Dinge geregelt kriegen….heute lieber nicht – Johan Heß

Lichthof Theater

KLICK

Es klang sehr interessant. Eine Inszenierung über Menschen, die alltägliche Dinge immer wieder aufschieben. Menschen die vergessen zurückzurufen, ihre Steuererklärung zu machen usw.

Ich selbst kennen solche Menschen. Diese Menschen meinen es nicht böse und sind weder faul noch dumm. Diese Aussagen stehen  auch im Programmheft und ich war gespannt auf den Abend.

Leider wurden meine Erwartungen und meine Neugier auf eventuelle Lösungsansätze nicht eingelöst. Johan Heß lässt seine Darsteller in Sportanzügen auf der Bühne rumhüpfen, rumschreien und schlecht chorisch miteinander agieren. das Bühnenbild besteht aus grauen Gymnastikbällen, passend zu den  farbigen Sportanzügen. Mir leuchtete nur den ganzen Abend nicht ein, was das mit dem Thema zu tun haben sollte? Vielleicht das alle einheitlich gekleidet waren und keine Individuen, sondern die Masse, darstellen sollten. Dieser Grund reicht leider bei weitem nicht aus. Die Texte werden von lauter Musik unterbrochen in der alle Darsteller wie auf Drogen durch den Raum tanzen und springen und die ganze Zeit ihr Grinsen nicht aus dem Gesicht kriegen. Leider verstehe ich auch hier den Zusammenhang nicht.

Der Text an sich könnte spannend sein, leider wiederholt er sich so oft, dass man irgendwann gar nicht mehr zuhört. Wenn es eine Strichversion ist, dann ist sie schlecht gestrichen. Wenn in einer Inszenierung eins zu eins der Text aus dem Programmheft übernommen wird, fragt man sich wo die Ideen hin sind? Was ist mit dem restlichen Text passiert? Ich kenne das Stück nicht aber an diesem Abend hat sich mir der Nutzen des Textes nicht erkennbar gemacht. Das ich hier das Wort LEIDER so oft verwende, ist leider kein Zufall.

Vereinzelt tauchen Figuren auf, die dann wieder in der Masse verschwinden. An sich keine schlechte Idee, doch hier nicht gut gelöst. Das liegt wahrscheinlich auch an den Darstellern, die es nicht recht schaffen den einzelnen Figuren Individualität zu verleihen. Die Gruppenszenen hingegen bestechen mit lautem Geschrei und übertriebener Gestik und Mimik. Vereinzelt tauchen dann aber doch wieder Lichtblicke auf: Ein paar Darsteller bringen in ihren Monologen Ruhe und Authentizität mit hinein. Das ist in diesem großen Durcheinander aber viel zu wenig.

Schade, ich hatte mich sehr auf den Abend gefreut. Zuschauer rutschten auf ihren Sitzen herum und das ist meist ein Anzeichen dafür, dass diese Inszenierung es leider nicht geschafft hat das Publikum zu fesseln.

 

Advertisements

Über Marie

Studium der Theaterwissenschaft an der LMU München und MA Performance Studies an der Universität Hamburg. mariegolueke.de Zeige alle Beiträge von Marie

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: