Die ganzen Wahrheiten – Nina Pichler

Monsun Theater

KLICK

Ein kleines Theater im Hinterhof in Hamburg Altona. Dort wird zurzeit „Die ganzen Wahrheiten“ von Sathyan Ramesh gespielt, inszeniert von Nina Pichler.

Eine böse Satire über Menschen Mitte Dreißig, die sich festgefahren haben und sich nicht trauen auszusprechen was sie denken. Sie leben mit einem falschen Lächeln und großen Sehnsüchten, die keiner erfüllen kann, weil sie sie niemanden erzählen.

Das Thema gab es schon oft und könnte abgedroschen sein, aber der böse Humor des Autors und die geniale Leistung der Schauspieler, diesen gekonnt umzusetzen, machen den Abend zu einem Erlebnis.

Ich habe schon lange nicht mehr so viel gelacht im Theater und bin dabei auch noch zum Nachdenken angeregt worden.  Will ich auch so enden? Was kann ich tun, dass mir das später nicht passiert? Ganz klar: Immer seinen Sehnsüchten folgen oder sie zumindest aussprechen.

Nina Pichler lässt die Figuren in einem Wohnzimmer agieren, der aussieht wie nach einer wilden Party oder  zumindest, als ob es zu einer wilden Party kommen würde. Alles nur Trug und Schein, genau wie die äußere Haltung der Figuren selber. Hier ist zum einen die Stewardess: Sie reißt durch die ganze Welt, hat jede Menge Sex und findet das alle Männer nur Winsler sind. Das Ehepaar: Die beide eigentlich genau das Gleiche wollen aber es nicht schaffen es sich zu erzählen und so im monotonen Alltag vor Langeweile fast sterben und der Musiker, der die ganze Zeit das gleiche Stück spielen muss und die Liebe aufgegeben hat. Nur Pascal scheint das zu machen, was er wirklich will: Fernsehen, obwohl das auch mehr Frust als Lust ist. Alle Figuren treffen sich und dann platzt die Bombe, vorhersehbar aber gut gelöst, weil doch eine Überraschung kommt.

Jede Figur hat seinen Monolog und die haben es in sich. Der Musiker entführt gern Hunde und Pascal wünscht sich eine Orgie mit Dicke, die die Welt überrollen. Es ist so wunderbar absurd und doch steckt etwas Wahres dahinter.

Solveig Krebs, Klaus Beyer, Anja Topf, Mirco Thiele, Gerrit Neuhaus und Bernd Grawart spielen hervorragend. Sie verstehen es die Sätze ganz neutral und ohne Witz rauszuhauen, was dann umso komischer und absurder ist.

Nina Pichler hat hier ganze Arbeit geleistet. Ein absurd komisches Stück, welches zum Nachdenken anregt und uns mal wieder unsere scheinbar ausweglose Moderne vors Gesicht hält. Aber solche Stücke sind ja dafür da, dass wir genauso NICHT enden.

Szene 4 Beyer-Thiele-Topf-Neuhaus-Krebs

 

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Über Marie

Studium der Theaterwissenschaft an der LMU München und MA Performance Studies an der Universität Hamburg. mariegolueke.de Zeige alle Beiträge von Marie

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