Was wäre wenn… – Ephraim Kishons Komödie „Es war die Lerche“ in München

theater…und so fort

Was wäre, wenn Romeo und Julia, das wohl berühmtste Liebespaar der Theatergeschichte, Shakespeares Drama überlebt hätten? Diese Frage beantwortet die Komödie „Es war die Lerche“ von Ephraim Kishon, die am vergangenen Mittwoch Premiere im Münchner theater…und so fort Premiere feierte.

Kishon zeigt das Ehepaar Romeo und Julia dreißig Jahre nach den Ereignissen des elisabethanischen Stücks. Da Julias Mutter ihren Schwiegersohn nicht leiden kann, gibt es auch keine finanzielle Unterstützung für die Tochter.

Sebastian Sash (Shakespeare), Wolfgang Haas (Romeo), Sonja Reichelt (Julia)

Sebastian Sash (Shakespeare), Wolfgang Haas (Romeo), Sonja Reichelt (Julia)

Auch Romeo stellte sich kurz nach der Hochzeit als armer Schnorrer heraus und muss nun als Ballettlehrer die holde Gattin und die zickige Tochter Lucrezia über Wasser halten. Auch das Liebesleben des Paares lässt seit Jahren zu Wünschen übrig, Romeos romantische Zuneigung zu seiner Wärmflasche Lisa trägt dazu nicht positiv bei.

Mitten im Ehestreit taucht zu allem Unglück auch noch William Shakespeare persönlich auf, der aus dem Grab auferstanden ist, um die Beziehung mit allen Mitteln zu retten. Doch stattdessen verliebt er sich in die rebellische Teenager-Tochter und brennt mit ihr durch.

Das Stück klingt chaotisch, und genau das ist es. Aber die Situationen wirken wie aus dem richtigen Leben gegriffen, etwa der schnarchende Ehemann oder das Aneinander-Vorbei-Reden beim Frühstück. In den zwei Stunden Theaterabend bleibt sicher kein Auge trocken. Das liegt vor allem an der detailreichen und kurzweiligen Inszenierung von Heiko Dietz und den drei Darstellern. Ganz in der elisabethanischen Tradition übernehmen die Darsteller mehrere Rollen, weshalb sie sich auch bei Shakespeare beschweren. Sonja Reichelt spielt neben der gelangweilten Ehefrau Julia auch Töchterchen Lucrezia und die alte, schrullige Amme Julias. Wolfgang Haas gibt einen herrlich schrägen Romeo und den doch sehr vergesslichen Pater Lorenzo, der gerne mal die Shakespeare-Figuren durcheinander bringt. Zuletzt noch Sebastian Sash als Willy Shakespeare, der im Gegensatz zum Ehepaar fast nur in Zitaten aus „seinen“ Werken kommuniziert und an dem Verhalten seines Traumpaars schier verzweifelt.

NebenLerche dem akribischen Zerstören des Traumpaar-Klischees wird auch ordentlich mit dem elisabethanischen Theaterwesen aufgeräumt. Die Figuren fragen sich etwa, warum manche immer ihre geheimsten Gedanken laut mit dem Publikum teilen, schließlich könnten sie auf der Bühne das genauso gut hören.

Das Stück macht sicher nicht nur Verheirateten und Shakespeare-Fans Spaß. Wer als Abschluss eines warmen Sommertags einfach nur eine große Portion Humor gebrauchen kann ist in dem kühlen Kellertheater in der Kurfürstenstraße mehr als gut aufgehoben.

Es gibt noch Vorstellungen am 16., 17., 18., 20., 21. und 22. August. Kartenpreise und Möglichkeiten zur Reservierung gibt es unter http://www.undsofort.de/stueck/es-war-die-lerche,396

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Über mako89

Marina Kolmeder studierte von 2009 bis 2014 Theaterwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Bereits in ihrer Zeit am Gymnasium Mainburg war sie viele Jahre lang am Schultheater beteiligt und so widmete sie sich auch nach dem Abitur der Welt des Theaters. Sie arbeitete bereits als Regieassistentin und -Hospitantin in verschiedenen Münchner Theatern, etwa bei der Inszenierung von Emmerich Kálmáns "Zirkusprinzessin" am Gärtnerplatztheater oder Yael Ronens "Plonter" im theater...und so fort. Ihr Debüt als Regisseurin feierte sie 2012 mit "Tango" von Slawomir Mrozek an der Studiobühne München, 2013 folgte eine historisierende Inszenierung von William Shakespeares "Der Sturm" in München und Osterhofen. Mittlerweile spezialisiert sie sich in Forschung und Praxis auf das bairischsprachige Theater aller Genres und Epochen. Für Theater to Go ist sie seit 2011 tätig, seit 2014 als Leiterin. Zeige alle Beiträge von mako89

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