich nicht hier her gehöre und alle versuchen die schmerzlichen Erinnerungen zu verbergen, sofern sie sich erinnern können. So bleibt am Schluss nur einer zurück, als sie die Möglichkeit haben zu fliehen und dieser bleibt mit Überzeugung da.

1990 gründeten die Theaterleute Gisela Höhne und Klaus Erforth die Gemeinschaft SONNENUHR. Ein Zusammenschluss von behinderten und nichtbehinderten Menschen die gemeinsam Projekte entwickeln. SONNENUHR ermöglicht es, dass auch behinderten Menschen professionell in künstlerische Berufe treten können. 

Das Wort Revue verspricht an diesem Abend nicht zu viel, es gibt alles zu sehen: Choreographien mit den Rollstuhlfahrern und den anderen Mitgliedern, wunderbar einfühlsame Songs aber auch Tanznummer, Schauspiel- und Gesangstalente, Konfetti und jede Menge Spaß. Sophie Schöffler zeigte als Tänzerin Ginger einen berührenden Tanz mit ihrem Partner, der sie aus dem Rollstuhl hob und sie zart führte. Heiko Fechner überzeugte als Schraube und Gabriele Helmdach setze als Goldie ihren Humor und ihre Stimme genau in den richtigen Momenten ein.

Jede der skurrilen Gestalten ist auf seine ganz eigene Art sympathisch. Sowohl der „Drogendealer“ Shaggy, Sebastian Kuhnt, als auch der Computerjunkie Newton, Sven Normann. Sven Normann beispielsweise hat mich sehr beeindruckt. Er hat tolle schauspielerische Fähigkeiten und eine wunderbare Körpersprache, obwohl er im Rollstuhl sitzt. Er holt alles aus sich raus und kann so seine Rolle wunderbar darstellen. Auch die anderen spielen ihre Rollen mit Überzeugung und Leidenschaft. Es gibt keinen der aus der Rolle fällt oder die Spannung und den Spaß verliert.

Das Ensemble ist zu groß um hier alle aufzuzählen aber jeder hat sein eigenes individuelles Talent, mit dem er überzeugt.

Es ist einfach eine wunderbare Mischung an Spaß, Ernsthaftigkeit, einer guten Geschichte, tollen Darstellern und auch tollen Musikern, die man nicht vergessen sollte. Sie geben der Inszenierung den richtigen Drive und es fällt einem schwer sich auf seinem Stuhl zu halten. 

Diesen Monat ist die Gruppe beim Festival Genzenlos Kultur in Mainz eingeladen aber das Theater RambaZamba in der Kulturbrauerei ist ihr fester Spielort, den jeder mal besuchen sollte. Diese Inszenierung gibt es im November und Dezember wieder zu sehen.

Geht hin! Denn es ist einfach großartig dabei zu sein!


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