Drei Bayern in Höchstform – „Die Hinrichtung“ im Blutenburg-Theater

Blutenburg-Theater – Münchens Kriminalbühne

Jetzt werd’s zünftig! Im Blutenburg-Theater München steht seit gestern erstmals ein Mundart-Stück auf dem Programm. „Die Hinrichtung“ des Münchner Autoren Bernd Späth feiert seit Jahren große Erfolge und nun fand es auch seinen Weg in das Blutenburg-Theater, das seit fast 30 Jahren  Zuschauer aus ganz Deutschland mit Kriminalstücken und Thrillern unterhält.

Das Stück spielt in einem vermoderten Keller, in dem ein ebenso heruntergekommener Galgen steht. Hier sollte der Doppelmörder Demleitner hingerichtet werden, doch sein Henker hat sich am Vortag beim Fußball verletzt und nun muss der pensionierte Kollege Reichelmeier die lästige 8479_552386028136642_646700382_nPflicht hinter sich bringen. Demleitner scheint eigentlich ein ganz umgänglicher Mensch zu sein und weiß auch nicht mehr genau, wieso er seinen Kontrahenten erschlagen hat. Doch trotzdem will Reichelmeier seine Aufgabe schnell hinter sich bringen, um zu seiner Feier im Briefmarkenverein zu kommen. Doch leider spielt das Vollzugsgerät nicht so ganz mit und als sich auch noch die Putzfrau Anna Beindl einmischt, entwickelt sich ein hochgradig chaotischer Theaterabend, bei dem sicher kein Auge trocken bleibt.

Das Stück ist von vornherein schon recht absurd (allein die Tatsache, dass scheinbar in einem modernen bayrischen Dorf die Todesstrafe noch als legitimes Rechtsmittel gilt), was der regisseur Kai Taschner daraus gemacht hat ist mehr als Volkstheater. Es ist wohl das Schrägste, was man derzeit auf Münchner Bühnen zu sehen bekommt und auch, wenn die Handlung bei näherer Betrachtung nicht wirklich weiterkommt, hat man eineinhalb Stunden einfach nur sehr großen Spaß. Da verwandelt sich der triste Keller mit mittelalterlichen Folterwerkzeugen spontan in eine Disco und der Henker stimmt einen Walzer an. Auch aktuelle politische und gesellschaftliche Ereignisse fanden einen Platz in dieser schwarzen Komödie.

Am meisten Spaß macht es aber definitiv, den drei Darsteller bei ihrem Spiel zuzusehen. Joachim Bauer, Gerhard Jilka und Judith Bopp legen eine Energie und Spielfreude an den Tag, die die rund einhundert Premierengäste unweigerlich ansteckten. Sie haben eine wahre Choreografie mit dem zentralen Galgen zu bewältigen, der scheinbar ein Eigenleben entwickelt. Sehr positiv anzumerken ist, dass die drei Darsteller den bayrischen Dialekt wirklich beherrschen. Viel zu oft sieht man, auch in Bayern, Schauspieler in Film und Theater, die daran scheitern. So haben „Muttersprachler“ sicher große Freude beim Zuhören, aber auch Nichtbayern verstehen sicherlich auch genug, da auch viel Wert auf Mimik und Slapstick gelegt wird.971569_552390821469496_1695673845_n

Super ist auch die Musikauswahl von Taschner. Die Vorstellung beginnt mit einem idyllischen Hackbrett-Stück, doch die Musik wird schnell verzerrter und schräger, wie die Handlung des Stücks. Äußerst passend.

Natürlich bekommt man in dieser Inszenierung kein Stück über große Themen geboten, aber wer sich einfach eineinhalb Stunden beste Unterhaltung wünscht und mit einem breiten Grinsen aus dem Theater gehen möchte ist hier bestens aufgehoben.

„Die Hinrichtung“ wird noch bis 6. Juli gezeigt und dann nach einigen Wochen Theaterferien von Ende August bis zum 28. September. Vorstellungen sind fünfmal die Woche von Dienstag bis Samstag. Karten gibt es unter der Telefonnummer 089/1234300 oder auf der Webseite: http://www.blutenburg-theater.de/kartenbestellung.html

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Über mako89

Marina Kolmeder studierte von 2009 bis 2014 Theaterwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Bereits in ihrer Zeit am Gymnasium Mainburg war sie viele Jahre lang am Schultheater beteiligt und so widmete sie sich auch nach dem Abitur der Welt des Theaters. Sie arbeitete bereits als Regieassistentin und -Hospitantin in verschiedenen Münchner Theatern, etwa bei der Inszenierung von Emmerich Kálmáns "Zirkusprinzessin" am Gärtnerplatztheater oder Yael Ronens "Plonter" im theater...und so fort. Ihr Debüt als Regisseurin feierte sie 2012 mit "Tango" von Slawomir Mrozek an der Studiobühne München, 2013 folgte eine historisierende Inszenierung von William Shakespeares "Der Sturm" in München und Osterhofen. Mittlerweile spezialisiert sie sich in Forschung und Praxis auf das bairischsprachige Theater aller Genres und Epochen. Für Theater to Go ist sie seit 2011 tätig, seit 2014 als Leiterin. Zeige alle Beiträge von mako89

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